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Landentwicklung

17.04.2018

Damit neues Leben in die Dörfer kommt

In vielen Dörfern stehen alte Häuser leer während am Ortsrand die Neubaugebiete wachsen. Um den Flächenverbrauch zu verringern braucht es neue Konzepte.
Bild: wwi

Der Landrat fordert finanzielle Hilfen vom Staat, um leer stehende Bauernhöfe fürs Wohnen umzubauen. So könnte der Flächenverbrauch gebremst werden

 Täglich werden in Bayern mehr als 13 Fußballfelder zugebaut, wie das statistische Landesamt errechnet hat. Die boomende Konjunktur fordert immer weitere Flächen für Gewerbe, den Wohnungsbau und neue Straßen. Die bayerischen Grünen wollen dem einen Riegel vorschieben und bayernweit nur noch maximal fünf Hektar Flächenverbrauch am Tag zulassen. Das angestrebte Volksbegehren hat das Innenministerium diese Woche zwar erst einmal ausgebremst, weil die Gemeinden dann kaum noch einen Spielraum gehabt hätten. Juristen könnten den Weg aber noch frei machen.

Eine gemeinsame Aufgabe

Dass es auf Dauer so nicht weitergehen kann, wissen alle Politiker. Was aber ist zu tun? Landrat Hans-Joachim Weirather sagt: „Ich halte es für richtig, dass der Flächenverbrauch auf der Agenda steht“. Verantwortliches Handeln könne nicht bedeuten: nach uns die Sintflut, sagte er. Möglichst sorgsam mit Flächen umzugehen sei gemeinsame Aufgabe von Gemeinden, Land und Bund.

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Ein sinnvoller Weg seien interkommunale Gewerbegebiete. Mehrere Kommunen schließen sich zusammen und entwickeln ein Gebiet, von dem dann alle profitieren. Weirather räumt aber ein, dass die Umsetzung noch nicht überall gut klappt. Denn trotz solcher gemeinsamer Gewerbeflächen weisen nicht wenige Gemeinden ihrerseits weitere Baugebiete aus. Mit Sorge sieht der Landrat auch einen Wettbewerb der Kommunen um Wirtschaftsbetriebe, die mit niedrigen Gewerbesteuersätzen geködert werden. Auch das führe zu einem Mehr an Landverbrauch. Das Landratsamt greift eher selten in die Planungen ein. Vereinzelt werden als überdimensioniert angesehene Gewerbegebiet zurechtgestutzt. Diesen Wettbewerb der Gemeinden gibt es auch um junge Familien. Deshalb weisen viele Kommunen immer wieder neue Wohnbaugebiete aus. Dabei leiden viele Dorfkerne unter Leerstand.

Ein Buch mit Tipps und Anregungen

Hier will der Landrat besonders ansetzen. Zusammen mit dem Landkreis Ostallgäu wurde das Buch „Dorfkerne, Dorfränder“ erarbeitet. Es enthält Tipps und Anleitungen für Gemeinderäte und Bürgermeister, wie sie ihre Dörfer beleben können. Mittlerweile stehen mehr landwirtschaftliche Betriebe in den Dörfern leer als dass sie noch betrieben würden.

Wer aber wirklich eine spürhafte Verbesserung erreichen will, kommt nach Ansicht der Kreischefs nicht um Investitionshilfen des Staates herum. „Bei der Städtebauförderung gibt es nicht ein Förderprogramm für die Dörfer“, betonte Weirather. Dafür will er auch den Kreistag sensibilisieren. Für den Mai ist ein Klausurtag geplant, auf dem sich die Kreispolitiker Gedanken machen wollen, wie die Dörfer noch lebenswerter gestaltet werden können.

Der Druck nimmt weiter zu

Aber alle Bemühungen um weniger Flächenverbrauch werden nicht reichen. Der Landkreis wächst weiter und steuert auf bald 250 000 Einwohner zu. Die Lebensqualität ist hoch, sagt der Landrat. Die Firmen bieten attraktive Arbeitsplätze. Damit nimmt der Druck weiter zu, Wohnraum zu schaffen. „Wir werden die nächsten zehn Jahre nicht um die Ausweisung weiterer Baugebiete herumkommen“.

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