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Mindelheim

08.12.2020

Corona füllt die Regale in den Sozialläden

Bevor der Rot-Kreuz-Laden seine Türen öffnet, sortieren an diesem Tag (von links) Anne Schmieder, Vroni Paul-Weber und Erika Kalischek die neuen Kleidungsstücke.
Bild: Fritz Settele

Plus Die Rot-Kreuz-Läden im Unterallgäu und die „Klamotte“ der Caritas freuen sich in der Corona-Pandemie über mehr Ware – und mehr Kunden.

„Gutes aus zweiter Hand“: So lautet das Motto der Rot-Kreuz-Läden in Mindelheim, Bad Wörishofen, Babenhausen, Ottobeuren und Memmingen. Und dieses Jahr gab es besonders viel davon: Offensichtlich haben viele Bürger die Corona-Einschränkungen genutzt, um zu Hause ihre Kleiderschränke zu durchforsten und auszusortieren. Entsprechend voll sind die Regale und Lager – auch beim Caritas Kleiderladen „Klamotte“ in Mindelheim. In den Rot-Kreuz-Läden wird deshalb derzeit nur noch Winterkleidung in „übersichtlichen Mengen“ angenommen, nicht aber säckeweise, das lässt der Platz einfach nicht zu.

Parallel zur Ware hat aber auch die Zahl der Kunden zugenommen, sagt Vroni Paul-Weber aus Babenhausen, die alle fünf Unterallgäuer Rot-Kreuz-Läden betreut. Sie vermutet, dass aufgrund von Kurzarbeit mehr Unterallgäuer aufs Geld schauen mussten. Und auch die Unsicherheit, wie sicher der eigene Arbeitsplatz in Zeiten von Corona ist, könnte zu der größeren Nachfrage beigetragen haben, glaubt sie. Denn wo gibt es schon Hemden und Hosen für zwei Euro das Stück?

In der "Klamotte" in Mindelheim muss man meist nicht mehr als zehn Euro für ein Outfit zahlen

Die Kleidung in der „Klamotte“ bewegt sich in einem ähnlichen Preisrahmen. Mehr als zehn Euro muss hier in der Regel kein Kunde für ein neues gebrauchtes Outfit zahlen. Doch nicht nur die günstigen Preise locken Kunden in die Sozialläden. Laut Ursula Richinger, der Leiterin der „Klamotte“ stöbern dort auch vermehrt Modebegeisterte, die Wert auf Nachhaltigkeit legen und deshalb statt neuer lieber gebrauchte Kleidung kaufen. Denn einkaufen dürfen in den Second-Hand-Läden alle. Tafelkunden bekommen in der „Klamotte“ allerdings 30 Prozent Rabatt und beim Roten Kreuz bekommen Bedürftige die Ware sogar zum halben Preis.

Dass man ihr ihre Vergangenheit nicht ansieht, darum kümmern sich in den Läden die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen – Männer sind rar. Sie unterziehen die Lieferungen einer ersten groben Sichtung und sortieren Unbrauchbares aus: Was nicht ins Sortiment passt, schmutzig oder kaputt ist oder schlicht nicht mehr zeitgemäß, kommt nicht in die Läden. Kleidung, die man selbst aus modischen Gründen nicht mehr anziehen möchte, sollte auch nicht im Sozialladen landen. Denn auch hier finden „altbackene“ Teile keine Abnehmer. „Man sollte nur das abgeben, was man selbst eventuell noch anziehen würde“, rät Vroni Paul-Weber und betont: „Wir sind ja kein Entrümpelungsinstitut.“

In Mindelheim befindet sich der Rot-Kreuz-Laden in der Kornstraße.
Bild: Fritz Settele

Sie weist außerdem darauf hin, dass einige der Kleiderspenden zwischen den fünf Rot-Kreuz-Läden im Unterallgäu rotieren. So soll gewährleistet werden, dass abgegebene Kleidung nicht bereits am nächsten Tag wieder durch denselben Ort spazieren getragen wird. Neben Kleidungsstücken für Männer und Frauen bieten die Rot-Kreuz-Läden auch andere Dinge an, beispielsweise Spielzeug und gut erhaltene Kinderartikel wie Autositze. Auch Bettwäsche und Geschirr sind zu finden. In der „Klamotte“ ist dagegen der Name Programm.

Ein kleiner Gewinn bleibt in den Kassen der Sozialläden

Auch wenn die Preise niedrig sind, bleibt dank des guten Umsatzes ein kleiner Gewinn in den Kassen: Die „Klamotte“ leitet ihn an karitative Einrichtungen weiter, das Rote Kreuz fördert damit die Sozialarbeit und die ehrenamtlichen Aktivitäten des BRK-Kreisverbands Unterallgäu. Die Pandemie hat den Sozialkaufhäusern aber nicht nur mehr Ware beschert, sondern auch für erhebliche Ausfälle gesorgt: Während des Lockdowns im Frühjahr durften schließlich auch sie nicht öffnen und in Babenhausen fielen der Frühjahrs- und der Gallusmarkt aus – und damit die beiden bei weitem umsatzstärksten Tage des Babenhausener Rot-Kreuz-Ladens.

Weil ein Großteil der Helfer altersbedingt der Risikogruppe angehört, würde sich Vroni Paul-Weber zudem über die eine oder andere jüngere Mitarbeiterin freuen. Doch auch abseits der Pandemie würden in allen Läden zusätzliche helfende Hände guttun.

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