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Fasching in Mindelheim

12.01.2018

Der Hansl ist tot. Es lebe der Hansl!

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2 Bilder
Florian Stemmler, Dominik Wagner, Jutta Baader, Annett Stemmler, Florian Kastenmeier und Maximilian Spies (von links) rückten dem alten Hansl mit Schraubenziehern und Zangen zu Leibe.
Bild: Sandra Baumberger

Warum die beliebte Faschingsfigur am Oberen Tor um etliche Kilo leichter in die närrische Saison startet.

Na, da wird dem Durahansl das Lachen aber vergangen sein: Da wird er aus seinem Lager im Städtischen Bauhof gezerrt und ohne Vorwarnung mit Schraubenziehern und Zangen traktiert. Und was er am allerwenigsten versteht: Die, die ihm da ans Leder – Pardon, natürlich den Rupfen – wollen, sind keine Vandalen, sondern Mitglieder der Mindelonia und des Durahaufas. Sogar zwei ehemalige Prinzen, nämlich Roland Depprich und Maximilian Spies, die amtierende Prinzessin Lea Spies und Präsident Florian Kastenmeier kennen keine Gnade. Doch ehe der Hansl noch verständnislos den Kopf schütteln kann, liegt der schon in Fetzen. Da sind die Narren an diesem Vormittag nicht zimperlich.

Selbst inzwischen 66 Jahre alt, hat die Mindelonia dem Hansl im Jubiläumsjahr nämlich eine Verjüngungs- und Abspeckkur verordnet. Nicht mehr auf Rupfen gemalt soll er künftig vom Oberen Tor auf die Narren hinuntergucken, sondern auf luftdurchlässiges Gewebe gedruckt. Der Wind soll den Hansl dadurch nicht mehr aufblähen können wie ein Segel oder gleich entzweireißen wie 1990, als Orkan Wiebke wütete und vom Vorgänger des nun entleibten Hansls nicht viel übrig ließ.

Von Sentimentalität keine Spur

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Und weil auch der neue Hansl ein Skelett braucht, das ihm am Turm Halt gibt, wird der bisherige Hansl nun von den Holzbalken gezogen. Allzu leicht macht er es den Faschingsfreunden jedoch nicht: Der Rupfen ist auf das Holz getackert und genagelt, das hält. Zwar lässt sich der von Farbe steife Stoff zerreißen, doch um das neue Gewebe nicht zu beschädigen, müssen alle Klammern und Nägel raus. „Warum hat man den Hansl bei der Sanierung eigentlich nicht gleich auf den Turm draufgemalt? Da denkt wieder keiner mit“, scherzt einer der zupackenden Narren, bei denen von Sentimentalität keine Rede sein kann. „Wenn er ganz verschwinden würde, wär’s schlimmer“, sagt Florian Kastenmeier. „Aber es gibt ja einen neuen.“

Zurück bleibt ein zerknüllter Haufen Rupfen

Entworfen hat ihn, wie seinen Vorgänger, Hubert Schwank, aus dessen Feder auch die Amme und die Columbine stammen. Er war es auch, der die drei Figuren – die Wahrzeichen des Mindelheimer Faschings – gemalt hat. Im Falle des bisherigen Hansls hat das rund eine Woche gedauert – und eine ziemliche Schweinerei war es obendrein. Schließlich mussten die Lücken im Rupfengewebe erst einmal mit Farbe verschlossen werden. „Da war der ganze Boden voller Farbe“, erzählt Hubert Schwank. Kübelweise hat er sie 1995 aufgetragen und dem Hansl damit einiges an Gewicht verliehen. Gut 300 Kilogramm hat er insgesamt gewogen. Sein Nachfolger bringt es gerade noch auf ein Zehntel davon und ist so zur Freude derer, die ihn aufziehen, ein echtes Leichtgewicht.

Problematisch war bisher auch, dass die Mindelonia keine eigene Halle besitzt, in der die gut 100 Quadratmeter Stoff, die sich auf Narrenkappe, Kopf, Rumpf und die Beine verteilen, hätten bemalt werden können. Stattdessen musste Hubert Schwank immer da tätig werden, wo gerade Platz war. Und einmal ist der Stoff beim Bemalen derart eingegangen, dass der Hansl plötzlich gut einen Meter zu kurz und einen halben Meter zu schmal war. „Der ist dann mit Flaschenzügen gedehnt worden“, erinnert sich Schwank grinsend. Seinem alten Hansl, der nach einstündiger Arbeit als zerknüllter Haufen am Boden liegt, trauert er nicht nach. „Man muss mit der Zeit gehen“, findet der 76-Jährige und ist schon gespannt, wie sein Hansl auf dem neuen Stoff aussehen wird. Am Oberen Tor aufgezogen wird er schon heute, offiziell begrüßt am Samstag, 13. Januar, um 11.30 Uhr. Und dann ist bestimmt auch dem Hansl wieder zum Lachen zumute.

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