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Natur

27.04.2018

Das grüne Klassenzimmer der Kneippstadt

Die „Allee der Jahresbäume“ im Erholungswald der Kneippstadt ist um eine Rarität reicher. Prominente „Hobbyförster“ wie Bürgermeister Paul Gruschka, Kurdirektorin Petra Nocker und der ehemalige Staatsminister Josef Miller griffen zu Spaten und Gießkanne, tatkräftig unterstützt von den Kneippwichteln vom Kindergarten Gartenstadt.
Bild: Franz Issing

Im Bad Wörishofer Wald wächst ein Projekt, das „seinesgleichen sucht“, wie ein ehemaliger Minister sagt

Fröhlicher Gesang und Kinderlachen erfüllte den Wald, strahlender Sonnenschein durchdrang die mit frischem Grün wuchernden Bäume. Mit Spaten, Schaufel und Gießkanne bewaffnet und unterstützt von den „Kneipp-Wichteln“ aus der Gartenstadt pflanzten Bürgermeister Paul Gruschka, Kurdirektorin Petra Nocker, Vizelandrat Stephan Winter mit dem ehemaligen Staatsminister Josef Miller und prominenten Forstleuten und Naturfreunden im Erholungswald der Kneippstadt mehrere Esskastanienbäume. Die Pflanzaktion an der „Allee der Jahresbäume“ – Regie führte Stadtgärtnermeister Andreas Honner – wurde flankiert von Wissenswerten über diesen Baum des Jahres 2018.

Die Allee der Jahresbäume, ein „forstbotanischer Lehrpfad“, wird seit 1989 kontinuierlich mit heimischen Baumarten aufgeforstet, vor allem mit Gehölzen, die in ihrem Bestand bedroht oder deren typische Lebensräume gefährdet sind. Sie ist, wie Bürgermeister Paul Gruschka befand, „eine große Bereicherung für die 250 Kilometer langen Rad- und Wanderwege in und um Bad Wörishofen“. Dies sah auch der frühere Landwirtschaftsminister Josef Miller so. Er nannte die Allee der Jahresbäume „eine vorbildliche Einrichtung die ihresgleichen sucht“. Wer sich für Bäume und deren Schutzfunktion interessiere, sei hier an der richtigen Adresse. Der Ehrenvorsitzende der „Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“ bedauerte aber, dass sich viele Stadtkinder nur in einer virtuellen Welt leben und noch nie in einem Wald waren. „Nur was Menschen kennen, lernen sie auch zu schätzen und was sie schätzen werden sie auch schützen“ gab er zu bedenken.

Für kurze Zeit wurde dann ein Stück Kneipp-Wald zum grünen Klassenzimmer. Forstbetriebsleiter Hermann S. Walter erläuterte den in aller Herrgottsfrühe in großer Zahl versammelten Naturfreunden, was es mit der Esskastanie so alles auf sich hat. „Sie wächst vorwiegend in Weinbaugebieten und ist in unserer Region so gut wie ausgestorben“, berichtete der Forstmann aus Ottobeuren und machte dafür den Klimawandel verantwortlich. Ihr edles und exotisches Holz sei nicht kaputt zu kriegen. Walter verwies auf dessen zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten in Fassbau und Möbelproduktion, und den Einsatz der Gehölze bei der Schutzwald-Sanierung in den Bergen.

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„Sie sehen wie Igel aus, sind glänzend braun, stachelig und rund“, beschrieben die Kneippwichtel singend die Früchte der seltenen Baumart. Die Esskastanie beeindruckt im Frühsommer mit gelblich weißer Blütenpracht. Im Oktober fallen die stacheligen Früchte ab, platzen auf und geben eine weiße Spitze frei.

Für wohlhabende Leute waren Esskastanien schon in der Antike eine delikate Abwechslung bei herbstlichen Menüs. Von ihnen schwärmte auch Mitte des 16. Jahrhunderts schon der Botaniker Jacques Daléchamps aus Lyon. „Die Kastanie ist das Dessert auf den Tafeln der Reichen sowie das Fleisch für die Armen“, schrieb er. In der Tat.

Für große Teile der Bevölkerung vor allem in ländlichen und kargen Bergregion Südeuropas, wo Getreideanbau nicht möglich war, galt die Esskastanie bis ins 19. Jahrhundert als Hauptnahrungsmittel.

Nach Missernten und Hungersnöten half die braune Frucht aus den Bergen vielen Menschen zu Überleben.

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