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Apfeltrach

10.02.2020

Der Herr der Pistenraupen

Andreas Wißmiller aus Apfeltrach optimiert mit seiner Firma Pistenraupen und Schneekanonen.
Bild: Stoll

Plus Wie die Firma Wißmiller aus Apfeltrach zu einem weltweiten Akteur aufstieg. Alles begann mit einer nächtlichen Fahrt mit der Pistenraupe.

Manchmal erfüllen sich die kühnsten Kindheitsträume und verändern ein ganzes Leben. Elf Jahre alt war Andreas Wißmiller, als er mitten in der Nacht ausgebüxt war. Still und leise hatte er sich aus dem Haus geschlichen. Seine Eltern sollte ja nicht mitbekommen, was er vorhatte. Die Familie war auf Skiurlaub im Zillertal. Am Abend zuvor hatte Andreas einen Pistenraupenfahrer getroffen und ihn gefragt, ob er da mal dabei sein darf. Das sei schon immer sein größter Wunsch gewesen, mit einer Pistenraupe über schneebedeckte Hänge zu fahren.

„Kannst um 3 Uhr mitfahren“, hatte der ihm gesagt, und wohl gemeint, einen guten Witz gerissen zu haben. Andreas Wißmiller freilich war nicht zu Scherzen aufgelegt. Er nahm das Angebot für bare Münze. Und so stand er dann pünktlich um 3 Uhr an der Piste und durfte tatsächlich mitfahren. Danach wollte der Junge lange Zeit nur noch Pistenbully-Fahrer werden.

All das ist mehr als 30 Jahre her. Andreas Wißmiller haben die Pistenraupen nie mehr losgelassen. 1995 gründete er sogar eine Firma, die mit Nutzfahrzeugen wie Baumaschinen, Lastwagen und eben Pistenraupen handelt. Längst ist sein Unternehmen weltweit unterwegs. Inzwischen gehört das in Apfeltrach beheimatete Unternehmen zu den Vorzeigebeispielen aus dem Unterallgäu, wie aus einem Handwerksbetrieb ein Unternehmen geworden ist, das rund um den Globus operiert.

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Nur jede dritte Pistenraupe kommt tatsächlich auf Skipisten zum Einsatz

Begonnen hatte alles vor 15 Jahren. Wißmillers Schwiegervater ist Schlosser, und in dessen Firma ist Andreas Wißmiller mit eingestiegen. Ursprünglich wurden in dem Familienbetrieb Landmaschinen repariert. Später spezialisierte er sich auf die Verarbeitung von Blech- und Edelstahl.

Andreas Wißmiller hat eine zweite Firma als Ein-Mann-Betrieb gegründet, die gebrauchte Nutzfahrzeuge verkauft – zuerst in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Längst gehen Maschinen auch nach Russland und Südafrika. Inzwischen ist er weltweit unterwegs. Dabei ist die Zahl der Mitarbeiter überschaubar. In der Schlosserei arbeiten vier, im Handel fünf.

Vor ein paar Jahren standen vor der Werkshalle in Apfeltrach sogar ein paar Kabinen einer Bergbahn. Die hat Wißmiller von einem Hersteller von Seilbahnen aus Österreich bezogen, sie aufgepäppelt und inzwischen nach Chile verkauft. Dort sind sie Attraktion in einem Freizeitpark.

Wer Pistenraupen aber allein mit Schnee und Winter in Verbindung bringt, täuscht sich. Zwei Drittel der Fahrzeuge, die Wißmiller umbaut, kommen nicht im Winter zum Einsatz. Diese werden im Landschaftsbau benötigt, wenn es im Gelände besonders steil hergeht. Für die notwendigen Umbauten sorgt das Unternehmen aus Apfeltrach.

Auch künstliche Beschneiungsanlagen hat Wißmiller im Angebot. Das mag auf den ersten Blick ungewöhnlich sein, weil das Unterallgäu bekanntermaßen nicht in den Bergen liegt. Entscheidend sei aber eine gute Verkehrsanbindung sowie die Nähe zu den Märkten in Österreich, der Schweiz und dem deutschen Alpenraum und dem Schwarzwald.

Die Vorbehalte gegen Schneekanonen kennt der Unternehmer sehr genau

Dabei kennt Wißmiller die Vorbehalte gegen Schneekanonen zur Genüge. Er sagt, Seilbahnen seien wichtige Konjunkturmotoren für den Fremdenverkehr in strukturschwachen Regionen. Weil für die Speicherseen Schmelz- und Regenwasser herangezogen wird, der Strom überwiegend aus ökologischen Quellen kommt und keinerlei chemische Zusätze erlaubt sind, hält der 45-Jährige diese Form der Pistenertüchtigung auch ökologisch für gut vertretbar. Der Energieaufwand, um 20 Hektar Pisten zu beschneien, sei nicht größer als ein Flug von München nach Mallorca mit 200 Passagieren.

Was die Firma Wißmiller aber so besonders macht ist die Veredelung von Pistenraupen, von denen eine im Neupreis wegen der vielen Technik rund eine halbe Million Euro kostet. Fünf bis zehn pro Jahr werden in Apfeltrach umgebaut. Zahlen, wie es dem Unternehmen wirtschaftlich geht, will Unternehmenschef Wißmiller aber nicht nennen.

Nur etwa ein Drittel dieser Fahrzeuge wird tatsächlich auf Skipisten eingesetzt. Dort wird eine immer ausgefeiltere Technik eingesetzt. Schneehöhenmesssysteme zeigen an, wo der Bullifahrer nacharbeiten muss. Beschneit wird also nur noch dort, wo wirklich zu wenig Schnee vorhanden ist. Das hilft Energie sparen. Die Firmen Käsbohrer und Prinoth aus Ulm beziehungsweise Südtirol setzen verstärkt auf die Umwelt. Die ersten komplett elektrisch angetriebenen Pistenraupen gibt es bereits.

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