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Bad Wörishofen

28.04.2020

Corona: Therme Bad Wörishofen stemmt sich gegen die Krise

Handwerker statt Badegäste: In der Therme Bad Wörishofen läuft derzeit die größte Renovierung seit der Eröffnung des Großbades in der Kneippstadt.
Bild: Therme Bad Wörishofen

Plus Das Großbad ist seit Wochen geschlossen. Für den Besuchermagneten bedeutet das harte Einschnitte – und voraussichtlich einen Millionenverlust.

„Für uns war es immer undenkbar, die Therme Bad Wörishofen nicht 365 Tage im Jahr für unsere Gäste geöffnet zu haben“, sagt Jörg Wund, der Inhaber des Großbades in der größten Stadt des Landkreises Unterallgäu. Das war auch 2019 so, als es sogar den wirtschaftlich besten Dezember der Thermengeschichte gab. Die behördliche Schließung in der Corona-Krise am 17. März habe das Geschäft innerhalb nur einer Nacht „von 100 auf Null abgebremst.“ Das trifft auch die Beschäftigten. „Wir waren und sind gezwungen, die laufenden Kosten auf ein Minimum zu reduzieren“, sagt Wund, das gelte auch für die Partnerfirmen. Man habe für 90 Prozent der rund 250 Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt.

Wie lange dieser Zustand noch anhält, kann Wund nicht sagen. Es gebe noch kein Datum für eine Wiedereröffnung des Großbades. Deshalb seien auch exakte wirtschaftliche Prognosen unmöglich. „Nach fünf guten Geschäftsjahren, hoffen wir, dass die erwirtschafteten Überschüsse bis Ende Juni reichen“, sagt Wund. Aber für das Jahr als Ganzes sieht der Unternehmer schwarz. „Selbst wenn wir im Sommer wieder öffnen können, rechnen wir bis zum Jahresende mit einem Defizit von über vier Millionen Euro“, sagte Wund unserer Redaktion. Auch sein zweites Bad, die Therme Erding, ist weiterhin geschlossen. Dort, wie auch in Bad Wörishofen, hat Wund die sogenannte Revision vorgezogen.

So geht es in der Therme Bad Wörishofen auch in Zeiten von Kurzarbeit weiter

„Uns war sofort klar, dass wir die Zeit der Zwangs-Schließung nutzen müssen“, sagt der Unternehmer. Aktuell gleicht die Therme Bad Wörishofen einer großen Baustelle. „Wir führen die umfangreichsten Revisions- und Erneuerungsarbeiten seit der Eröffnung der Therme durch und konnten glücklicherweise auch die ursprünglich für den Sommer geplanten Arbeiten vorziehen.“

Corona: Therme Bad Wörishofen stemmt sich gegen die Krise
Leere Parkplätze vor der Therme Bad Wörishofen: Normalerweise hat das Großbad an jedem Tag des Jahres geöffnet. Seit über einem Monat aber dürfen in der Corona-Krise keine Gäste mehr empfangen werden.
Bild: Therme Bad Wörishofen

Alle Böden werden überarbeitet und zum Teil erneuert, das komplette Saunainnen- und Außenbecken neu gefliest. Die Maler sind am Werk, Wund lässt zudem viele Großpalmen des Bades umpflanzen oder neu pflanzen. Das sei nur ohne Gästebetrieb möglich. „Als ganz neues Angebot wird ein zusätzliches Sonnendeck im Sauna-See gebaut“, berichtet Wund. In der Technik werden die großen Filter aufwändig saniert, Rohrleitungen erneuert und die gesamte Desinfektionsanlage überholt. „Wir nehmen auch Arbeiten vor, die erst in den nächsten ein bis zwei Jahren fällig wären“, erklärt er. Auf diese Weise will Wund kommende Revisionen zeitlich verkürzen und so Verluste aus der Corona-Krise etwas auffangen. In drei Wochen würden die meisten der nun anstehenden Arbeiten erledigt sein. „Mit unseren aktuellen Baustellen investieren wir viele hunderttausend Euro in die Zukunft“, sagt Jörg Wund. „Das ist in dieser Zeit ein besonderer Kraftakt, aber wir glauben an den Standort Bad Wörishofen und sehen die Therme auch weiterhin als einen wichtigen Besuchermagneten für den Kurort.“ Sobald es weitergehen darf, wolle man „die positive Entwicklung der Stadt wieder mit aller Kraft unterstützen.“

Was Thermen-Chef Jörg Wund nun für das Wichtigste hält

Das Wichtigste sei nun, wieder öffnen zu dürfen. Für die Standorte Erding und Bad Wörishofen wurde ein umfassendes Sicherheitskonzept zur Wiedereröffnung entwickelt. Seit Mitte des Monats tausche man sich darüber mit der Politik aus.

Die Monate der Schließung ließen sich aber nicht aufholen, zumal man in der Therme derzeit davon ausgeht, anfangs nur mit einer Besucherbegrenzung öffnen zu dürfen. Die Rückmeldungen der Gäste machten aber Mut. Auch hofft man bei den Verantwortlichen, dass die Therme vermehrt als Erholungsziel genutzt wird, wenn es wieder losgehen darf. Heuer fielen durch die Corona-Pandemie viele beliebte Reiseziele im Ausland wohl aus. Deshalb komme den Thermen Bad Wörishofen und Erding „eine wichtige Bedeutung als regionale Urlaubsalternative zu“, heißt es. Davon würden auch die Hotels in Bad Wörishofen profitieren. Im vergangenen Jahr, als die Therme den 15. Geburtstag begehen konnte, habe man über 740.000 Gäste begrüßt. „Unser Jubiläumsjahr verlief erfolgreich und der Dezember war sogar der beste der Thermengeschichte“, teilt das Bad mit. Genaue Zahlen nannten die Verantwortlichen auf Nachfrage nicht.

Es droht die Gefahr, dass weiteres Eigenkapital „verbrannt“ wird

Es gebe nun viele Ideen für Erweiterungen, die man mit dem neuen Bürgermeister Stefan Welzel (CSU) und dem Stadtrat durchsprechen wolle. Um was es dabei geht, sagte Wund nicht.

„Die nächsten Monate entscheiden darüber, was möglich ist. Werden durch eine Beibehaltung der Schließung etwa bis zum 31. August weitere Millionen Eigenkapital „verbrannt“, können wir in naher Zukunft sicher kein Großprojekt starten“, erklärt Jörg Wund. „Auch werden nach Wiedereröffnung Beschränkungen der Besucherzahlen die Umsätze deutlich reduzieren“, sagt der Inhaber.

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Polizeieinsatz in der Sauna der Therme Bad Wörishofen

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