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Mindelheim

22.01.2019

Das Unterallgäuer Veterinäramt hat einen neuen Leiter

Bereits seit 19 Jahren arbeitet Dr. Alexander Minich im Unterallgäuer Veterinäramt, das er seit Kurzem leitet. Statt Außen- ist nun vermehrt Innendienst im Büro angesagt.
Bild: Sandra Baumberger

Dr. Alexander Minich spricht über die Aufgaben des Veterinäramtes, das er seit Kurzem leitet – und über ein Problem, das schon seinen Vorgänger beschäftigt hat.

Das Büro von Dr. Alexander Minich verrät den Tierfreund: An der Pinnwand steckt eine Schwanenfeder, außerdem gibt es einen Wackeldackel, einen hölzernen Hund und einen Schafbock und natürlich ein Foto seiner Frau mit Mischlingshündin Sunny. „Tierärzte sind bestellte Beschützer der Tiere“, sagt Minich. Und für Amtstierärzte, wie er einer ist, gilt das vielleicht sogar noch ein bisschen mehr. „Die Tiere haben sonst ja niemanden“, sagt er.

Seit Kurzem leitet der 54-jährige Familienvater wie berichtet als Nachfolger von Dr. Armin Mareis das Unterallgäuer Veterinäramt, in dem er bereits seit 19 Jahren arbeitet. Neu ist der Neue also keineswegs und die Aufgaben sind es auch nicht. Deshalb sagt Minich auch: „Unser Job hängt nicht von der Person ab.“ Es muss schlicht getan werden, was getan werden muss – und das ist bei genauerem Hinsehen eine ganze Menge.

Unterallgäuer Veterinäramt ging zuletzt 165 Anzeigen nach

Tierschutz ist eine der Kernaufgaben des Amtes. Die derzeit vier Amtstierärzte und zwei Veterinärassistenten sind dabei nicht nur für landwirtschaftliche Betriebe zuständig, sondern etwa auch für Imker, Fischzuchten und natürlich die privaten Tierhalter. Im vergangenen Jahr sind sie allein 165 Anzeigen in diesem Bereich nachgegangen. „Bei einer Anzeige fährt eigentlich immer wer raus“, erklärt Minich. „Manchmal ist dann nichts dran, manchmal ist es viel schlimmer. Das kann man vom Telefon aus einfach nicht beurteilen.“ Zurück im Büro folgt die Dokumentation, die oft erheblich mehr Zeit kostet als die Kontrolle selbst.

Im vergangenen Jahr hat das Veterinäramt drei Rinderbetriebe im Unterallgäu geschlossen, weil die Tiere massiv vernachlässigt wurden und laut Minich auch keine Aussicht auf Besserung bestand. Er hat die Erfahrung gemacht, dass Mängel in der Tierhaltung oft mit Problemen des Besitzers verknüpft sind. „Das kann man draußen oft nicht so trennen.“ Die Tierärzte seien in solchen Fällen dann teils auch Berater und schalteten etwa die bäuerliche Familienberatung ein. Mancher Tierhalter sei im Nachhinein sogar froh über das Haltungsverbot: eine Sorge weniger. Deshalb kann Minich den Schließungen auch etwas Gutes abgewinnen: „Man hat ein Problem für die Tiere lösen können und vielleicht auch für die Person.“

Mitarbeiter des Unterallgäuer Veterinäramtes werden manchmal bedroht

Das ändert jedoch nichts daran, dass er und seine Kollegen oft ein dickes Fell brauchen. Denn die Routinekontrollen sind das eine, Kontrollen etwa nach einer Anzeige etwas ganz anderes. „Wenn wir kommen, hat das ja schon immer einen Grund. Da sind die Betroffenen natürlich nicht so erfreut, wenn wir auf der Matte stehen.“ Und das äußert sich dann eben teils in Beleidigungen, Bedrohungen oder sogar Angriffen.

Der neue Leiter hat in der Vergangenheit BSE-Gewerbeproben untersucht

Ein weiteres großes Feld – vor rund 100 Jahren noch die Hauptaufgabe der damaligen Veterinärpolizei – ist die staatliche Tierseuchenbekämpfung, also beispielsweise der Umgang mit Blauzungenkrankheit, Schweinepest, Rindertuberkulose oder – vor fast 20 Jahren – auch BSE. Als die Seuche ausbrach, hatte Minich nach sechs Jahren als praktischer Tierarzt im Schwarzwald, in Ostfriesland und im Allgäu gerade seine Ausbildung zum Amtstierarzt abgeschlossen, die nun händeringend gesucht wurden. Ein Jahr lang hat der gebürtige Memminger im BSE-Krisenzentrum Gewebeproben untersucht, ehe er ans Unterallgäuer Veterinäramt wechselte. „Das war schon spannend“, sagt er rückblickend.

