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17.06.2009

Der Buhmann aus München

Während in Buchloe und dem Ostallgäu gejubelt wird, hat sich Ministerpräsident Horst Seehofer mit seiner Entscheidung für ein Gymnasium Buchloe im Unterallgäu keine Freunde gemacht.

Türkheims Bürgermeister Silverius Bihler zeigte sich nicht überrascht von der Nachricht: "Es hat in der Vergangenheit genügend Vorzeichen gegeben, die diese Entscheidung erahnen ließen." Deswegen sei er auch schon vor Wochen wie angekündigt aus der CSU ausgetreten. Und er habe diesen Schritt auch nicht bereut. Dass er die Nachricht von der Presse erfährt, passe zu den ganzen Vorgängen. "Wir haben nun nur noch eine Chance", sagte Bihler: "Man kann nur hoffen, dass der Kreistag Ostallgäu anfängt zu rechnen und zum Ergebnis kommt, dass man sich ein Gymnasium in Buchloe nicht leisten kann."

Wenigstens ist die Entscheidung jetzt gefallen, die Hängepartie zu Ende gekommen. Das war die erste Reaktion von Türkheims Schulleiter Folkhart Glaser. "Wir als Schule bedauern die Entscheidung, weil wir sie sachlich für nicht gerechtfertigt halten", sagte der Oberstudiendirektor, der das Joseph-Bernhart-Gymnasium in Türkheim seit vielen Jahren leitet. Jetzt gelte es, das Profil seiner Schule noch mehr zu schärfen, so Glaser weiter, der in die Zukunft schauen will.

"Tief enttäuscht" über die Entscheidung des Ministerpräsidenten zeigte sich Landrat Hans-Joachim Weirather ( Freie Wähler), die er nach wochenlangem Warten von der Zeitung erfahren musste. "Der Neubau eines Gymnasiums in Buchloe kann in einigen Jahren das Aus für das Gymnasium in Türkheim bedeuten", so Weirather. Der Ministerpräsident sei jetzt gefordert, wenn es darum geht, das Überleben des einzigen staatlichen Gymnasiums im Landkreis Unterallgäu zu sichern. "Darüber hinaus erwarte ich, dass er sich mit gleicher Inbrunst dafür einsetzt, dass der Landkreis nicht noch an anderen Stellen zum bildungspolitischen Verlierer wird", so Weirather.

Der Buhmann aus München

Der CSU-Kreisvorsitzende und Vize-Landrat Klaus Holetschek, Bürgermeister in Bad Wörishofen, bedauert den Entschluss seines Parteichefs Seehofer. "Ich bin überrascht und sehr enttäuscht, da ich diese Entscheidung für falsch halte", sagte er in einer ersten Reaktion. Bis zuletzt habe er gehofft, dass das Pendel doch gegen Buchloe ausschlagen würde. Er könne es nicht nachvollziehen, dass ein Beschluss, der schon gefasst worden war, nun doch noch geändert wurde. Ihm fehle hierfür die Grundlage. Holetschek versicherte, dass man politisch am Ball bleiben werde, um Wege zu finden, die Region zu stärken: "Als Erstes erwarte ich aber ein deutliches Signal für das Gymnasium Türkheim."

Bernhard Pohl, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Landtag, hält Seehofers Entscheidung für "wenig durchdacht". Sie beruhe auf einer "Goodwill-Reise des Ministerpräsidenten nach der verlorenen Landtagswahl" und spräche gegen die fachliche Ebene. Er sei nicht nur enttäuscht, sondern zornig, so Pohl: "Dass es nun doch so kommt, ist ein harter Schlag für das Gymnasium Türkheim. Das hat die Schule nicht verdient." Die Entscheidung sei gerade in Zeiten knapper Kasse eine Fehlinvestition, da Buchloe nicht zwingend ein Gymnasium brauche.

Auch der Türkheimer Michael Helfert, Kreisrat und stellvertretender SPD-Unterbezirksvorsitzender, betont, dass die Entscheidung nicht zur finanziellen Lage des Staates passe: "Der Bestand einer Schule wird durch den Neubau einer anderen gefährdet." Für das Gymnasium Türkheim werde es mittelfristig schwer, zu überleben, glaubt Helfert. Deshalb schlägt er einen runden Tisch mit allen Beteiligten vor, in dem ein "Masterplan für ein kleines, aber feines Gymnasium in Türkheim" erarbeitet wird. Helfert stellte außerdem in Frage, ob Kultusminister Spaenle im Amt bleiben könne. Schließlich habe er zunächst eine offensichtliche Fehlentscheidung getroffen "Brauchen wir so jemanden?", fragt Helfert.

Für den Elternbeiratsvorsitzenden des Türkheimer Gymnasiums, Norbert Führer, ist die Entscheidung ein "harter Schlag", zumal sie gegen jegliche Zahlenwerte spreche. Das Konzept sei nicht durchdacht. Auch Führer fürchtet um den Fortbestand der Schule: "Wo sollen die Kinder herkommen, die zwei Gymnasien füllen?"

Die Ostallgäuer Landtagsabgeordnete Angelika Schorer (CSU), die sich seit vielen Jahren stark für ein Gymnasium in Buchloe gemacht hatte, ist dagegen hoch erfreut: "Das ist eine Aufwertung des Schulstandortes."

Auch Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger freute sich: "Größte Gewinner sind und bleiben unsere Kinder. Sie bekommen endlich ein Komplettangebot aller Bildungsbereiche in Buchloe."

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