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Was macht Bauer Markus Hemmerle aus Apfeltrach im Mai?

15.05.2015

Damit der Bauer einen guten Schnitt macht

Bauer Markus Hemmerle sammelt das gemähte Gras mit dem Heulader ein. 
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Bauer Markus Hemmerle sammelt das gemähte Gras mit dem Heulader ein. 
Bild: home

Mitte des Monats wird zum ersten Mal Gras gemäht. Warum es dabei auf den richtigen Zeitpunkt ankommt

Im Grunde ist es so wie bei der Gartenarbeit: Ist das Wetter gut, werfen alle Nachbarn den Rasenmäher an. Ist die Zeit reif für den ersten Schnitt – meist um den 10. Mai – fahren alle Landwirte hinaus und mähen ihre Wiesen. Der Unterschied zum Gartenbesitzer liegt vor allem in der Größe der gemähten Fläche – und darin, welche Bedeutung das Gras hat. Für Markus Hemmerle aus Apfeltrach ist es die Hauptfuttergrundlage für die kommende Zeit. Er macht aus dem gemähten Gras Silage.

Doch erst einmal kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an. Schließlich soll das Gras nur die besten Inhaltsstoffe in sich tragen: Mäht man zu früh, ist der Eiweißanteil hoch, der Rohfaseranteil dafür geringer. Mäht man zu spät, „verholzt“ die Pflanze. Am Sonntag war es dieses Jahr so weit. „Da war der Muttertag gelaufen“, sagt Hemmerle. Neun Stunden war er mit Mähen beschäftigt. Tags darauf – das Gras hat inzwischen einiges an Feuchtigkeit verloren – fährt er mit dem Heulader hinaus. An solchen Tagen „ist alles im Einsatz“, sagt Markus Hemmerle. Sein Vater ist bereits einmal mit dem Mittelschwader über die Wiese gefahren, der das angetrocknete Gras sozusagen zusammenrecht. Dunkelgrüne Linien ziehen sich nun über das hellgrüne Feld. Im Frühjahr ist das Antrocknen des Grases kein Problem, im Sommer kann es schnell zu trocken werden. „Im Sommer ist es eine heiße Kiste“, erklärt Hemmerle. „Ein Lotteriespiel, in dem es auch auf Schlagkraft ankommt.“ Er grinst. Wer keine Freude an der Pokerei habe, für den sei Landwirtschaft wohl eher nichts.

Seinen Traktor steuert Markus Hemmerle mittig über die Graslinien. Rund 25 Kubikmeter bekommt er auf seinen angehängten Ladewagen, Baujahr 1992. Vorne sorgt die Pickup dafür, dass das Gras vom Boden in den Wagen gelangt. Per Schwingenaggregat wird das Grüngut durch die Messerreihen gezogen, kurz geschnitten und dadurch schon verdichtet. Während er über die abgemähte Wiese fährt, geht Hemmerles konzentrierter Blick immer wieder nach hinten: Arbeitet die Maschine auch richtig? Zurück auf dem heimischen Hof, schiebt der Kratzboden das Grüngut wieder aus dem Ladewagen heraus.

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Hat Markus Hemmerle das Gras im Silo abgeladen, ist sein Bekannter dran. Der fährt mit dem ausgeliehenen Radlader eines anderen Landwirts aus Apfeltrach zig Male auf dem Grüngut hin- und her, um noch mehr Luft herauszupressen. Markus Hemmerle fährt derweil wieder auf die nächste Wiese, wechselt dabei zwischen Wiesengras und Kleegras ab. Weil er allein unterwegs ist, braucht er knapp acht Stunden dafür. Langweilig wird ihm nicht. „Der Tag vergeht unwahrscheinlich schnell“, sagt der 34-Jährige. Doch am Ende der Arbeit steht noch eine weitere Aufgabe an: das Abdichten des Silos. Die folgende Milchsäuregärung sorgt dann für die nötige Konservierung.

Per Handy bleiben die Landwirte in Kontakt, auch wenn sie auf den Feldern und Wiesen unterwegs sind. Wer wen wie unterstützt, wird in wenigen Worten geklärt. Es sei „eine Selbstverständlichkeit“, sagt Markus Hemmerle, dass man sich gegenseitig helfe, beispielsweise, wenn man wie er selbst vor einiger Zeit einen platten Reifen oder einen Defekt am Schwader hatte. „Und wenn ich mein Zeug daheim habe, kann’s auch sein, dass ich bei einem anderen Bauern Radlader fahre“, sagt der 34-Jährige über den Tag.

Doch erst muss er noch zu seinen Wiesen Richtung Unteregg. Sein Radladerfahrer hilft unterdessen auf einem anderen Hof mit und drückt dort das Gras im Silo platt. Zeit ist Geld – und wenn die Zeit reif ist für den ersten Schnitt, dann ist sie es eben für alle Landwirte.

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