Mittlerweile ist BSE kein Thema mehr, die Tierseuchen und der Versuch, ihre Ausbreitung zu verhindern, sind es aber nach wie vor. In diesen Bereich fallen außerdem auch die sogenannten Cross-Compliance-Kontrollen, die sich auf die Prämien der Landwirte auswirken. 130 waren es im vergangenen Jahr. Kontrolliert wird dabei etwa, ob alle Rinder im Stall die vorgeschriebenen zwei Ohrmarken tragen, ob das Bestandsregister ordnungsgemäß geführt und das Futter richtig gelagert wird. Die Kontrolleure werfen einen Blick in die Milchkammer und natürlich auch einen in den Stall, aber wirklich Zeit dafür haben sie – das wird im Gespräch mit der MZ deutlich – nicht.

Denn da sind noch eine Menge weiterer Aufgaben, für die ebenfalls das Veterinäramt zuständig ist: die Lebensmittelsicherheit, die nicht nur die Kontrolle von Lebensmittelbetrieben wie Metzgereien und von Kühlhäusern umfasst. Auch die Überwachung des internationalen Lebensmittelverkehrs und tägliche Exportabfertigungen von Lebensmitteln, wenn etwa Milchprodukte aus dem Unterallgäu auf den Weg nach China gebracht werden, gehören dazu. Daneben überwachen die Veterinäre den Tierarzneimittelverkehr und die sogenannten tierischen Nebenprodukte, zu denen die Tierkörperbeseitigung ebenso gehört wie die Biogasanlage, in der Gülle vergoren wird.

Die Frage, wie eine Handvoll Mitarbeiter das alles schaffen soll – zumal in einem Flächenlandkreis in dem es mehr Rinderhaltungsbetriebe gibt als in jedem anderen bayerischen Landkreis –, liegt auf der Hand. Die Antwort allerdings auch. „Wir schaffen nicht alles“, gibt Minich offen zu. „Mit der aktuellen und vom zuständigen Ministerium festgelegten Personalbesetzung können wir nicht alles bewältigen.“ Dass seine Abteilung „chronisch unterbesetzt“ ist, haben auch schon sein Vorgänger und Landrat Hans-Joachim Weirather mehrfach beklagt. Inzwischen ist Minich schon froh, wenn die Stelle, die durch seinen Wechsel an die Abteilungsspitze frei wurde, schnell wieder besetzt wird. Ihm und seinen Kollegen bleibe derweil nichts anderes übrig, als „Wichtiges vom noch Wichtigeren zu trennen“. Dabei stehen laut Minich die Lebensmittelsicherheit, die Tierseuchenbekämpfung und der Tierschutz mit an erster Stelle. Es geht darum, Risiken abzuwägen: Was könnte passieren und wie viele Verbraucher oder auch Tiere wären betroffen? Je höher das Risiko, desto öfter wird kontrolliert. Ist das Risiko geringer, beschränkt sich das Veterinäramt – zwangsläufig – auf Stichproben.

Er ist auch privat ein Tierfreund

Auch als Abteilungsleiter ist Minich noch gelegentlich im Außendienst, der Schwerpunkt liegt aber auf Organisatorischem. Als Beispiel nennt er die Schweinepest: Sollte die Seuche auch im Unterallgäu auftreten, muss er sich unter anderem um geeignete Sammelstellen für die Kadaver kümmern. Das wäre nicht schön, aber was heißt das schon in einem Beruf, in dem Bilder von gequälten Tieren zwar glücklicherweise nicht die Regel sind, aber eben auch nicht die Ausnahme?

Nein, abgestumpft sei er im Laufe der Jahre nicht, sagt Minich. Trotz des fachlichen Blicks. „Das nimmt mich schon mit.“ Abschalten kann er in der Natur beim Wandern, gerne in Begleitung von Hündin Sunny. Müsste er mit einem Tier tauschen, würde er sich übrigens für sie entscheiden: „Die Prinzessin wird verhätschelt von morgens bis abends“, sagt er und lacht.

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