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Ettringen

01.02.2019

Da staunt man Bauklötzchen: Ettringer lebt im eigenen „Legoland“

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Der 46-jährige Ettringer Georg Frank hat eine ganz besondere Leidenschaft: Er sammelt Lego-Technik-Modelle.
Bild: Melanie Springer

Plus Georg Frank kaufte sich 2004 seinen ersten Bausatz - der Beginn einer großen Leidenschaft mit ungeahnten Folgen.

„Jedem Tierchen sein Pläsierchen“ sagt eine alte Redensart, die ohne Zweifel auch auf Georg Frank aus Ettringen zutrifft. Der 46-Jährige hat nämlich eine ganz besondere Leidenschaft: Er sammelt Lego-Technik-Modelle. Das Bemerkenswerte daran ist, dass seine Sammlung vollständig ist. Mehr als 350 Bausätze finden sich im Haus des gebürtigen Ettringers. Die Exponate sind nach Jahrgängen sortiert und fein säuberlich in Glasvitrinen ausgestellt. „Sonst käme ich ja mit dem Staubwischen nicht mehr hinterher“, erklärt Frank.

Es gibt kaum jemanden, der die bunten Plastiksteine nicht kennt. Als die dänische Spielzeug-Firma Lego im Jahr 1932 gegründet wurde, war Holz noch der favorisierte Rohstoff. Erst 1949 hat das Unternehmen auf Plastiksteine gesetzt, die seither Generationen von Kindern glücklich gemacht haben. Der Name „Lego“ ist von „leg godt“ abgeleitet, das ist Dänisch und bedeutet „spiel gut“.

In der Vitrine in Ettringen stehen wohl mehr Technik-Modelle als im Legoland Günzburg

Auch Georg Frank und dessen Schwester spielten seinerzeit damit. „Fantasieprodukte“ nennt er die Konstrukte, die sie als Kinder bauten. Die Lego-Technik-Reihe wurde zwar schon 1977 ins Leben gerufen, als er gerade mal fünf Jahre alt war. Doch es sollten noch knapp 30 Jahre vergehen, bis er seinen ersten Bausatz in Angriff nehmen würde, denn für die Technik-Modelle fehlte damals das Geld.

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2005 hat sich der gelernte Bauzeichner – eigentlich aus einer Laune heraus – einen Lkw der Lego-Technik-Serie gekauft. Der Truck aus dem Jahr 2004 war der Beginn seiner neuen Leidenschaft. Stolz nimmt er ihn aus der Vitrine und erklärt, dass sich der Kran mit Pneumatik senken und heben lässt. Nach Fertigstellung des Lkw hat er sich sofort den nächsten Bausatz besorgt. „Irgendwann wollte ich alle!“, sagt Frank wie jemand, der einer Sucht verfallen ist.

An alle Modelle zu kommen, ist gar nicht so einfach, wie man denkt

Das Problem damals war, so Frank, dass Lego die neuen Modelle nach etwa drei Jahren wieder vom Markt nimmt. Um seine Sammlung zu vervollständigen, musste er deshalb auf andere Quellen wie Flohmärkte und digitale Versteigerungsplattformen zurückgreifen. Ärgerlich sei dann, wenn einzelne Teile fehlen. Oft sei auch die Bauanleitung nicht mehr vorhanden gewesen, was die Montage zur regelrechten Sysiphos-Arbeit machte.

Wenn Georg Frank einen gebrauchten Bausatz kauft, steckt er ihn erstmal bei 40 Grad mit Vollwaschmittel in die Waschmaschine, denn „Hygiene muss sein!“ Damit die Steine nicht wild durch die Trommel fliegen, packt er sie in einen Wäschesack, genauer gesagt in zwei. „Sicher ist sicher“, sagt er. „Sonst findet man die Teile nie wieder.“

2017 feierte Lego Technik seinen 40. Geburtstag. Georg Frank überlegte kurz, das Jubiläum zum Anlass zu nehmen, mit dem Sammeln aufzuhören, denn langsam bekam er ein Platzproblem. Während Lego Technik zur Anfangszeit nur drei bis fünf neue Modelle im Jahr herausbrachte, sind es mittlerweile zwischen zehn und fünfzehn. Das geht nicht nur ins Geld, sondern sprengt auch langsam den Rahmen seiner räumlichen Kapazitäten. „Ach, was soll’s“, sagte er sich, „zehn Jahre gehen noch!“ Die Vitrinen sind mittlerweile im gesamten Haus verteilt.

Der Höhepunkt ist ein Lego-Wohnzimmer. Ein Blick hinter die Scheiben der unzähligen Vitrinen gibt Aufschluss über das facettenreiche Sortiment: Baufahrzeuge, Sportwagen, landwirtschaftliche Geräte, um nur ein paar zu nennen. Über manche Modelle muss sich der Hobbysammler allerdings ärgern, zum Beispiel über den orangefarbenen Porsche aus dem Jahr 2016 für schlappe 300 Euro. „Der kann ja nichts“, sagt er, „aber der Vollständigkeit halber will man ihn halt doch haben.“

In seiner Freizeit hat Georg Franz zumeist ein großes Ziel

In seiner Freizeit fährt Georg Frank oft ins Legoland nach Günzburg. Er hat seit zehn Jahren eine Jahreskarte. Achterbahn ist er dort noch nie gefahren, gibt er zu. Er geht lieber spazieren und schaut, was es Neues gibt. Dabei stellt er immer wieder fest: „Meine Lego-Technik-Sammlung ist viel größer.“ Sein Traum ist es, einmal ins Legoland nach Billund in Dänemark zu fahren, in die Lego-Geburtsstätte.

In seinem Bekanntenkreis wird Frank als geheimes Lego-Ersatzteillager gehandelt. Dass Lego mit der Wertstabilität gewisser Modelle eine höhere Rendite bringt, als das Geld auf der Bank zu lassen, fasziniert ihn. Er habe auf Flohmärkten schon oft bemerkt, dass tüchtige Geschäftsleute die Gunst der Stunde nutzen und sich einen Vorrat an bestimmten Bausätzen anlegen, den sie nach ein paar Jahren mit einem ordentlichen Gewinn wiederverkaufen.

Doch er belässt es lieber beim Sammeln, denn der Rest seiner Freizeit geht für sein zweites großes Hobby drauf, den Ettringer Schützenverein. Seit 16 Jahren ist Georg Frank dort Vorstand. Für sein überaus hohes Engagement bei den Sportschützen ist er mindestens so bekannt wie für seine Lego-Technik-Sammlung.

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