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23.07.2010

Der Geist aus der Flasche macht Angst

Gegner der Agrogentechnik formieren sich auch im Unterallgäu, aber weniger mit medienwirksamen Aktionen wie Greenpeace auf unserem Bild. Foto: dpa
Bild: dpa

Salgen/Pfaffenhausen Wenn Unterallgäuer Bauern zusammenkommen, ist viel von Sorgen, von Zukunftsängsten die Rede. Der Milchpreis hat sich zwar in den vergangenen Monaten leicht nach oben bewegt, liegt aber immer noch knapp unter 30 Cent pro Liter und damit unter dem, was die meisten Familienbetriebe auf Dauer verkraften können. Sorgen plagen auch Schweine- und Ackerbauern. Es sind wirtschaftliche Sorgen.

Seit einigen Wochen treffen sich in der Alten Schule in Salgen Bauern und Imker. Es ist ein kleiner Kreis von bis zu zwölf Leuten. Biobauern sind dabei, aber auch konventionell arbeitende. Der Vorsitzende der Imker Krumbach, Josef Strobel, gehört dazu. Auch sie führen Sorgen zusammen. Ihnen geht es weniger um die wirtschaftliche Lage, unter der auch sie leiden. Sie haben Angst um die Natur, die sie in Gefahr sehen. Stichwort Genmais. Seit im Frühjahr aus Niedersachsen gentechnisch verändertes Saatgut für Mais auch im Unterallgäu ausgebracht wurde, sehen sie ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Die Bauern fürchten Riesenprobleme auf die nächste Generation zukommen. Das genveränderte Saatgut wird sich ihrer Überzeugung nach nicht mehr zurückholen lassen. Der Geist ist aus der Flasche.

Bauern müssen Mais vernichten

Die betroffenen Landwirte, die an dieses genveränderte Saatgut geraten sind, sind zwar verpflichtet, den Mais einzuackern und damit zu vernichten. Viele tun das auch, wie eine Fahrt übers Land zeigt. Wie gut und wirkungsvoll das tatsächlich geschieht, da haben die in Salgen versammelten Landwirte so ihre Zweifel. Sie können Bilder von Äckern aus der Region vorlegen, auf denen zwar ein Großteil der Maispflanzen in den Boden eingebracht ist. Aber eben nicht alle. Vor allem an den Ackerrändern blieb manche Pflanze stehen. Sollten diese Pflanzen blühen, ist es geschehen um die gentechnikfreie Zone Unterallgäu, meinen sie. Sie fürchten aber noch aus einem ganz praktischen Grund um die Sinnhaftigkeit der punktuellen Vernichtungsaktion von Mais. "Keiner kann doch wirklich hundertprozentig sagen, wo der genveränderte Mais steht und wo herkömmlicher", sagt Friedrich Bichler, der in Salgen einen kleinen Biolandbetrieb bewirtschaftet.

Der Geist aus der Flasche macht Angst

Die Imker wiederum sind in großer Sorge, dass die Bienenvölker mit genveränderten Pflanzen nicht klarkommen. Zwei Völker besitzt Josef Strobel, bei denen er schon heute den Verdacht hat, sie könnten an Pflanzen aus der Agrogentechnik geraten sein. Das Leiden der Bienen könnte aber auch andere Ursachen haben, räumt er ein. Nach wie vor sei das Beizmittel Santana gegen den Drahtwurm beim Mais zugelassen. Auf die Bienen wirke es wie Gift.

Abhängig von Konzernen?

Die Bauern treibt auch die Sorge um, wirtschaftlich völlig von Agrarkonzernen abhängig zu werden. Das veränderte Saatgut muss immer wieder zugekauft werden. Stichwort Monsanto. Der US-Konzern ist weltweit ins Gerede gekommen, weil er sich seine Pflanzen schützen hat lassen und sich diese teuer bezahlen lässt. Indische Baumwollbauern etwa sind in große Abhängigkeiten geraten.

In der kommenden Woche haben die Landwirte nun einen Informationsabend für die gesamte Bevölkerung mit der Überschrift "Gefahr durch Agrartechnik!" organisiert. Schließlich betreffe das Thema Produzenten wie Verbraucher gleichermaßen. Mitveranstalter sind der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter BDM, die Biolandgruppe Mindelheim, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, der Bund Naturschutz, der Bauernverband, der Bioring Allgäu, Greenpeace, die Interessengemeinschaft für gesunde Tiere, Rapunzel Naturkost Legau und die Landesvereinigung ökologischer Landbau.

Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 28. Juli, 20 Uhr in der Aula der Verbandschule Pfaffenhausen statt. Als Referenten sprechen: Irmgard Kiechle von der Interessengemeinschaft gesunde Tiere, Anja Sobczak vom Umweltinstitut und der Landwirt Gottfried Glöckner. Letzterer will von seinen schlechten Erfahrungen durch gentechnisch veränderte Pflanzen berichten.

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