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Bad Wörishofen

16.09.2019

Das Geigen-Talent aus Bad Wörishofen

Neben großer Beharrlichkeit und enormem Fleiß beim Üben sowie der ungebremsten Freude am Geigenspiel ist auch eine gewisse Frustrationsbewältigung erforderlich, wie es zum Beispiel beim Bundeswettbewerb in Lübeck zu erleben war
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Neben großer Beharrlichkeit und enormem Fleiß beim Üben sowie der ungebremsten Freude am Geigenspiel ist auch eine gewisse Frustrationsbewältigung erforderlich, wie es zum Beispiel beim Bundeswettbewerb in Lübeck zu erleben war

Der größte Auftritt von Emilia-Rosa Hofmann ist ein Heimspiel: Beim „Festival der Nationen“ ist die 14-Jährige das jüngste Mitglied des vbw-Orchesters.

Emilia-Rosa Hofmann ist zwar erst knappe 14 Jahre alt, wenn man aber mit ihr über das Leben als junge Geigen-Virtuosin spricht, hört sich das bereits wie bei einer renommierten Künstlerin an. Jetzt steht die Bad Wörishoferin bereits vor ihrem bisher größten Auftritt im Rahmen des 25. Festivals der Nationen in ihrer Heimatstadt, wo sie als wohl jüngstes Mitglied mit dem vbw-Orchester unter der Leitung von Christoph Adt teilnehmen darf.

Die Stücke dafür, darunter die Sinfonie Nr. 6 von Peter Tschaikowsky, übt sie schon seit Wochen. Klar, dass die Freude darauf, aber auch die Anspannung bei Emilia im Augenblick sehr groß sind. Schließlich waren es drei aufregende Wochen, bis die Nachricht im Briefkasten lag, dass sie genommen wurde.

Schon mit dreieinhalb Jahren spielte Emilia-Rosa Hofmann aus Bad Wörishofen Geige

Wie aber kommt man bereits in diesem jungen Alter zu so einer Ehre und Auszeichnung? Nun, für die Schülerin des Jakob-Brucker-Gymnasiums gibt es seit frühester Kindheit so gut wie nichts anderes, als ihr Violin-Spiel. „Angefangen habe ich bereits mit dreieinhalb Jahren“, erzählt sie selbst.

Das Geigen-Talent aus Bad Wörishofen

„In dem Film „Die rote Zora“ spielte die Tochter des Bürgermeisters Geige und das wollte ich dann einfach auch machen. Nun galt es also, die Eltern, selbst klassikinteressiert, aber nicht mit Instrumentenspiel behaftet, zu überzeugen. Vorbild war jedoch sicher auch die ältere Schwester, die selbst sehr zielorientiert ist. Emilias erster Schritt war also der Musikgarten in Türkheim bei Nicola Deppler, später die dortige Musikschule.

Noch bevor sie in der Schule Lesen und Schreiben lernte, konnte sie die Noten lesen. Schnell also war klar, dass hier ein ungewöhnliches Talent heranreifte, das es zu fördern galt, auch eine Herausforderung für die Eltern, die dies jedoch auch gerne taten und tun. „Bei Emilia war sofort zu spüren, dass sie mit einer ungewöhnlichen Begeisterung dieses Geigenspiel verfolgte, ohne dass wir sie jemals dazu animieren mussten. Wenn sie sich etwas vorgenommen hat, dann zieht sie das auch im sonstigen Leben konsequent durch“, so die Einschätzung der Eltern, die das Malergeschäft „ Allgäu Creativ“ in Mindelheim und Bad Wörishofen betreiben.

Die Bad Wörishoferin war mit ihrer Geige schon bei vielen Wettbewerben erfolgreich

Schnell nahm Emilias Karriere Fahrt auf und hört sich fast schon endlos lange an. Mit acht Jahren nahm sie bereits zum ersten Mal am Wettbewerb „Jugend musiziert“ teil und erreichte sofort einen 1. Preis, ebenso wie in den weiteren Jahren. Mit zehn Jahren wurde sie bereits zum Landesentscheid auf bayerischer Ebene weitergeleitet und war auch dort erfolgreich.

Mit 13 war sie Landespreisträgerin (Duo) mit einem 1. Preis mit Weiterleitung zum Bundeswettbewerb in Lübeck. „Dabei geht es mir aber gar nicht so sehr um die Platzierungen, eher sind die Wettbewerbe für mich Ansporn, noch besser zu werden“, sagt die junge Musikerin.

Über vier Jahre wurde sie dabei von Martha Zsiros in der Musikschule in Türkheim betreut, ehe Professor Tluk bei einem Vorspiel ihr Talent erkannte und sie, gerade einmal zehn Jahre alt, animierte, über die regionalen Grenzen zu gehen. Sergej Tsarenko hieß die nächste Station, Geigenbauer und selbst großer Künstler, denn jetzt galt es, die erste eigene Geige zu beschaffen. Und dies wurde eine eigene Geschichte.

