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Bad Wörishofer Gesundheitstage

28.10.2017

Dem Hamsterrad entfliehen

Großer Empfang für Pater Anselm Grün (links): Die vierten Bad Wörishofer Gesundheitstage sind eröffnet.
Bild: Franz Issing

Pater Anselm Grün stellt in Bad Wörishofen zwölf Thesen für ein besseres Leben auf.

 Pater Anselm Grün betritt die Bühne, wie man ihn von Bildern her kennt: schlohweißer Bart, schwarzer Habit des Benediktinermönchs. Zum Auftakt der vierten Bad Wörishofer Gesundheitstage verrät er seinen Fans, wie man zum Lebenskünstler werden und sich aus dem Hamsterrad Alltag befreien kann.

Zwölf Thesen, sprich Haltungen, stellt Grün auf, die am Ende in der Weisheit gipfeln: „Wer mit sich selbst im Einklang ist, kann auch um sich herum Harmonie verbreiten“. Gleich zu Beginn seines Vortrages macht Pater Anselm deutlich, um was es ihm geht. Um das gute und zufriedene Leben jedes seiner Zuhörer. „Sei der du bist und kreise nicht ständig um dein Ego“, lautet seine zentrale Botschaft. Unüberhörbar auch das Plädoyer des Benediktiners für Barmherzigkeit. „Nur wer barmherzig zu sich selbst ist, kann auch zu anderen Menschen gut sein“, gibt er sich überzeugt und betont, im Leben sei es wichtig, die richtige Balance zu finden. Seine lebenspraktischen Weisheiten verknüpft der Geistliche mit den zeitlosen Weisheiten griechischer Denker und Dichter. Dabei beschwört er immer wieder die Kraft des heilenden Wortes und des Gebets. Grün empfahl seinen Zuhörern, sich täglich „heilige Zeiten zu gönnen, die einem ganz selbst gehören.

Immer ging es dem Benediktinerpater um das richtige Gleichgewicht im Leben und es kam ihm darauf an, seinen Zuhörern ein besseres Selbstwertgefühl zu vermitteln. Gleichzeitig versuchte er sich als „Wegweiser“ aus der lebenshemmenden Angst. „Scheitern ist kein Unglück, sondern Chance für einen erfolgreichen Neubeginn“, machte Grün Mut. Frieden schließen und Vergeben war ihm ein weiteres Anliegen. Einschränkend gab er zu bedenken: „Vergeben heißt nicht nachgeben“.

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Der Ordensgeistliche sprach auch von Tränen und Trauer, die zum Leben gehören und gab sich überzeugt: „Depression ist verweigerte Trauer“. Das Leben versäumen, so Pater Anselm sei stets mit der Gefahr verbunden, sich selbst in einer Egoismusfalle zu isolieren. Das Leben brauche Hingabe abseits des „Um sich selbst Kreisens“.

Wer den Ordensmann aus dem Kloster Münsterschwarzach noch nie gehört hat, mag wohl von ihm einen rhetorisch geschliffenen mit einer Heilsbotschaft verknüpften Vortrag erwartet haben. Grün überraschte mit dem Gegenteil. Seine Sprache war ohne Schnörkel, seine Rede zeigten Möglichkeiten auf für die Individualitäten des Lebens, war eine Absage an die ständige Suche nach Selbstoptimierung. „Trau dich, du musst nicht perfekt sein“, sagte er. Der mit großem Applaus bedachte Vortrag endete mit einem Ritual. Im Kursaal wurde es mäuschenstill. Mit vor der Brust gekreuzten Armen lauschten Jung und Alt einem uralten Abendgebet der Kirche. „Weil ich von Christus umarmt bin, umarme ich ihn als sein verletztes Kind“.

Offiziell eröffnet wurden die Gesundheitstage von Ruth Nowak, der Amtschefin des Bayerischen Gesundheitsministeriums. Nowak vertrat die Ministerin Melanie Huml, die Schirmherrin der Veranstaltungsreihe. Die Ministerialdirektorin forderte die Kur- und Heilbäder auf, sich modernen Konzepten, wie Früherkennung, Prävention und Rehabilitation nicht zu verschließen. Ziel ihres Ministeriums sei es, so Nowak, Bayerns Kurorte und Heilbäder zu modernen Gesundheitszentren für eine immer gesundheitsbewusstere Gesellschaft zu entwickeln. Die Rede schien dem Publikum aber zu lang geraten, das plötzlich zum Schlussapplaus ansetzte. Bürgermeister Paul Gruschka stellte das umfassende Gesundheitskonzept rund um die fünf Säulen der Kneipp‘schen Lehre vor und stellte die Frage: „Was würde wohl der Wasserdoktor sagen, wenn er uns heute sehen könnte zwischen Computern, Smartphones, immer online, immer präsent und gut vernetzt?“ Die Antwort gab Gruschka gleich selbst: „Er hätte all die medialen Segnungen der modernen Welt zum Fenster raus geworfen.“

Volles Programm am Wochenende: Die vierten Gesundheitstage im evangelischen Gemeindehaus gehen weiter. Heute um 9.30 Uhr mit Herbert Specht, um 10 Uhr mit „Humor - ein Lebenselixier der besonderen Art“ und Dr. Gisela Matthiae, um 13.30 Uhr mit „Natur als Erfahrungsraum“. Außerdem geboten: „Die innere Uhr“ (14.30 Uhr) mit Hans Horst Fröhlich oder „Die Weisheit unserer Träume“ (16.30 Uhr). Um 19.30 Uhr folgt „Happy Classic“. Der Sonntag beginnt mit einem Gottesdienst und endet mit dem Kabarett „Wir werden alle sterben!“ mit Rosenberg Lipinsky im Gugger.

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