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Bad Wörishofen

26.02.2018

Das Jahr des großen Aufbruchs

Das Innere der evangelischen Erlöserkirche ist ebenfalls sehenswert, vor allem die Fenster aus buntem Glas, die von Helmut Ammann gestaltet wurden.
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Das Innere der evangelischen Erlöserkirche ist ebenfalls sehenswert, vor allem die Fenster aus buntem Glas, die von Helmut Ammann gestaltet wurden.
Bild: Helmut Bader

In den 1960er Jahren erlebte Bad Wörishofen einen erstaunlichen Schub. In dieser Zeit nahm auch der Aufschwung der evangelischen Gemeinde ihren Anfang. Vor 50 Jahren wurde die Erlöserkirche eingeweiht.

Es muss schon eine große Zeit des Aufbruchs in der Kneippstadt in diesen 60er-Jahren gewesen sein! Wurde im Jahre 1967 das 900-jährige Bestehen groß gefeiert, das neue Sportstadion eröffnet und schließlich auch noch die Pfarrei St. Ulrich gegründet, so baute man bereits in diesem Jahr an einem weiteren bedeutenden Projekt. Nach dem Baubeginn am 21. Januar des Jahres konnte bereits eineinhalb Jahre später, nämlich am 18. August 1968 die neue evangelische Erlöserkirche eingeweiht werden. Somit begeht sie heuer ihr 50-jähriges Bestehen, das am 29. Juli gefeiert werden soll.

Die Anfänge der evangelischen Gemeinde in Wörishofen waren bescheiden. Erst zum Ende des vorletzten Jahrhunderts zogen einige evangelische Familien in das katholisch geprägte Dorf, in dem zu der Zeit noch Pfarrer Kneipp wirkte. Im Jahre 1994 fand der erste evangelische Gottesdienst in einem Privathaus, später in einer Pension statt. Doch schon 1897 wurde das erste evangelische Kirchlein in der damals noch weitgehend unbebauten Hahnenfeldstraße errichtet. Viele großzügige Spenden und das große Verständnis der Kommunalpolitiker hatten dazu beigetragen. Leider fiel es später der Spitzhacke zum Opfer.

Doch etwa 70 Jahre später war das Gotteshaus viel zu klein geworden. Die evangelische Gemeinde hatte sich, nicht zuletzt durch den Zuzug vieler Heimatvertriebenen nach dem Krieg, enorm vergrößert und brauchte ein neues Domizil. Als Standort entschied man sich für einen Platz im Norden der Stadt mit der Absicht, prägnante Ansichten von allen vier Seiten zu bieten. Interessant dabei, dass der Turm von der Kirche selbst abgetrennt steht und er den Kirchplatz von Norden her flankiert. Somit steht er auch in einer optischen Verbindung mit den beiden Türmen im Ortskern.

Der Kirchengrundriss selbst wurde von den beiden Architekten Franz Lichtblau und Ludwig Bauer in Form eines Sechseckes gestaltet, das nach vorne an Breite zunimmt und Platz für vier Bankblöcke in einem Halbkreis um den Altarbereich bietet. Die geräumige Empore fasst neben der Orgel weitere 150 Besucher. Blickfang von außen ist das mit Kupferblech gedeckte Dach und der schlanke, spitz nach oben zulaufende Turm. Die Ausführung der Bauarbeiten lag in den Händen der einheimischen Baufirma Kreuzer, und viele weitere ortsansässige Firmen wurden in die Arbeiten mit einbezogen. Die künstlerische Gestaltung lag in den Händen von Hermann Jünger aus Taufkirchen und Helmut Ammann aus München Gräfelfing gestaltete die eindrucksvollen Fenster. Bei den Glocken wurden zwei aus der bis dahin bestehenden Kirche weiterverwendet, während drei weitere, neue von der Glockengießerei Gebhard in Kempten hergestellt und im neuen Turm mit aufgehängt wurden. Die katholische Pfarrgemeinde unter Stadtpfarrer Edmund Keck spendete dazu einen Osterleuchter als Geschenk zum Ausdruck der Verbundenheit.

Bei der Grundsteinlegung schrieb man ja noch das Jahr 1967 und so wurde deshalb in der Urkunde an das Jubiläumsjahr der Stadt und an „450 Jahre Reformation“ erinnert, womit sich der Kreis der Jubiläen in der Kneippstadt vom vergangenen Jahr wieder schließt.

Die Kirche sollte den Namen Erlöserkirche erhalten, weil dafür gehalten wurde, dass „unsere Erlösung allein durch Jesus Christus erfolgen könne, wie der Apostel Paulus im Brief an die Römer schrieb“.

Mit gut zehn „Festlichen Tagen“ erfolgte vom 18. bis zum 28. August 1968 schließlich die Einweihung, die Kreisdekan Hans Schmidt vornahm. Die Feierlichkeiten begannen noch in der alten Kirche und beinhalteten Vorträge von Bundespostminister Werner Dollinger, damals Stammgast in der Kurstadt, sowie Heinz Seel, dem Leiter der Sebastian-Kneippschule.

Der Lübecker Kammerspielkreis führte das Stück „Der Hirt mit dem Karren“ auf und das Kammerorchester „Convivium Musicum“ unter der Leitung von Erich Keller mit 18 Solisten des Sinfonieorchesters des Bayerischen Rundfunks boten ein Festkonzert mit Werken von Johann Sebastian Bach. Dazu gab es natürlich entsprechende Festgottesdienste

Mit dem Bau der neuen Kirche war der Grundstein gelegt für eine enorme Entwicklung der evangelischen Erlösergemeinde in der Kneippstadt. Die Erlösergemeinde hat seither sowohl in geistlicher, wie auch in kultureller Hinsicht hier eine enorme Bedeutung erlangt, die nach wie vor anhält und aus der Stadt Bad Wörishofen nicht mehr wegzudenken ist.

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