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Was die Unterallgäuer vom Projekt "Wertach vital" lernen können

15.05.2015

Das gleiche Wasser, aber ein ganz anderer Fluss

Der fertiggestellte Abschnitt eins ist ein gutes Vorbild für Verbesserungen an der Wertach im Unterallgäu, da waren sich die Wertachfreunde einig.
Bild: Schweisser

Naturschützer aus dem Unterallgäu lassen sich bei Augsburg das Projekt „Wertach vital – Natur aus Menschenhand" erklären

Die Mehrheit der Flüsse im Voralpenland sind heute weit entfernt von dem, was sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren. Die ersten Begradigungen liegen ungefähr 170 Jahre zurück. Weitere Begradigungen, Querverbauungen und Uferbefestigungen setzten sich bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts fort. Allerdings gab es schon einige Jahrzehnte nach dem Beginn der ersten Maßnahmen unerwünschte Veränderungen. Die schneller gewordenen Flüsse gruben sich überraschend rasch tief ein. Die damaligen Planer hatten nicht weit genug gedacht. In der Nähe von Hiltenfingen liegt der Wertachspiegel jetzt elf Meter unter dem Umgebungsniveau.

Nach dem Pfingsthochwasser von 1999 waren erhebliche Schäden auch an der Wertach zu beklagen, Brücken und Staustufen gefährdet. Ein grundsätzlich neues Vorgehen war erforderlich – eine teilweise Rückführung des Flusses in einen naturnahen Zustand. Für die Wertach nahe Augsburg war dies der Beginn des Projektes „Wertach vital“.

Eine Gruppe von Wertachfreunden aus dem Unterallgäu mit Vertretern des Bund Naturschutzes, des Landesbundes für Vogelschutz und der Fischereivereine Türkheim und Bad Wörishofen fuhr nach Augsburg, um sich vor Ort ein Bild von dem Erreichten zu machen. Geführt wurde die Gruppe von Bernhard Uffinger und Johannes Enzler vom Bund Naturschutz. Uffinger und Enzler waren von Beginn an in die Planungen von „Wertach vital“ eingebunden und haben maßgeblich dazu beigetragen, dass die Belange des Naturschutzes angemessen berücksichtigt wurden. Das Projekt „Wertach vital“ besteht aus drei Abschnitten. Der erste reicht von der Staustufe Inningen bis zum Ackermann Wehr. Abschnitt zwei erstreckt sich bis zur Ackermann Brücke und Abschnitt drei dann bis zur Mündung der Wertach in den Lech. Während Abschnitt eins im Wesentlichen fertiggestellt ist, ist Abschnitt zwei gerade in Arbeit. Für Abschnitt drei laufen die Planungen. Bernhard Uffinger zeigte, wie aus dem noch vor 15 Jahren geraden Kanal in Abschnitt eins ein lebendiges Stück Fluss geworden ist. Das Flussbett wurde erweitert, die Ufer abgeflacht oder Flussinseln angelegt. Die Besiedlung des neu modellierten Flusses wurde weitgehend der Natur überlassen. Die Besucher waren beeindruckt, welche Veränderungen möglich gemacht wurden. Nicht nur die Natur hat hier gewonnen. Der Erholungswert der Landschaft hat sich ganz erheblich verbessert. Nach den vorliegenden Erfahrungen ist die Maßnahme auch aus wasserbaulicher und fischereifachlicher Sicht ein voller Erfolg.

Der fertiggestellte Abschnitt ist ein gutes Vorbild für Verbesserungen an der Wertach im Unterallgäu, da waren sich alle einig. Durch die geringere Bebauung in Flussnähe wären Planungen im Unterallgäu vermutlich sogar leichter als bei Augsburg. Die Wertachfreunde waren sehr angetan. Sie sahen das gleiche Wasser wie zuhause und dochj einen ganz anderen Fluss.

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