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Türkheim

28.07.2020

Das umstrittene Wasserkraftwerk an der Wertach wird jetzt doch nicht gebaut

Auf dieser Skizze kann man erkennen, welche Dimensionen das Wasserkraftwerk am Walterwehr an der Wertach haben sollte. Der Betreiber, die Bayerische Landeskraftwerke GmbH (LaKW), wollte hier das Fünf-Millionen-Projekt verwirklichen, gegen das sich heftiger Widerstand formierte. Jetzt hat die LaKW entschieden, das Kraftwerk nicht zu bauen.

Plus Die Bayerischen Landeskraftwerke machen einen Rückzieher. Als Grund werden „geänderte Rahmenbedingungen“ genannt. Die Wertachfreunde jubeln trotzdem

Jubel bei den Wertachfreunden: Das am Walterwehr an der Wertach bei Türkheim geplante und in der Bevölkerung heftig umstrittene Wasserkraftwerk wird nun doch nicht gebaut. In einer knappen Mitteilung hat der Geschäftsführer der Bayerischen Landeskraftwerke GmbH (LaKW), Thomas Liepold, jetzt mitgeteilt, dass das Unternehmen „die Planungen zum Bau der Wasserkraftanlage am Walterwehr aufgegeben“ habe.

Die Proteste der Türkheimer Kraftwerksgegner sollen "keinen direkten Einfluss" gehabt haben

Als Grund gab Liepold an, dass sich „jetzt überraschend“ die Rahmenbedingungen für den Bau kleinerer Wasserkraftwerke geändert“ hätten.

In seiner Mitteilung weist Liepold zwar auch darauf hin, dass die LaKW „seit mehreren Jahren“ den Bau eines Wasserkraftwerkes am Walterwehr plane. „Bei einer Reihe von Informationsveranstaltungen, Ortsterminen und Besprechungen haben wir das Projekt mit den Beteiligten und der Bevölkerung teils sehr kontrovers diskutiert“, so Liepold. Mit dem neuen Kraftwerke habe die LaKW auch ein Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Wertach insbesondere für Fische wiederherstellen wollen.

Lesen Sie dazu auch: Ein guter Tag für die Wertach

Doch nicht die Proteste der Wertachfreunde oder der jüngste Beschluss des Gemeinderates gegen den geplanten Bau des Wasserkraftwerkes habe den Planungsstopp zur Folge gehabt, sondern die geänderten Rahmenbedingungen. Er „würde den örtlichen Gegnern des Projekts den Erfolg durchaus gönnen“, meinte Liepold. Doch die Proteste hätten „zumindest keinen direkten Einfluss auf die jüngste Entscheidung“ gehabt. So sei der Beschluss des Umweltausschusses zur kleinen Wasserkraft schon am 18. Juni, also deutlich vor der Diskussion im Gemeinderat gekommen. Ob der örtliche Widerstand gegen mehrere kleine Wasserkraftprojekte die Abgeordneten im Untersuchungsausschuss beeinflusst habe oder die Mitglieder eigener Überzeugung gefolgt sind, könne er nicht beurteilen, so Liepold.

Was letztlich zum Aus für das Wasserkraftwerk an der Wertach führte, ist für die Wertachfreunde zweitrangig

Für Leo Rasch von der Wertachfreunden ist es dennoch ein Erfolg, den sich vor allem die Kraftwerksgegner und damit weite Teile der Türkheimer Bevölkerung auf die Fahnen schreiben können. Was letztlich wirklich den Ausschlag für den Planungsstopp gegeben habe sei unterm Strich zweitrangig, so Rasch: „Wir sind alle sehr erleichtert, das zähe Ringen in den vergangenen vier Jahren hat sich also wirklich gelohnt“, so Rasch zur MZ.

Entsprechend sei die Freude bei den Wertachfreunden und allen Unterstützern jetzt „riesengroß“: seit die Wertachfreunde die Neuigkeit auf ihrer Homepage veröffentlicht haben („Oh happy day...“), steht das Telefon bei Rasch nicht mehr still. Immer wieder melden sich erleichterte Türkheimer, die sich freuen und bei Rasch und den Wertachfreunden für ihre Hartnäckigkeit und Konsequenz in der Haltung gegen das Wertach-Wasserkraftwerk bedanken.

