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Bad Wörishofen

31.01.2020

Dem neuen Augsburger Bischof fliegen die Herzen zu

Bertram Meier ist neuer Bischof im Bistum Augsburg. In Bad Wörishofen und Mindelheim finden das viele Christen, katholische wie evangelische, gut. Sie setzen verschiedene Hoffnungen in den neuen Oberhirten.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Plus An der katholischen Basis kommt Bertram Meier prima an. Mit einer bemerkenswerten Rede in Bad Wörishofen weckte er Hoffnungen bei den Evangelischen.

Der neue Bischof von Augsburg kommt an der Basis gut an – auch an der evangelischen. Die Ernennung von Bertram Meier löste dort gestern neue Hoffnungen für die Ökumene aus, wie es hieß.

Bad Wörishofens katholischer Kurseelsorger Adalbert Keller kennt Meier seit vielen Jahren, auch privat, und ist ebenfalls guter Dinge: „Es wird der Diözese gut tun, einen Bischof zu bekommen, der mit allen Gruppierungen sprechen kann: mit jenen, denen es in der Kirche nicht schnell genug vorwärts gehen kann und die gerne Gas geben wollen – und mit jenen, die den Blick in den Rückspiegel lieben und gerne auf das Bremspedal drücken.“

Überrascht hat die Ernennung dennoch viele, auch Prälat Konstantin Kohler aus Kirchdorf. „Einerseits ja“, sagte er am Donnerstag. „Andererseits hoffte ich, dass er eine Chance bekommt und freue mich sehr darüber, dass es geklappt hat.“

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Auch Bad Wörishofens evangelische Pfarrerin Susanne Ohr kennt Meier von vielen Anlässen, wie sie sagt. In besonderer Erinnerung geblieben ist ihr Meiers Vortrag „Katholisch-Evangelisch – Sensibel werden für die Ökumene“. Diesen hielt der neue Bischof in Bad Wörishofen, auf Einladung beider Kirchen.

So hat Bad Wörishofens evangelische Pfarrerin den neuen Bischof erlebt

„Ich habe ihn als einen offenen, freundlichen Menschen erlebt“, sagt Ohr. „Dass ihm Ökumene wichtig ist, hat er mir gegenüber immer wieder betont.“ Ohr sagt, Meiers Familie sei da wohl prägend gewesen. Meiers Vater war evangelisch. „In seinem Vortrag hat er klar die Versäumnisse, Grenzen und Chancen der Ökumene benannt“, sagt Ohr. Er habe auch Kritik an der Äußerung des einstigen Papstes Benedikt geübt, wonach die evangelische Kirche nicht Kirche im eigentlichen Sinn sei. Meier habe gesagt, dass „wir einander das Kirchesein nicht absprechen, sondern uns vielmehr auf Augenhöhe begegnen sollten“, sagt Ohr. „Ökumene, so war sein Fazit, würde in Zukunft immer wichtiger. „Ich würde mich freuen, wenn diese ökumenische Offenheit auch in seinem Wirken als Bischof spürbar wird“, sagt Ohr.

Kurseelsorger Keller berichtet, er habe den neuen Bischof stets als sehr tiefgründig erlebt, aber „trotzdem gewürzt mit einem anspruchsvoll durchdachten Humor.“ Meier sei ein „scharfsinniger Zuhörer, hochintelligent und in vielen Sprachen versiert.“ Eine seiner großen Stärken sei die Offenheit. „Auch einfache Leute übersieht er nicht“, sagt Keller, der Alte Kirchengeschichte an der Universität Augsburg lehrt.

Pizzaessen mit dem Dekan - und ein bisschen „modo italiono“

Mindelheims Dekan Andreas Straub kennt den neuen Augsburger Bischof ebenfalls schon seit vielen Jahren, und das auch noch besonders gut. Vor seiner Zeit als Stadtpfarrer von Mindelheim war Straub Kaplan der Dompfarrei in Augsburg. Auch Prälat Bertram Meier wohnte damals in der Dompfarrei. Einmal im Jahr lud Meier Straub zum ganz persönlichen Pizzaessen ein. Straub hat damals einen Geistlichen kennen- und schätzengelernt, der „wirklich gut zuhören kann und hat für meine Aufgabe als Jugendseelsorger echtes Interesse gezeigt“.

Straub schätzt an dem neuen Oberhirten der Diözese Augsburg besonders, dass er gut zuhören kann, aber auch ein eloquenter Redner sei. Meier sei dialogbereit, kommunikativ.

