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Geschichte

01.02.2014

Der Glanz von Lichtmess ist längst erloschen

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Auf größeren Bauernhöfen hatten Familienmitglieder und auch Knechte und Mägde alle Hände voll zu tun. Unser Bild stammt aus dem Buch „Unterrieden – unser Dorf im Wandel der Zeit“. Unten zu sehen ist eine historische Stellenanzeige.

Die Erinnerung an einen besonderen Tag im Bauernjahr verblasst immer mehr

Unterallgäu Traditionell steht in unseren Kalendern am 2. Februar das Fest „Mariä Lichtmess.“ Doch immer weniger Menschen - selbst auf dem Land - dürfte bewusst sein, welch große Bedeutung dieser Tag einst im bäuerlichen Leben hatte. Er war einer der wichtigsten Tage im Jahr überhaupt. Bis 1912 war Lichtmess in Bayern auch ein offizieller Feiertag. Für die Knechte und Mägde bedeutete „Liameß“, wie man im Allgäu sagt, einst den Anfang und das Ende des Arbeitsjahres. Als Zahltag für den Jahreslohn wirkte er oft wie ein Befreiungsschlag.

Mariä Lichtmess ist in erster Linie ein kirchlicher Festtag, der offiziell „Darstellung des Herrn“ heißt. Lichtmess war und ist noch heute der Tag der Kerzenweihe.

Kerzen und Wachsstöckle waren vormals wichtige begleitende Symbole von der Wiege bis zum Grab. So wurden früher alle Wachsartikel, die man während des Jahres brauchte, im Korb zur Kerzenweihe in die Kirche getragen. Dazu gehörten die dicke Hauskerze, die Tauf- und Kommunionkerze, die Sterbekerze, die Wetterkerze und die verschiedenen, oft prächtigen Wachsstöckle.

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Die Dienstboten konnten ihren Arbeitspaltz wechseln

Seine herausragende Bedeutung hatte Lichtmess allerdings im bäuerlichen Leben. An diesem Tag endete das Arbeitsjahr der Dienstboten. Die Knechte und Mägde konnten nun ihren Arbeitsplatz wechseln, an den sie nach althergebrachtem Gesinderecht das ganze Jahr über gebunden waren.

„An Lichtmeß vor dem Hochamt oder nach dem Essen kommt der Bauer mit der Geldschüssel und zahlt den ganzen Jahreslohn an die Dienstboten aus“, heißt es in einem alten Buch über Volksbräuche. Mit Lichtmess begann die mehrtägige „Schlenkelzeit“, eine Art Urlaub für die Mägde und Knechte. Sie wurde genutzt, um wieder mal daheim vorbei zu schauen, um sich nach einer neuen Stelle umzusehen oder um eine neue Stelle anzutreten. Dafür gab es in größeren Orten sogar eigene Gesinde- oder Dienstbotenmärkte, so auch im Colleg in Mindelheim.

Glücklich waren diejenigen, bei denen sich die Küche der Bäuerin in diesen Tagen des Dienstwechsels nicht kleinlich zeigte. Die Dienstboten wurden „aus- und eingebacken“, wie man sagte. Die kurze Freiheit der Schlenkelzeit verführte manchen Knecht zu lockerem Leben. So zerrann das hart verdiente bisschen Geld oft im Wirtshaus.

Auch der Blasiustag war den einfachen Leuten wichtig

Doch es gab auch „Ehrbare und Sparsame“, wie es in dem alten Buch von 1908 heißt. „Sie verweilen in der Schlenkelweil (ihren Ferien) höchstens länger in der Kirche, besuchen Verwandte, die Kunkelstube und stingeln bei Bekannten ein wenig herum. Am Blasiustag (3. Februar) morgens gehen sie wie Bauer, Bäuerin und Kinder vom Hofe frommgläubigen Herzens zum Einblaseln“. Er wies damit auf den Blasius-Segen hin, was man im Unterallgäu „Eibläsala“ nennt und auch heute noch ziemlich hoch hält.

Am ersten frühlingsnahen Festtag im Jahr, schauten die Bauern schon genau aufs Wetter. Sie hatten es nicht gern, wenn es am Tag der Lichtfeier sehr hell und klar war. Kann nämlich, so glaubte man, an diesem Tag der Dachs seinen Schatten sehen, wenn er den Bau verlässt, dann weicht der Winter noch nicht und der ersehnte Frühling wird rau und kalt.

Lieber war es dem Bauern, wenn es an Lichtmess stürmte und schneite; denn es galt die Vorhersage: „Wachs beim Schnee, dann Palm beim Klee“.

Auch eine weitere alte Bauernregel warnt vor einem sonnigen Lichtmess-Tag: „Scheint zu Lichtmess die Sonne heiß, gibt’s noch sehr viel Schnee und Eis“, heißt es da. Weil es jetzt mit der Tageslänge auch schon spürbar „nauswärts geht“, wie man sagt, gibt es auch den Spruch: „Lichtmess verlängert den Tag um eine Stunde – für Menschen und für Hunde“.

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