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Kehrtwende

02.09.2011

Das Aus für die umstrittene Wasserakademie

Der Wörthbach plätschert gemächlich durch Bad Wörishofens Fußgängerzone. Um Wasser sollte es auch bei der geplanten Akademie gehen. Das Projekt wurde jetzt allerdings abgesagt.
Bild: Foto: Markus Heinrich

Kurdirektor sagt die Gründung im Rahmen des Bad Wörishofener Herbstes von Jürgen Fliege ab. Man habe das Projekt „geblockt“, nachdem die bundesweiten Vorwürfe gegen Fliege laut wurden

Bad Wörishofen Die für Oktober geplante Gründung einer Wasserakademie der Stadt Bad Wörishofen, des Mineralwasser-Abfüllers Johann Abfalter (St. Leonhardsquelle) und des Kneippianums Bad Wörishofen ist vorerst vom Tisch. Es werde weder die angekündigte Pressekonferenz zu dem umstrittenen Vorhaben im Rahmen des Bad Wörishofener Herbstes geben „noch eine Gründung“, sagte Bad Wörishofens Kurdirektor Alexander von Hohenegg der Mindelheimer Zeitung.

Bislang klang das noch ganz anders. In der Talkshow von Jürgen Fliege, dem Begründer des Bad Wörishofener Herbstes, hatte von Hohenegg verkündet, die Wasserakademie nehme bereits im November ihre Arbeit auf. Seminare kosteten 200 Euro, Partner sei das Kneippianum, Interessenten könnten sich jetzt anmelden. Als einen der ersten Referenten stellte Fliege in der Sendung Dr. Axel Weber vor, einst Oberarzt des umstrittenen Krebsarztes Julius Hackethal. Weber behandelt seit dem Tod Hackethals Krebspatienten in seiner eigenen Privatklinik. Die Aufzeichnung der Sendung ist auf Jürgen Flieges Internetpräsenz zu sehen.

Dieses Video sorgte in dieser Woche für Gesprächsstoff in der Stadt. Er sei bereits im Juli in der Sendung zu Gast gewesen, sagt von Hohenegg. Da sei er noch davon ausgegangen, dass der Trägerverein der Akademie im August gegründet würde. Allerdings habe es zu diesem Zeitpunkt „nicht einmal einen Entwurf einer Satzung gegeben“, betont der Kurdirektor. Ein solcher Entwurf „wäre vorab in den zuständigen Gremien der Stadt und besonders auch im Stadtmarketing diskutiert worden, von dort wäre das Geld gekommen“, erläutert von Hohenegg. „Das war damals der Stand der Dinge, als die aktuellen Diskussionen um Fliege begannen“, sagt von Hohenegg. Der Kurdirektor meint damit die bundesweite Welle der Empörung im August, ausgelöst durch eine Buchveröffentlichung der Sektenexpertin Ursula Caberta, die hauptberuflich bei der Hamburger Innenbehörde arbeitet.

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Caberta greift darin unter anderem Fliege für dessen Aktivitäten scharf an. In der Bild-Zeitung warf sie Fliege vor, die „Esoterik-Scharlatane hoffähig“ zu machen. Beim Bad Wörishofener Herbst werden bekanntlich eine Menge Wunderheiler auftreten, das Kurhaus-Foyer verwandelt sich in eine Esoterik-Messe. Dort wurde gemäß der Darstellung auf Flieges Internetseite bereits im vergangenen Jahr ein umstrittener Raumtrockner angeboten, der von einem Unternehmer vertrieben wird, der Scientology angehören soll. Auch das wurde Fliege in vielen bedeutenden deutschen Medien vorgehalten. „Nachdem das alles losging, haben wir das sofort geblockt“, sagt Kurdirektor von Hohenegg und meint die Gründung der Wasserakademie. Offiziell mitgeteilt hat die Stadt das aber bisher nicht.

„Bei Scientology gibt es null Toleranz“, sagt von Hohenegg. Die Stadt hatte nach dem Aufkommen der Vorwürfe die Referentenliste für den diesjährigen Bad Wörishofener Herbst geprüft und wegen Scientology-Verdachts zwei Aussteller von Fliege wieder ausladen lassen.

Der Auftritt des Kurdirektors in der Fliege-Talkshow warf nun neuerlich Fragen auf. Auch, weil bei Fliege darüber gesprochen wurde, wie Abfalters Wasser Krebskranken helfen könnte. Fliege ließ in der Sendung keinen Zweifel daran, dass auch Derartiges an der Wasserakademie vermittelt werden sollte. Herrn Weber kannte ich vorher überhaupt nicht“, sagt der Kurdirektor. Das von Abfalter propagierte „lebendige Wasser“ sei akzeptabel, so von Hohenegg. „Krebs heilen mit Wasser halte ich aber für abwegig.“

Der Mediziner Weber sollte an der Wasserakademie Bad Wörishofen referieren, so sagte es Fliege in seiner Sendung. Das wäre möglich gewesen, weil Abfalter eine Hälfte der Referenten selbst hätte aussuchen können, wie von Hohenegg sagt. Die zweite Hälfte hätte Bad Wörishofen gestellt, Kneipp-Bademeister oder Badeärzte beispielsweise. An der Wasserakademie sollte ja auch die Kneipp-Therapie vermittelt werden. Dafür hätte die Stadtmarketing GmbH laut von Hohenegg 100 Euro pro Teilnehmer für die Kostendeckung der Akademie gezahlt. Beschlossen wurde das aber noch nicht. Angelegt war das Projekt auf 15 Teilnehmer pro Kurs und vorerst zwei Kurse im Herbst und im Winter. In der Stadtmarketing GmbH ist Geld der Hoteliers, des Kur- und Wirtschaftsvereines und der Stadt vereinigt.

Die Idee einer Wasserakademie findet von Hohenegg immer noch gut. Man denke darüber in der Stadt ja schon lange nach. „Ärztefortbildung mit einer vernünftigen Mineralwasserfirma halte ich für eine gute Sache“, sagt von Hohenegg. „Wir wollten Kenntnisse über Wasser vermitteln.“ Er glaube allerdings nicht, dass sich in der Sache „in den nächsten zwei Jahren“ etwas tun werde. Dann ist längst von Hoheneggs Nachfolger im Amt, der die Kurverwaltung im November voll übernimmt.

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