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Unterallgäu

04.12.2014

Das ist das Haus vom Nikolaus

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2 Bilder
Bis Dreikönig belagern rund 600 Weihnachtsmänner und Nikoläuse die Wohnung von Marga und Werner Rohrer in Warmisried. Einer von vielen Regalböden ist den Schneekugeln vorbehalten.
Bild: Baus

Marga und Werner Roher teilen sich ihre Wohnung in Warmisried (Landkreis Unterallgäu) mit gut 600 Bischöfen und Weihnachtsmännern.

Es ist nicht so, dass Marga und Werner Rohrer nicht wüssten, wie es um sie bestellt ist: „Jeder Mensch hat einen Vogel“, sagt Marga Rohrer selbstironisch und ihr Mann ergänzt: „Und wir haben zwei.“ Wobei das so natürlich nicht ganz richtig ist. Die Rohrers teilen sich ihre Wohnung in Warmisried nämlich gar nicht mit Vögeln, wohl aber mit Weihnachtsmännern und Nikolausen. Dafür aber nicht nur mit zweien, sondern sage und schreibe gut 600.

Sie steigen am Treppengeländer empor, grinsen aus dem Türkranz, bevölkern Fensterbänke, Regale und Vitrinen, prangen auf Kissen, Tischdecken, dem Feuerzeug und den Taschentüchern und selbst die Wodka-Flasche an der Hausbar trägt Zipfelmütze. Wären sie Ungeziefer, müsste man glatt den Kammerjäger rufen. Wohin man schaut, tummeln sich Weihnachtsmänner und – zu Marga Rohrers Bedauern – nur einige wenige Nikolause. „Die findet man selten“, sagt sie und dabei sucht sie wirklich intensiv: In jedem Urlaub, sei es in Paris, in Barcelona, auf Korsika, am Gardasee oder sonst wo halten sie und ihr Mann die Augen offen und auf diversen Weihnachtsmärkten natürlich sowieso. Doch die Heiligen sind dort Mangelware.

Marga Rohrer hat bis auf zwei Schlittschuhläufer keinen Nikolaus doppelt

Gatte und Tochter sind deshalb schon selbst zur Tat geschritten: Werner Roher hat einen Nikolaus geschnitzt, die Tochter einen getöpfert. Beim Brennen der Tonfigur kippte jedoch die Mütze und herauskam erneut ein Weihnachtsmann. Marga Rohrer nimmt’s gelassen. „Ich hab schon schöne Buben“, sagt sie und lässt den Blick durchs Wohnzimmer schweifen. Bis auf zwei Schlittschuhläufer – der 65-Jährigen zufolge sind sie gerade beim Paarlauf – hat sie keinen doppelt.

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Da gibt es zum Beispiel das „fahrende Volk“, Weihnachtsmänner auf Motorrädern, Rollern, in Autos, Flugzeugen und in einem Eiswagen. Die Turntruppe, die Handstände macht und Purzelbäume schlägt, die Musiker, eine internationale Delegation aus China, England, Schweden und Russland, tierische Vertreter in Form von Bären und Mäusen, Weihnachtsmänner zum Ineinanderstapeln, in Schneekugeln, auf Spieluhren, und, und, und. Einer fällt durch seinen rabenschwarzen Rauschebart und die dunkle Haut auf, ein anderer durch sein Super-Santa-Kostüm und der dritte dadurch, dass seins besonders knapp ist: Er rekelt sich in roten Shorts und Mütze in einer Kunststoff-Badewanne und hat es sich im Bad der Rohrers gemütlich gemacht.

Das Schlafzimmer ist nikolausfreie Zone

„Nur das Schlafzimmer ist nikolausfreie Zone“, erklärt Marga Rohrer, korrigiert sich aber umgehend: „Da ist der Werner mein Nikolaus.“ Und zwar einer mit 20-jähriger Erfahrung als Besuchs-Bischof, mit Mitra, Umhang, Buch und allem Drum und Dran. Die Sammelleidenschaft hat aber nicht etwa er entfacht, sondern Enkel Dennis. Der hatte seiner Oma vor gut 25 Jahren aus Tonkarton eine Nikolausgirlande gebastelt, die auch heuer wieder in der Küche hängt, und damit eine echte Kettenreaktion ausgelöst: Je mehr Weihnachtsmänner sich im Laufe der Jahre in der Wohnung tummelten, desto mehr bekam Marga Rohrer geschenkt. Mittlerweile dauert es rund zwei Wochen, bis alle am richtigen Platz stehen und eine Woche, bis jeder wieder einzeln verpackt im Keller liegt.

Damit sich der Aufwand lohnt, kommt bei Rohrers schon kurz nach Allerheiligen Weihnachtsstimmung auf. Obwohl sich Marga Rohrer von Jahr zu Jahr schwört: „Das ist heuer das letzte Mal.“ Aber wenn sie dann alle stehen, dann „ist’s doch wieder schön.“ Und so wird wohl auch ihr Entschluss: „Jetzt reicht’s, jetzt hören wir auf mit der Geschichte. Ich weiß ja bald nicht mehr wohin“, nicht lange Bestand haben. Denn die Rentnerin gibt gleich selber zu: „Wenn ich irgendwo einen schönen Klaus seh’, kann ich mich wahrscheinlich nicht zusammenreißen.“

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