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Soziales im Unterallgäu

14.06.2018

Damit das Netzwerk erhalten bleibt

Bild: Annette Zoepf

Die Wohnberatung des Landkreises kann Senioren helfen, möglichst lange daheim zu leben. Doch nun läuft die Förderung für die Koordinatorenstelle aus

Der Großteil der Unterallgäuer will auch im Alter so lang wie möglich zu Hause leben – so lautete das Ergebnis einer Bürgerbefragung. Doch das ist nicht immer ganz einfach – zum Beispiel, wenn die Türen für einen Rollstuhl oder Rollator zu schmal sind, wenn der Badewannenrand zu hoch oder im Garten die Gehwegoberflächen zu uneben und die Gefälle zu steil sind. Welche Umbauten möglich und nötig sind, um lange daheim bleiben zu können, kann eine Wohnberatung klären, die der Landkreis in Zusammenarbeit mit verschiedenen Trägern anbietet und die Teil des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts ist.

Koordiniert werden die insgesamt acht Wohnraumberater von Birgitt Singer. Ihre hauptamtliche Halbtagsstelle, die der Kreisausschuss im Mai 2016 beschlossen hatte, wurde zwei Jahre lang durch den Freistaat Bayern gefördert. Diese staatliche Förderung läuft Ende Januar 2019 ab – weshalb nun der Kreisausschuss über die Zukunft dieser Koordinationsstelle zu entscheiden hatte.

Dann fehlt das Dach

„Wenn die Stelle wegfällt, fehlt nicht nur eine Wohnberaterin, sondern auch das Dach oben drüber“, sagte die Abteilungsleiterin für Soziales, Maria Bachmaier. Sie fürchte, dass ohne eine Koordinationsstelle das ganze Netzwerk zusammenfällt. Im Anschluss stellte Birgitt Singer ihre Arbeit und ihre To-Do-Liste vor, die sie noch gerne angehen würde.

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Im vergangenen Jahr nutzten 132 Haushalte im Unterallgäu und Memmingen das Angebot. Da geht es um Umgestaltung (wie die Beseitigung von Stolperfallen oder einen Zimmertausch) über Umbauarbeiten (Aufzug, bodengleiche Dusche) bis hin zu technischen Hilfen (wie eine automatische Herdabschaltung). Die Beratung ist kostenlos, neutral und unverbindlich und behandelt neben den Maßnahmen auch von die Finanzierung ebendieser.

Koordinatorin Singer organisiert die Schulungen der Berater, übernimmt selbst Termine und steht als mobile Reserve zur Verfügung. Sie sorgt dafür, dass alle Berater mit dem gleichen Material ausgestattet sind und dass diese sich austauschen können. Einen Schwerpunkt legte sie auch auf die Sensibilisierung von Planern, Bauträgern und Bauherren, dass schon Neubauten barrierefrei gestaltet werden. Das, was sie momentan betreibe, sei nämlich vor allem „Symptombehandlung“, so Singer. „Die bräuchte es nicht, wenn Wohnungen barrierefrei sind.“ Gemeinsam mit Baufritz plant sie ein mobiles, barrierefreies Musterhaus. Sie will Ausstellungen zu dem Thema organisieren und das Siegel „generationenfreundlicher Betrieb“ für Handwerker in der Region vorantreiben.

40000 Euro über zwei Jahre

Dass die Wohnraumberatung und ihre Koordination wichtig ist, darüber waren sich alle Ausschussmitglieder einig. Doch nun ging es ums Geld. Da die Förderung (40000 Euro über zwei Jahre) wegfällt, kämen auf den Landkreis Kosten von voraussichtlich insgesamt rund 26500 Euro pro Jahr zusammen. Roswitha Siegert (CSU) war die Erste, die die entscheidende Frage dazu stellte: „Die Strukturen sind aufgebaut, das Feld ist bestellt. Ist es möglich, ohne diese Stelle weiterzukommen?“ Ihr Vorschlag, dass beispielsweise Hubert Plepla, der das seniorenpolitische Gesamtkonzept koordiniert, die Aufgabe übernehmen konnte, kam bei Abteilungsleiterin Bachmaier und Landrat Hans-Joachim Weirather nicht gut an. „Wir alle wissen, was wir an Herrn Plepla haben“, so der Landrat. Man wolle ihm nicht noch mehr aufbürden. Zudem, so Bachmaier, dürfe man die Koordinationsarbeit nicht nur auf die Beratertätigkeit einengen, weil mehr dazu gehöre. Sie selbst habe den Zeitaufwand nicht festgehalte, sagte Singer. Im Durchschnitt dauerten Beratungen aber fünf bis sieben Stunden. Immer häufiger seien mehrere Partner beteiligt, weil die Menschen mit immer schwereren Krankheiten zu Hause bleiben wollen und können.

Rosina Rottmann-Börner (ÖDP) befand den Service für sinnvoll. Man dürfe nicht „am Menschen sparen“, sagte sie. Grünen-Politikerin Doris Kienle hatte sich bei den Trägern nach der Koordinatorin erkundigt und erklärte: „Frau Singer, man ist sehr zufrieden, dass man Sie hat!“ JWU-Kreisrat Andreas Tschugg meinte, es könne jedoch nicht aus jedem Projekt eine Stelle herauskommen. Einer unbefristeten Stelle könne er nicht zustimmen, sagte er. SPD-Kreisrat Michael Helfert fand, dass sich in Zukunft noch vieles ändern werde und man an dem Thema dranbleiben solle. Alfons Biber befürwortete für seine Fraktion die Beratung ebenfalls, kritisierte aber, dass sie eventuell zu wenig publik gemacht wurde.

Einstimmige Entscheidung

Nachdem Landrat Weirather mit Juristin Ulrike Klotz geklärt hatte, dass eine Befristung des Vertrags grundsätzlich möglich ist, war das Thema schnell abgeschlossen. Einstimmig plädierte der Kreisausschuss dafür, die Koordinationsstelle für die Wohnraumberatung auf eigene Kosten weiterzuführen. Ob die Stelle unbefristet oder befristet – und wenn ja, wie lang – besetzt wird, wird in einer späteren, nicht-öffentlichen Sitzung entschieden.

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