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Kabarett

19.05.2015

Das Beste kommt zum Schluss

Martina Brandl über die „geistige Elite der Neuzeit“.
Bild: Helmut Bader

Martina Brandl präsentiert „Irgendwas mit Sex“. Bis das Publikum mitzieht, dauert es aber etwas

Das absolut Beste hatte sich die Kabarettistin Martina Brandl offensichtlich für den Schluss aufgehoben. Ihre Persiflage auf den Song „Don’t cry for me Argentina“ aus dem Musical Evita erzielte das, was zuvor nicht immer der Fall war: stürmischen Applaus. Mit der umgetexteten Version „Schenkt mir nie Auberginen“ bewies Brandl sowohl ihr gesangliches als auch kabarettistisches Können.

Davor war sie bei ihrem Auftritt als Gast der Bad Wörishofer Kleinkunstbühne Profil im Guggerhaus etwas zäh in die Gänge gekommen, hatte aber im zweiten Teil deutlich an Schwung gewonnen und auch spürbar beim Publikum mehr Zustimmung gefunden.

„Irgendwas mit Sex“ hatte die Künstlerin über ihr Programm geschrieben und es wurde schnell klar, dass dieses Thema eher unterschwellig eine Rolle spielen sollte. „Alles verkauft sich besser mit Sex, selbst Runkelrüben oder Rindsrouladen“, verkündete die Kabarettistin. Eine weitere Weisheit: „Kabarett und Sex haben gemeinsam, dass beides mehr Spaß macht, wenn beide mitmachen“, im ersten Fall also Kabarettistin und Publikum. Das zierte sich zunächst aber etwas.

Witziger wurde Martina Brandl später bei ihren Beiträgen über das Kinderkriegen oder die nervigen Fragen von Kellnern oder Bedienungen, „ob’s denn recht war“. Dieser Abriss über die alltäglichen Schwächen menschlichen Lebens war wirklich sehr gelungen. Dazu gehörten auch der Song „Ich lass mir den QR-Code auf den Arsch tätowieren“ oder die spitzen Bemerkungen zur Foto- und Internetsucht, die bereits deutlich mehr Anklang fanden.

Ein anderes Bild dann nach der Pause: Nun in neuem Outfit präsentierte sich Martina Brandl wesentlich gewitzter und auch spontaner. Bei ihrem Abstecher in die Szene der heutigen Abiturientinnen karikierte sie gelungen die „geistige Elite der Neuzeit“ mit Namen wie Soraya-Kimberley oder Zoe und mit ihren Berufswünschen „Irgendetwas mit Sex“ und „Webcam-Girl“ oder dem Schlankheitswahn. Dazu stieg die schwäbisch-berlinerische Mischung aus Geislingen auch von der Sprache in den Heimatdialekt um.

Absolut auf ihrer Seite hatte sie das Publikum schließlich bei ihrem in Angela-Merkel-Deutsch gesprochenen Märchen vom „fleißigen Hartz IV-chen und den sieben Minijobbern“, wo sie temperament- und anspruchsvoll ausgezeichnetes Kabarett präsentierte. Dazu passte auch Brandls Lied vom „Partner, der sich in der langen Beziehung gar nicht verändert hat“ oder die Lebensweisheiten zum Schluss, obwohl sie „ja gar keine Botschaften vermitteln wollte“.

Martina Brandls Gastspiel in Bad Wörishofen war nicht das Kabarett mit den vordergründigen Lacherfolgen, sondern eher der hintergründige, augenzwinkernde Humor. Dieser speist sich aus den Gegebenheiten des Alltags oft ganz von selber – wenn man, wie Brandl, in der Lage ist, ihn aufzuspüren. Dafür wurde die Kabarettistin vom Publikum verdientermaßen mit Applaus verabschiedet. (heb)

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