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Mindelheim

24.06.2018

Da hätte auch Frundsberg die Ohren gespitzt

Josef Wiedenmann
Bild: Hans-Georg Wawra

Josef Wiedenmann vom Fähnlein Lodron aus Mindelheim komponiert zwei Chorsätze im Stil des frühen 16. Jahrhunderts

Wenn Mindelheim alle drei Jahre ins ausgehende Mittelalter eintaucht, ist das nicht nur ein farbenfrohes Fest dank prächtiger Gewänder, blinkender Rüstungen und bunter Landsknechtshaufen. Auch für die Ohren der abertausend Gäste beginnt jedes Mal eine spannende Zeitreise. Neben Waffengeklirr, Böllerschüssen und Büchsengeknalle der Landsknechte nehmen die Mindelheimer Aktiven die Besucher auch musikalisch mit ins beginnende 16. Jahrhundert. Diesmal gibt es sogar zwei neue Stücke zu hören, die Josef Wiedenmann im Stil der Frundsbergzeit komponiert hat.

Wiedenmann ist Leiter der Sängervereinigung Mindelheim. Zur Frundsbergzeit nennt sich der Chor „Sängerchor Lodron“. Für diesmal hat Wiedenmann zwei Chorsätze in der Satztechnik des frühen 16. Jahrhunderts geschrieben. Wiedenmann hat Klavier und Kirchenmusik studiert. Er ist Lehrer für Klavier und Musiktheorie an der Berufsfachschule für Musik in Krumbach.

Der Mindelheimer hat zwei neue Stücke im Stil der Frundsbergzeit komponiert

Der erste Chorsatz ist überschrieben mit „In Dich hab’ ich gehoffet Herr ...“. Die Melodie wird bereits im 15. Jahrhundert in Böhmen und um 1552 in Zürich erwähnt. Den Text schrieb Adam Reißner. Dieser war zunächst Geheimschreiber des Georg von Frundsberg und begleitete infolgedessen von 1526 bis 1528 den Italienfeldzug.

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Von 1532 bis 1548 war Reißner Stadtschreiber von Mindelheim. Bei den großen Festzügen ist Reißner über viele Jahre durch den inzwischen verstorbenen Ehrenbüger Erwin Holzbaur dargestellt worden.

Der zweite Chorsatz heißt „Potz marter Kyrie Velti ...“ Das ist ein Spottlied über einen Liedermacher und „feigen“ Landsknecht, der sich rühmt, 1522 in der Schlacht bei Biococca gekämpft zu haben. Er rühme sich zu seiner eigenen Schande, denn nur der Graben, in den er sich vergrub, habe ihm das Leben gerettet, weder Schwert noch Hand.

Urheber von Text und Melodie sind unbekannt. Der Sprache nach dürfte der Text aus dem Umfeld der damals gefürchteten eidgenössischen Söldner stammen. Das heute weithin unbekannte Lied, so Josef Wiedenmann, führt mit seiner „rauen Sprachwirklichkeit unversehens in das grausame Geschehen der kriegerischen Auseinandersetzung“.

Beim Frundsbergfest ist auch der Projektchor „Must have“ im Einsatz. Er heißt an den zehn Tagen „Sängerscharf Lodron“ und ist ein gemischter Chor, der sich eigentlich im Genre Rock, Pop und Jazz bewegt. Er wird beim Frundsbergfest 2018 mit Chorsätzen aus dem 16. Jahrhundert von Ludwig Senfl, Horatio Vecchi oder Hans Leo Haßler zu hören sein.

Auf der Homepage der Sängervereinigung (www.saengervereinigung-mn.de) oder auf YouTube unter „Must Have Mindelheim“ gibt es Audios und Videos aus dem Rock-, Pop-, Jazzrepertoire des Chores zu sehen und zu hören. Sängerinnen und Sänger sind herzlich eingeladen, unverbindlich und „just for fun“ eine Chorprobe zu besuchen, denn das augenblicklich achtköpfige Ensemble sucht natürlich weitere Chormitglieder.

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