Leo Rasch

Zu den Akten werden die Wertachfreunde das Walterwehr aber keineswegs legen, betont Rasch. Gemeinsam mit den zuständigen Wasserwirtschaftsamt Kempten werden sich die Wertachfreunde für eine Lösung einsetzen, um die Durchgängigkeit für Fische zu verbessern. Immerhin sei das Walterwehr die einzige Stelle an der gesamten Wertach, die für Fische und andere Wasserlebewesen eine Hürde darstelle. Zudem müsse der „Erlebniswert“ der Wertach noch weiter gesteigert werden. Rasch und die Wertachfreunde haben dazu bereits einige positive Beispiele gesammelt, etwa das Wasserwerk in Frankenhofen oder das Ruf-Wasserwerk an der Wertach nördlich des Walterwehrs.

Auf Anfrage der MZ machte LaKW-Geschäftsführer Thomas Liepold deutlich, dass bei der Entscheidung der LaKW nicht der Widerstand der Werrtachfreunde und des Türkheimer Gemeinderates ursächlich gewesen seien.

Vielmehr plane die Bayerische Landeskraftwerke Gmb unter anderem den Bau des Wasserkraftwerks Pielmühle am Regen, wenige Kilometer nördlich von Regensburg. Gegen dieses Projekt habe sich letztes Jahr die Donau-Regen-Naab-Allianz mit einer Petition an den Bayerischen Landtag gewandt. Als Ergebnis habe der Umweltausschuss des Bayerischen Landtags am 18. Juni die Bayerische Staatsregierung aufgefordert, die politischen Rahmenbedingungen für den Neubau kleiner Wasserkraftwerke zu überprüfen, erklärt Liepold.

Jetzt übernimmt das Wasserwirtschaftsamt das Vorhaben, am Walterwehr mehr Fischdurchgängigkeit zu schaffen

Von diesem Beschluss sei auch das von LaKW geplante Kraftwerk am Walterwehr in Türkheim betroffen, mit dem zeitgleich die Durchgängigkeit des Wehres hergestellt werden sollte, so Liepold. In der aktuellen Konstellation sei „in diesem speziellen Fall“ (Ausleitungsstrecke der Wertach) nur noch die Durchgängigkeit zu planen und zu bauen. Für die Herstellung der Durchgängigkeit der Wertach sei das Wasserwirtschaftsamt Kempten zuständig.

Liepold: „Mit der Aufgabe der Kraftwerksplanung entfallen von unserer Seite auch die im Zusammenhang mit dem Kraftwerk geplanten Maßnahmen Durchstich Kiesinsel, Aufweitung Unterwasserbereich des Wehres und ökologische Umgestaltung Langweidbach“.

Noch Mitte Juni klang das freilich noch ganz anders: Die Bayerische Landeskraftwerke GmbH (LaKW) wollte damals am geplanten Bau eines Wasserkraftwerkes am Walterwehr an der Wertach nicht rütteln lassen und wies die entsprechende Forderung der Wertachfreunde energisch zurück: „Als Landeskraftwerke, aber auch persönlich, halte ich den geplanten Bau des Kraftwerks unverändert für sinnvoll und notwendig. Wir werden die Planung weiterverfolgen und sind gespannt auf die Reaktionen im Genehmigungsverfahren“„, so LaKW-Geschäftsführer Thomas Liepold damals gegenüber unserer Zeitung.

Nach dem Ausstieg der Landeskraftwerke wird das Wasserwirtschaftsamt Kempten die Planung für die Schaffung der Fischdurchgängigkeit am Walterwehr als Vorhabensträger übernehmen, teilte die Behörde gestern mit. Dabei sollen noch einmal alle technischen Möglichkeiten für einen Fischaufstieg konzeptionell durchdacht und mit den Beteiligten diskutiert werden.

Ziel sei es, nach den Sommerferien eine „Lösung zu finden, die technisch funktioniert, möglichst ökologisch gestaltet wird, wirtschaftlich vertretbar ist und möglichst von allen Beteiligten akzeptiert wird“, heißt es in einer Pressemitteilung des Wasserwirtschaftsamtes.

Hier finden Sie die Artikel zum geplanten Wasserkraftwerk an der Wertach:

Ein deutliches Nein zum geplanten Wertach-Wasserkraftwerk

Geht das Wasserkraftwerk im Gemeinderat unter?

Kraftwerk-Betreiber kritisiert Türkheimer Wertachfreunde

Betreiber will Wertach-Wasserkraftwerk in Türkheim bauen

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