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Unterallgäu

09.09.2019

Das Unterallgäu ist geteiltes Storchenland

Abends sammeln sich auf der Pfaffenhausener Pfarrkiche die Jungstörche, um dort zu übernachten. Um die besten Plätze wird dann durchaus auch gekämpft. Ein Video mit diesen Szenen finden Sie bei uns im Internet.
Bild: Gutmann

Im Osten des Unterallgäus wurden heuer viele Jungstörche flügge, im Westen fielen sie dem Wetter zum Opfer.

Es ist schon ein besonderes Erlebnis zu beobachten, wie in Pfaffenhausen jetzt im Spätsommer abends die Störche zurück in den Ort kommen, um sich einen Schlafplatz zu suchen. Alleine auf dem Kirchendach sitzen etwa 20 Störche, 16 auf dem langgezogenen Dach des Kirchenschiffes und noch vier über dem Chorraum. Da wird gestritten und scharfe Zischlaute sind zu hören, wenn ein weiterer Storch landen will und die anderen ihn verscheuchen. Jeder Sitzplatz muss erkämpft werden. Doch auch auf dem Sendemast übernachten meist sieben Störche und auch auf dem Blindenheim und auf Kränen an Baustellen im Ort sitzen nachts die Störche. Doch trotz der vielen Vögel in und um Pfaffenhausen war es nicht unbedingt ein gutes Storchenjahr im Unterallgäu. Georg Frehner, Vorsitzender der Kreisgruppe Memmingen/Unterallgäu im Landsbund für Vogelschutz (LBV), berichtet, dass sehr viele Jungstörche gestorben seien.

40 Brutpaare im Unterallgäu

Insgesamt zählte der LBV 40 Brutpaare im Landkreis Unterallgäu und der Stadt Memmingen, das ist ein neuer Rekord. Bei 24 Brutpaaren, damit bei 60 Prozent, gab es allerdings Totalverluste, nur 29 Jungstörche wurden flügge (2018: 60 Jungstörche), das ergibt einen Durchschnitt von 0,72 Junge pro Brutpaar (2018: 1,58, 2017: 1,25).

Bei Sonnenuntergang versammeln sich zahlreiche Störche in Pfaffenhausen im Unterallgäu auf den Dächern um zu Übernachten.
Video: Ulla Gutmann

Neue Nester bauten die großen weißen Vögel im Sommer 2019 in Mindelheim, Pfaffenhausen und Kirchheim.

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Als Gründe für die vielen Teil- und Totalverluste in den Storchennestern im westlichen Landkreis nennt Frehner die starken Regenfälle Ende Mai. Fast drei Tage habe es damals unaufhörlich geregnet. „Während des Dauerregens bleibt ein Altvogel als Schirm zum Schutz der Jungen am Nest. Der zweite fliegt mit nassem, schwerem Gefieder überhaupt nicht oder nur ungern los, um Futter zu holen. Jungstörche brauchen in der Hauptwachstumsphase jedoch bis zu einem Kilo Futter pro Tag, um die eigene Körpertemperatur zu halten. Sie sind dann letztendlich an Hunger, Unterkühlung und Nässe verendet.“.

Frehner erklärt weiter: „Überraschend in dieser Saison ist die Tatsache, dass im westlichen Landkreis, also zwischen Iller und Günz, alle Brutpaare Totalverluste hatten. Die überlebenden 29 Jungstörche wurden alle im östlichen Landkreis flügge.“

Pfaffenhausen und Kirchheim fallen als Storchengemeinden besonders auf

Hier fallen laut Frehner besonders die Marktgemeinden Pfaffenhausen und Kirchheim auf. Allein in diesen beiden Ortschaften wurden 25 Jungstörche gezählt. Frehner fragt sich, ob es in der Region ein besonderes Wetterphänomen gibt. Ziehen aufkommende Gewitter an den Ortschaften vorbei? Denn immerhin seien der Storchenmast und auch das Schloss in Kirchheim durch die Höhe und den fehlenden Schutz stark Wind und Regen ausgesetzt.

Der Mindelheimer Wetterexperte Hans-Peter Schneider kommentiert dies wie folgt: „Zu beobachten ist in den letzten Jahren, dass sich unwetterartige Wettererscheinungen in den warmen Monaten häufig lokal sehr begrenzt entwickeln. Dabei gibt es auch im Unterallgäu Ortsbereiche, die schon längere Zeit Glück hatten und von extremen Wetterereignissen verschont geblieben sind. Da das Wetter physikalisch gesehen jedoch ein chaotisches System ist, wäre es vermessen zu glauben, dass das in den kommenden Jahren so bleibt.“

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