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20.02.2015

Der Hunger machte sie zu Einbrechern

Zehn Mal sind drei junge Männer rund um Mindelheim eingebrochen (Symbolfoto).
Bild: dpa

Drei Brüder sind in zehn Gaststätten und Vereinsheime rund um Mindelheim eingestiegen. Jetzt standen sie vor Gericht

Zehn Einbrüche binnen eines Sommers haben drei Brüder in und um Mindelheim verübt. Die heute 23, 24 und 27 Jahre alten Männer standen nun vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Memmingen und gaben zu, vor knapp vier Jahren in Gaststätten und Vereinsheime in der Region eingebrochen und vor allem Geld gestohlen zu haben.

Meist über ein eingeschlagenes Toilettenfenster gelangten sie ins Innere. In die Mindelheimer Gaststätte Krähennest stiegen die Brüder gleich drei Mal ein. Die Vereinsheime der Armbrustschützen und des Fähnleins Helfenstein im Eichet, des Tennisclubs sowie der Hundefreunde in Mindelheim waren ebenso Ziele der Brüder wie der Mindelheimer Wertstoffhof und das Schützenheim in Nassenbeuren. Der Sachschaden bei den von ihnen verübten Einbrüchen war laut Anklageschrift dabei meist höher als der erbeutete Geldbetrag beziehungsweise der Wert des Diebesguts selbst.

Vor Gericht wurde nun deutlich, in welcher Lage sich die drei 2011 wohl befunden haben: „Habt’s ihr hungern müssen?“ fragte Richter Dr. Markus Veit die jungen Männer direkt. Sie blickten nach unten und nickten. Der Älteste begann zu erzählen: Er habe bereits mit seinen beiden Brüdern zusammengewohnt, als alle drei ihre Arbeits- beziehungsweise Ausbildungsstelle binnen kürzester Zeit verloren haben. „Ich weiß gar nicht, wie wir drauf kamen“, erinnerte er sich. „Das war die erstbeste blöde Idee.“ Sie seien zwar noch im Arbeitsamt gewesen, doch dort habe man ihnen nicht auf die Schnelle helfen können, schilderten sie. Darüber hinaus haben die jungen Männer eine Abneigung gegenüber allem, was Ämter betrifft, wie deutlich wurde.

Der Grund dafür kam im Lauf der Verhandlung immer stärker ans Tageslicht. Als die drei Angeklagten noch Grundschüler waren, verließ ihre Mutter die insgesamt fünf Brüder und den alkoholkranken Vater. Die Söhne wurden getrennt und kamen in zwei Kinderheime. „Es muss dort ziemlich furchtbar gewesen sein“, schilderte Verteidigerin Dr. Renate Bens die Erinnerungen ihres heute 24-jährigen Mandanten.

Als die Mutter Jahre später zurückkam, holte sie die drei ältesten Söhne in ihre „neue“ Familie: Sieben Personen lebten damals in einer Zwei-Zimmer-Wohnung, so die Angeklagten. Weil zwei Brüder in Mindelheim Arbeit fanden, zog auch der Dritte von Franken ins Unterallgäu. 2011 dann verloren zwei ihre Ausbildungsstelle, der dritte seinen 400-Euro-Job. Die Einbrüche begannen.

Heute verdienen die Männer ihr Geld wieder auf ordentliche Weise: der 27-Jährige als angehender Fachmann für Systemgastronomie, der 24-Jährige als Möbelmonteur und der 23-Jährige als Lagerhelfer. „Es war doof. Das macht es nicht rückgängig, aber es tut mir leid“, sagte der Älteste. Der 24-Jährige bezeichnete die Einbrüche als „das Dümmste, was man machen konnte“. Er und der 27-Jährige wurden – nach einem bereits zuvor ausgehandelten „Deal“ – zu je einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Zudem müssen die beiden je 80 Sozialstunden ableisten. Der Jüngste wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt, weil er zum Tatzeitpunkt noch Heranwachsender war: Er erhält eine Verwarnung und muss 120 Sozialstunden ableisten. Ein „großzügiges Urteil“, wie der Richter sagte.

In seiner Urteilsbegründung ließ es sich Veit nicht nehmen, den drei Brüdern noch mal ins Gewissen zu reden: Mit ihren Einbrüchen seien sie in die Privatsphäre ihrer Opfer eingedrungen. Jetzt sollten sie sich um die Schadenswiedergutmachung kümmern. Ihre Kindheit sei zwar ihren Schilderungen zufolge eine „Katastrophe“ gewesen, doch sie müssten – so schwer es auch sein möge – damit klar kommen. „Ihr könnt eure Geld- und Hungerprobleme nicht auf die Kosten anderer lösen“, sagte Veit.

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