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Skandal

28.07.2010

Das tägliche Brot als Wegwerfartikel

"Ein Skandal ist das", findet Martin Klein, der Betreuer der Kompostanlage. Ein Unbekannter hat 40 Brotlaibe auf dem Wertstoffhof entsorgt.
Bild: Franz Issing

In Mindelheim entsorgt ein Unbekannter 40 Brotlaibe auf dem Wertstoffhof. Und das nicht zum ersten Mal. Dort spricht man von einem Skandal. Von Franz Issing

"Unser tägliches Brot gib uns heute." Diese eindringliche Bitte aus dem "Vater unser" wird zur Farce, wenn Lebensmittel zu Wegwerfartikeln werden. So geschehen auf dem Werkstoffhof in Mindelheim. 40 Laibe landeten dort im "grünen Müll". "Und das schon zum zweiten Mal in eineinhalb Jahren", weiß Martin Klein.

Der Betreuer der Kompostanlage ist entsetzt und spricht von einem Skandal. "Wir können leider nicht überall zur gleichen Zeit sein und allen Leuten auf die Finger schauen", bedauert Thomas Ruppert, der Leiter des Wertstoffhofes, und auch, dass der "Täter" unerkannt geblieben ist. Auch er hat null Verständnis für das Entsorgen von Lebensmitteln im Abfall. "Wenn ich es gesehen hätte, wäre ich sofort eingeschritten", versichert er.

Auch die Mindelheimer Bäcker verurteilen unisono das "verwerfliche Vorgehen" des unbekannten Brotentsorgers. "Es ist eine Schande, Brot wegzuwerfen, wo doch fast eine Milliarde Menschen auf der Welt am Hungertuch nagen", sind sie sich einig. Doch wohin mit dem alt gewordenen Gebäck?

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Bäckereien "entsorgen" altes Brot nicht im Müll

Die hiesigen Bäckereien gehen da verschiedene Wege. Die Mindelheimer Tafel oder auch Tierheime sind dankbare Abnehmer. Gängige Praxis in vielen Bäckereien ist es auch, vor Geschäftsschluss oder am Tag danach die Preise purzeln zu lassen. Ob Brot, Brezeln, Croissants, alle Backwaren kosten nur noch die Hälfte und gehen weg wie warme Semmeln.

"Wir werfen grundsätzlich nichts weg", versichert Bäckermeister Werner Seefried. "Altbackenes Brot wird bei uns zu Bröseln verarbeitet und zu einem gewissen Prozentsatz wieder neuem Teig beigemischt", informiert er und fügt scherzhaft hinzu: "Wenn ein Gebäck nicht mehr taufrisch ist und keiner mehr Appetit darauf hat, spiele ich notfalls selbst den "Abfalleimer". Ähnlich hält es auch Manfred Salger, der neue Chef der Bäckerei Fäßler: "Lebensmittel auf den Müll zu kippen, ist ein Skandal", findet auch er. Auch in seinem Betrieb werden "alte Brotbrösel" dem neuen Teig beigemengt oder übrig gebliebene Backwaren als Tierfutter für Pferdehalter verschenkt.

So hält es auch Sarah Zellner von der Bäckerei Mandl. "Brot vom Vortage - viel bleibt meist nicht übrig - verschenken wir an Landwirte in der Umgebung. Die sind ganz wild darauf und holen jede Woche eine kleine Ladung ab", erzählt sie. Mit einer zünftigen Brotzeit würden sich die Bauern einmal im Jahr beim Personal in der Backstube für das Tierfutter revanchieren. Im Übrigen gibt die Frau des Bäckermeisters zu bedenken: "Brot kostet Geld, und wer wirft schon Geld in den Abfall."

"So geht man nicht mit Lebensmitteln um", entrüstet sich auch Anita Ried, mit dem Vorfall auf dem Werkstoffhof konfrontiert. Mit Broten vom Vortag beliefern wir die Mindelheimer Tafel, ansonsten wandert Überschuss in einen Schweinemastbetrieb", erläutert die Chefin der gleichnamigen Großbäckerei. "Unser Betrieb wurde als erster Betrieb im Allgäu als Futtermittellieferant zertifiziert", lässt sie nicht ohne Stolz wissen. Franz Issing

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