Emilia-Rosa spielt jeden Tag zwei Stunden auf ihrer Geige

Nachdem die junge Künstlerin einige Exemplare ausprobiert hatte, ohne damit ganz zufrieden zu sein, offerierte ihr Tsarenko ein von ihm selbst gespieltes Instrument, das etwa um 1850 hergestellt worden war. „Ich wusste das zuvor nicht, aber die passte sofort. Es war fast so etwas wie ein mystischer Moment“, beschreibt sie selbst die Begegnung mit dem Instrument.

Der Künstler selbst wusste es in guten Händen und verkaufte es den Eltern. Der Kontakt zu ihm ist bis heute nicht abgerissen und Emilia ist stolz auf diese ihre erste Solistengeige. „Wenn du die Geige liebst, dann liebt sie dich auch“, war Tsarenkos Kommentar bei der Übergabe.

Mindestens zwei Stunden am Tag spielt sie seitdem darauf. Außerdem vermittelte Tsarenko sie an die Professorin Lydia Dubrovskaja in Augsburg, bei der auch keine Geringere als die heute so berühmte Julia Fischer Unterricht bekommen hatte – für die das Festival der Nationen einst ebenfalls Karrieresprungbrett war. Dass die Ansprüche dort schon hoch waren, verschweigen Eltern und Emilia selbst keineswegs.

Für den Unterricht fährt die 14-Jährige jeden Mittwoch von Bad Wörishofen nach München

Seit 2016 erhält sie nun Unterricht bei Stefan Kirpal, dem Leiter des Diogenes-Quartettes in München. In ihren Augen ist er wohl einer der besten Violin-Lehrer in Deutschland, der aus einer Musiker-Familie in Dresden stammt. So also heißt es jetzt jeden Mittwoch nach München zum Unterricht zu fahren. Bei ihm fühlt sie sich mit der weiteren Karriere-Planung in guten Händen, denn jetzt gilt es, sie behutsam auf die nächsten Schritte vorzubereiten. Zu denen soll zum Beispiel bereits Mendelssohn-Bartholdys Violinkonzert in D-minor als Solokonzert, sowie ein eigenes großes Konzert mit solistischen Stücken gehören. Aufgetreten ist Emilia Hofmann auch bereits hier in der Kneippstadt bei einem Benefizkonzert von Rotaract, wo sie die Ballettszene von Beriot zelebrierte.

Naheliegend, dass auch Dietmar Gräf das Talent nicht entgangen ist. Er ließ sie bei mehreren seiner Meisterkonzerte im Klostersaal von Bad Wörishofen als Gastsolistin teilnehmen, zuletzt zusammen mit Viktoria Kaunzner. Hierbei wurde Emilia von dieser nach Berlin eingeladen, ebenso wie von David Marcian nach Rumänien. So sind ihr in ihren jungen Jahren bereits einige Möglichkeiten in der großen Welt der Musik geboten worden.

Als ihr Vorbild nennt sie Hillary Hahn, weil diese mehr die pure Klassik, wie sie auch Emilia liebt, verkörpert. Auch Anne Sophie Mutter oder Itzak Perltman bewundert sie sehr und klar, dass sie selbst davon träumt, die großen Bühnen zu erobern. Dass dies nicht einfach sein wird, weiß die Familie.

Freunde müssen damit zurechtkommen, dass sie nur die zweite Geige spielen

Neben großer Beharrlichkeit und enormem Fleiß beim Üben sowie der ungebremsten Freude am Geigenspiel ist auch eine gewisse Frustrationsbewältigung erforderlich, wie es zum Beispiel beim Bundeswettbewerb in Lübeck zu erleben war. Dort hat sie zwar auch mit Erfolg teilgenommen, hatte aber bei der Wertung nicht ihr selbst gestecktes Ziel erreicht.

„Aber auch solche Erfahrungen sind wichtig, um neue Ziele und Herausforderungen angehen zu können“, merkt ihr Vater dazu an.

Wie aber lässt sich das alles mit Schule und dem Leben daneben vereinbaren? Dass sie eine gute Schülerin ist, hängt natürlich auch mit dem starken Charakter zusammen. Mathematik ist ihr Lieblingsfach, alles paletti also.

Ihr Freundeskreis muss allerdings schon damit zurechtkommen, dass bei Emilia die Geige im Vordergrund steht. Ihre beste Freundin Malina, die selbst Querflöte spielt, kann damit wohl am besten umgehen. Und dann ist da noch Hund Baghira, der ihr immer ein treuer Zuhörer und Kamerad ist.

Was beim diesjährigen Festival der Nationen alles geboten ist, lesen Sie hier: Festival der Nationen in Bad Wörishofen: Termin, Programm, Tickets

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