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Mindelheim

24.03.2020

Corona - und plötzlich macht Lernen viel mehr Spaß

Seit einer Woche bleiben die meisten Klassenzimmer in Deutschland leer.
Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Plus Weil die Schulen dicht sind, läuft der Unterricht jetzt digital. Die ersten Erfahrungen sind überraschend gut, wie das Beispiel Maristenkolleg zeigt.

Seit Montag ist alles anders für Rainer Göppel. Der Mindelheimer Gymnasiallehrer gehört zur Schulleitung am Maristenkolleg und koordiniert die Oberstufe. Englisch und Religion sind seine Fächer.

Normalerweise stünde Rainer Göppel wie alle seiner Lehrerkolleginnen und -kollegen vormittags vor seinen Klassen, in seinem Fall ist es eine fünfte und eine neunte. Dazu käme noch die Oberstufe mit der Q11. Seit Montag unterrichtet er ohne Schüler. An bayerischen Lehranstalten gibt es keinen regulären Unterricht mehr. Kultusminister Michael Piazolo hat alle Schüler ins Homeoffice geschickt.

"Corona-Ferien" heißt nicht "schulfrei" - im Gegenteil

Mit schulfrei hat das allerdings nichts zu tun. Im Gegenteil. Es wird gearbeitet wie immer, nur eben anders. Corona beschert den Schulen damit einen ersten Großversuch, wie Unterricht im digitalen Zeitalter auch aussehen könnte: Kein Unterricht im Klassenverband, dafür aber Lernstoff per Datenleitung und eigenständiges Arbeiten.

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Die Erfahrungen der ersten Tage sind motivierend, sagt Göppel am Telefon. Eine persönliche Begegnung verbietet sich in diesen Tagen aus guten Gründen. Alle Schüler und Lehrer sind an das Microsoft Office-365-Programm angeschlossen. Das staatliche Mebis-System wäre auch eine Möglichkeit, um sich auszutauschen, das alle Schulen nutzen können. Das war allerdings zu Beginn der Woche in vielen Teilen Bayerns völlig überlastet und zusammengebrochen. Die digitale Wirklichkeit hatte zugeschlagen.

Im Office-Programm können praktisch virtuelle Klassenzimmer gebildet werden und Lehrer sich untereinander austauschen. Dateien lassen sich für alle Schüler hochladen, sofern sie nicht gerade völlig abgelegen wohnen. Und es gibt eine Chat-Funktion, über die die Schüler Fragen an ihre Lehrer stellen können.

Manche Schüler sind digital aktiver als in der Klasse

Die nehmen das auch ausgiebig wahr. Göppel hat den Eindruck, dass den Schülern diese Form des Unterrichts richtig Spaß macht. „Manche sind digital viel aktiver als in der Klasse“, hat er überrascht festgestellt. Es sei einfach eine andere Herangehensweise an den Stoff.

Martin Weiß-Paschke aus der Schulleitung des Maristenkollegs ist auch schon infiziert von der Begeisterung für die neuen Möglichkeiten. Seine Fächer sind Deutsch und Geschichte. Wenn er morgens seinen Rechner hochfährt, hat er schon 60 Mails im Postfach, die er nach und nach abarbeitet. Eine sofortige Antwort ist da aber nicht in jedem Fall möglich. Die meisten Nachrichten sind Schülerfragen.

Für die Lehrer ist das alles mit einem größeren Zeitaufwand verbunden. In dieser Dimension ist es für alle Neuland. Bis in den Abend hinein betreuen die Lehrkräfte die Schüler. Den größten Vorteil sieht Weiß-Paschke darin, nicht mehr durch eine 45-minütige Schulstunde begrenzt zu sein.

Die Schüler müssen ganz normal ihre Hausaufgaben erledigen. Die Aufgaben bekommen sie wie sonst auch. Sie orientieren sich am Stundenplan. Weiß-Paschke und Göppel haben den Eindruck, dass die Hausaufgaben zuverlässiger gemacht werden als zuvor. „Das funktioniert hervorragend“, sagt Weiß-Paschke. Die Abiturienten werden ganz besonders intensiv betreut und bekommen extra Material an die Hand.

Nur eines geht momentan nicht: Alle geplanten Prüfungen müssen verschoben werden. Bleibt es bei den drei Wochen bis Ostern, in denen die Schulen geschlossen bleiben, „bekommen wir das irgendwie hin“, sagt Göppel.

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