Für ihn sei er einer der heißen Kandidaten gewesen auf den Bischofsstuhl in Augsburg. Allerdings sei es in der Vergangenheit eher unüblich gewesen, dass jemand aus der eigenen Diözese berufen wird. Dass dies jetzt von Papst Franziskus in Rom anders gehandhabt wurde, freut den Mindelheimer Dekan.

Bertram Meier hat in Rom studiert. Von dort hat er auch sein Faible für italienisches Essen mitgebracht. Und den Begriff „modo italiano“, den er laut Straub gerne verwendet. Er meint damit eine besondere Einstellung zum Leben, die er in Rom kennengelernt hat und die auch ein wenig Eindruck auf ihn gemacht hat. „Es ist eine gewisse Gelassenheit, Unverkrampftheit und Lockerheit, die uns Deutschen manchmal ganz gut täte“, sagt Straub.

Dass sich Meier einmal im Jahr trotz seines schon damals übervollen Terminkalenders die Zeit für ihn genommen hat, hat Straub beeindruckt. Meier habe keinerlei Standesdünkel. Er begegne den Menschen auf Augenhöhe. Er sei nicht polarisierend, habe aber auch einen klaren Standpunkt. „Das stimmt mich sehr positiv“, sagte Straub.

Meier war die treibende Kraft bei einer wichtigen Personalentscheidung für Bad Wörishofen

Meier war wiederholt im Unterallgäu. Eine enge Verbindung hat er zur Aktion Hoffnung in Ettringen. Dort war er erst im Dezember bei der Weihnachtsfeier. 2009 war Bertram Meier als Redner in Mindelheim.

Anlass war die 600-Jahr-Feier der Stadtpfarrkirche. Meier hatte damals über die Weltkirche unter dem Titel „Um Himmels Willen – die Kirche“ gesprochen. Noch nicht vor allzu langer Zeit hat Meier die Firmung in allen Pfarreien des Dekanats Mindelheim gespendet.

Dass Meier „wohl die treibende Kraft“ dafür gewesen sei, dass Bad Wörishofen nach dem Ruhestand von Pater Rüdiger Prziklang wieder einen Kurseelsorger bekommen habe, sagt Bernhard Ledermann, der in der Kirche vielfach engagiert ist, unter anderem als Vorsitzender des Katholischen Erwachsenenbildungswerkes Forum Bad Wörishofen. Bad Wörishofens Pfarrer Andreas Hartmann bestätigt das. „Wir haben gemeinsam einen Nachfolger für Pater Rüdiger gesucht. Dabei ist mir sofort aufgefallen, wie nah er bei den Menschen ist und ihr Sorgen und Nöte kennt“, sagt er über Meier. Er habe sich „riesig“ über dessen Ernennung gefreut.

Mehr über Bertram Meier lesen Sie hier:

Neuer Augsburger Bischof: Wer ist Bertram Meier und was muss er jetzt tun?

In Bad Wörishofen hatte Meier vor gut einem halben Jahr gesagt: „Ökumene ist nicht Fusion. Ökumene ist Rückkehr zum Auftrag Jesu“, und „Pflicht von uns allen.“ Meier könnte „sogar zum Bischof der Ökumene werden“, sagt Manfred Gittel, Prädikant und Mitglied des ökumenischen Arbeitskreises der Kurstadt.

Klar äußerte sich Meier in Bad Wörishofen aber auch zu einer Kernfrage der Ökumene, zur gemeinsamen Eucharistie, zum gemeinsamen Abendmahl: „Den Leib Christi gibt es nur als Doppelpack: als Hostie und als Kirche.“

Ausnahmen zum gemeinsamen Empfang der Eucharistie will Meier aber durchaus zulassen, sagte er in Bad Wörishofen: bei tiefer geistiger Not oder bei konfessionsverschiedenen Paaren, wobei er in Bad Wörishofen riet, das Gespräch mit dem Priester vorher zu suchen – und sagte: „Kein kluger Seelsorger weist Menschen ab.“

Dennoch lautete in der Kneippstadt Bertram Meiers ernüchterndes Fazit für die generelle gemeinsame Eucharistie: „Wenn wir uns in der Ökumene auf dieses Thema fixieren werden wir eher frustriert werden.“ Meier sagte stattdessen bei dem Vortrag: Wir sollten für Christus gemeinsam auftreten und Zeugen werden.“ (jsto, m.he, it)

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