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Türkheim

10.11.2018

Das Waaghaus wird weiter saniert

Rappelvoll waren die Zuhörerbänke am Donnerstagabend, als der Türkheimer Gemeinderat die Weichen für die Zukunft des historischen Waaghauses stellte. Am Ende sprach sich eine deutliche Mehrheit gegen den Antrag auf Planungsstopp aus.
Bild: alf

Mit einer deutlichen Mehrheit lehnt der Marktrat den Antrag der Freien Wähler auf einen Planungsstopp ab. Zuvor wurde energisch und emotionsgeladen gerungen.

Am Ende gab es ein Lob aus den eigenen Reihen: CSU-Rat Georg Meir bescheinigte dem Türkheimer Gemeinderat eine „faire und starke Diskussion“ – und erntete dafür zustimmendes Kopfnicken von seinen Ratskollegen und den gut zwei Dutzend interessierten Zuhörern. Vorausgegangen war ein gut einstündiger, kontroverser und emotionsgeladener verbaler Schlagabtausch um Sinn und Unsinn der umstrittenen Sanierung des Waaghauses im Türkheimer Ortskern.

Mit einer deutlichen 12:7-Mehrheit hatte der Türkheimer Gemeinderat den Antrag der Freien Wähler auf einen Planungsstopp für die Waaghaus-Sanierung abgeschmettert. Außer den sechs FW-Räten Michaela Vaitl-Scherer, Cornelia Neugebauer, FW-Fraktionschef Otto Rinninger, Franz Haugg, Josef Vogel und Marcus Jakwerth hatte sich auch Irmgard Schäffler von der SPD für einen Planungsstopp ausgesprochen – anders als die FW aber nicht, um das Projekt Waaghaus insgesamt zu stoppen, sondern lediglich, um Zeit zu gewinnen: „Wir brauchen Fakten und belastbare Zahlen, denn dieses Thema wird sehr kontrovers in der Türkheimer Bevölkerung diskutiert“.

Gibt es Rückhalt bei den Türkheimer Bürgern?

Otto Rinninger hatte in seiner Begründung für den einstimmig gefassten Antrag seiner Fraktion sogar behauptet, dass es für eine Sanierung des Projekts „keinen Rückhalt der Türkheimer Bürger“ gebe. Er fasste alle Argumente zusammen, die aus Sicht der Waaghaus-Gegner gegen eine Sanierung sprechen: Die Gemeinde investiere in ein „Fass ohne Boden“, so Rinninger, der auch die aktuell berechneten Gesamtkosten von 1,9 Millionen Euro noch für zu niedrig hält. Türkheim werde sich finanziell überheben und könne dann andere, wichtige Aufgaben nicht mehr stemmen. Rinningers Fazit, auch mit Verweis auf eine von der Gemeinde beauftragte Untersuchung des Waaghauses aus dem Jahr 2009: „Das Waaghaus ist eine Ruine. Die geplante Sanierung steht in keinem Verhältnis“. Deshalb favorisiere er und seine Fraktion einen „Ersatzneubau“, der nach Lesart der FW auch durchaus zuschussfähig sein könnte.

FW-Ortsvorsitzender Franz Haugg legt nach und warb ebenfalls nachdrücklich für einen Planungsstopp: „Hinter dieser schwierigen Renovierung gibt es keinen Rückhalt beim Türkheimer Bürger.“

Agnes Sell sieht eine „stille Mehrheit“ für ein soziales Zentrum?

Die Mehrheit am Ratstisch war da ganz anderer Meinung und SPD-Rätin Agnes Sell machte sich zur Wortführerin: Ein „Ersatzbau“ wäre zwar die wohl von der Mehrheit favorisierte Lösung – doch dies sei einfach nicht möglich: „Das Waaghaus ist nun mal denkmalgeschützt, wir können und dürfen es nicht abreißen“, stellte Sell klar. Für sie komme in der Diskussion auch viel zu kurz, dass hier ein „soziales Zentrum für Türkheim“ entstehen soll, das die Wertachgemeinde auch „dringend braucht“. Und für dieses soziale Zentrum sieht Sell durchaus „eine stille Mehrheit“ in Türkheim.

Grünen-Rätin Gudrun Kissinger-Schneider erinnerte an „zehn Jahre Planungen und unzählige runde Tische“, bei denen viel Energie und Herzblut eingebracht worden sei. Und auch viel Geld, wie Kissinger-Schneider und CSU-Rat Josef Miller betonten, der allein die bisherigen Planungskosten auf rund 200 000 Euro bezifferte.

Auch Bürgermeister Christian Kähler verwies auf die Zwänge des Denkmalschutzes: „Ein Abriss ist nicht möglich“, betonte Kähler. Ein Planungsstopp würde nur dazu führen, dass die erhoffte „größtmögliche Förderung“ durch staatliche Zuschüsse in Gefahr kommen könnte. Jetzt gelte es vielmehr, die Planungen voranzutreiben und dabei auch noch Detailfragen zu klären: „Wir müssen schon noch einige Hausaufgaben machen“, gab Kähler gerne zu. Doch unterm Strich sei die geplante Sanierung des historischen Waaghauses tatsächlich „alternativlos“ – auch wenn er diesen Begriff bislang noch nie verwendet habe, stellte Kähler richtig. Zudem ließ der Rathauschef durchblicken, dass er aktuell in Verhandlungen stehe, um weitere Zuschusstöpfe anzuzapfen: „Das schaut nicht schlecht aus“, machte er diesbezüglich Hoffnungen.

Die Waaghaus-Befürworter meldeten sich dann nach der Reihe zu Wort und immer wieder wurde auch auf die Kosten verwiesen. Und da flogen dann die Summen nur so durch den Raum, dass es manchem Zuhörer fast schwindlig wurde. Der FW-Fraktion wurde ganz unverblümt vorgeworfen, mit falschen Zahlen zu operieren – doch da sah sich dann doch auch Kämmerer Claus-Dieter Hiemer veranlasst, einzuschreiten. Er stellte noch einmal klar: Als der Gemeinderat im September 2017 den Grundsatzbeschluss zur Sanierung des Waaghauses gefasst habe, war als Gesamtsumme der Betrag von 1,7 Millionen Euro berechnet worden. Abzüglich der erhofften Zuschüsse von geschätzten 1,4 Millionen Euro, wurde im Grundsatzbeschluss von einem Eigenanteil für Türkheim von 300 000 Euro ausgegangen. Selbstkritisch merkte Hiemer an, dass nicht etwa die Regierung den in Aussicht gestellten Zuschuss gekürzt habe, sondern die Kämmerei die Zuschüsse „gegebenenfalls etwas zu optimistisch“ geplant habe.

Inzwischen liegen laut Hiemer aber andere Zahlen vor: Die jetzt gewählte Planungsvariante mit einem Anbau wird laut den Berechnungen des Architekten 1,9 Millionen Euro kosten. Zugesagt sind bislang staatliche Zuschüsse von 1,2 Millionen Euro – damit werde der Eigenanteil für die Türkheimer Steuerzahler bei gut 700 000 Euro liegen. Und dahinter stehe auch noch ein „plus X und ein Fragezeichen“, so Hiemer.

Mehr zur Debatte ums Waaghaus von Türkheim lesen Sie hier.

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