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Corona im Unterallgäu: Wo bleibt der Respekt vor den Verkäufern?

Corona im Unterallgäu: Wo bleibt der Respekt vor den Verkäufern?
Kommentar Von Johann Stoll
13.05.2020

Plus Die Phase der Vernunft scheint vorüber. Jetzt haben all jene Oberwasser, die schon kleinste Corona-Einschränkungen für Freiheitsberaubung halten. Ein Standpunkt.

Niemand leugnet, dass uns allen seit Ende März einiges abverlangt wird. Die Sorge vor einer unkontrollierten Verbreitung der Corona-Pandemie und damit einer Überforderung unseres Gesundheitssystems nötigte die Bundes- und Landesregierungen zu unpopulären Maßnahmen. Läden wurden geschlossen, Existenzen bedroht. Zugleich steuerte die Politik mit immensen Steuermitteln dagegen, um die schlimmsten Folgen abzufedern. Und ja, es stimmt: Wir alle mussten uns umstellen und Einschränkungen unserer Freiheitsrechte hinnehmen.

Anfangs machte sich kollektives Verantwortungsgefühl breit

Lange Zeit akzeptierten die allermeisten Menschen die Vorgaben. Es gab sogar viel Zustimmung für das konsequente Vorgehen. Ein Land kam zur Ruhe, nahm Rücksicht. Ein kollektives Verantwortungsgefühl machte sich breit. Das war beeindruckend und zeugte von Reife.

Die Stimmung dreht sich nun gerade. Auslöser war wohl die verfügte Maskenpflicht in Läden. Seither brodelt es. Während immer noch eine Mehrheit einsieht, dass wir noch lange nicht über dem Berg sind, macht sich zunehmend eine andere Stimmung breit, die im Internet von ganz unterschiedlichen Akteuren befeuert wird. Impfgegner verbünden sich mit Freiheitsliebenden, die Sorge um unsere Grundrechte haben, während gleichzeitig erste Lockerungen verfügt werden. Hinzu gesellen sich Kreise, die nur eines im Sinn haben: unsere Demokratie zu schwächen. Für Verschwörungstheoretiker aller Art bildet die Corona-Krise das Schmiermittel. Diese Gemengelage ist brandgefährlich.

Corona im Unterallgäu: Wo bleibt der Respekt vor den Verkäufern?

Im Internet finden sich ohne Ende Thesen und Theorien zum Impfen, zur Herkunft des Virus, zu den Anschlägen des 11. September 2001 und zum bevorstehenden Weltuntergang sowieso. Wenn es die eigene Auffassung bestärkt, wird es geglaubt.

Viele Kunden weigern sich, im Laden eine Maske aufzusetzen

Und nun scheint für viele der Punkt gekommen, die Vorgaben zur Corona-Eindämmung einfach beiseite zu wischen. Ladeninhaber können ein Lied davon singen. Viele Kunden weigern sich rundheraus, eine Maske aufzusetzen.

Hier mal eine Sammlung der häufigsten Ausreden: „Ich habe keine dabei. Ich habe sie vergessen. Sie liegt im Auto. Brauche ich nicht: Ich bin gesund. Stell dich nicht so an. Wenn du das Geld haben willst, dann musst du ohne Maske kassieren.“ Andere wieder rechtfertigen ihre Ablehnung damit, „ich bin ein freier Mensch“. Und ganz selten schreit auch mal einer: „Ich ziehe keine Maske auf.“ Die Respektlosigkeit gegenüber Verkäufern und Kassierern ist enorm. Dass Ladenbesitzer in Sorge sind, eine saftige Strafe bezahlen zu müssen, wenn sie das Nichttragen von Masken dulden, scheint keiner zu sehen. Gerade die kleineren Läden sollten wir doch alle unterstützen.

Mehr Respekt für die Verkäufer in den Läden, die die Maske stundenlang tragen

Wo bleibt der Respekt den Menschen gegenüber, die jetzt schon die ganze Zeit die Infrastruktur am Leben erhalten haben und jetzt auch noch ständig angegangen werden, weil Kunden sich weigern, für ein paar Minuten eine Maske aufzusetzen? Die Verkäufer in den Läden müssen sieben, acht Stunden die Maske tragen. Aber das scheint ja keinen zu kümmern.

PS: Noch ein Hinweis in eigener Sache: Der Autor wird weder von der Bundesregierung noch der Staatsregierung bezahlt.

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