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Bad Wörishofen

28.09.2019

Der Kümmerer der Stars beim Festival der Nationen

Hinter den Kulissen das Bad Wörishofer Kursaals fühlt sich Carlos Duque (links) wohl. Beim Festival der Nationen sorgt der 47-jährige Wahl-Münchner mit amerikanischen und mexikanischen Wurzeln dafür, dass sich internationale Klassilk-Stars wie hier der Dirigenten Aleksandar Markovic rundherum wohl und bestens aufgehoben fühlen.
Bild: ccm

Plus Carlos Duque hält als Tourneemanager den Stars den Rücken frei, damit sie ihr Bestes geben können. Dazu muss er aber ganz nah an die Künstler ran.

Mit einem glanzvollen Eröffnungsabend begann gestern das 25. Festival der Nationen in Bad Wörishofen. Die Künstler schätzen beim Festival vor allem auch die familiäre und entspannte Atmosphäre, die Nähe zum Publikum und die sorgsame und individuelle Betreuung, die das Festival in Bad Wörishofen offenbar deutlich von vergleichbaren Veranstaltungen unterscheidet.

Die internationalen Top-Stars schätzen die familiäre Atmosphäre beim Festival der Nationen in Bad Wörishofen

Dass die internationalen Klassik-Stars immer so ins Schwärmen kommen, wenn sie im Kursaal der Kneippstadt auftreten können, hat bestimmt viele Gründe: Einer – und wohl ein ganz (ge-)wichtiger – heißt Carlos Duque.

Zwei Meter groß, eine stattliche Erscheinung, die Haare lang und streng nach hinten gekämmt, die Designer-Sonnenbrille locker in die Stirn gesteckt, die dicken silbernen Ringe an den Fingern – wenn Carlos Duque den Raum betritt, dann ist ihm die Aufmerksamkeit sicher. Er ist schon das, wofür er auch von seinen Auftraggebern, den Brüdern Winfried und Werner Roch von „Classic Concerts Management“ aus Türkheim als Veranstalter des Festivals der Nationen, geschätzt wird: Eine Vertrauensperson, ein echter Typ.

Der Kümmerer der Stars beim Festival der Nationen

Im Gespräch stellt sich dann aber schnell heraus: Carlos Duque ist zwar durchaus eine Erscheinung, ein besonderer Typ und bestimmt auch ein Hingucker – aber er ist, vor allem, ein freundlicher, lustiger, aufgeschlossener, sympathischer, engagierter, offener, interessanter, gesprächiger Typ.

Das alles ist er einfach – weil es seine Art ist, offen und unkompliziert auf andere Menschen zuzugehen. Das alles ist aber auch sein „Markenkern“, denn alle diese Attribute haben ihn auch zu dem gemacht, was er heute ist: Tourneemanager beim Festival der Nationen und auch sonst auf allen Bühnen der Welt zuhause.

Tourneemanager? Wenn der in Los Angeles ( USA) geborene Sohn von mexikanischen Einwanderern zu seiner Berufsbezeichnung gefragt wird, dann kommt er selber ins Grübeln: „Mädchen für alles wäre vielleicht die bessere Bezeichnung“, sagt er schmunzelnd.

Und wenn der 47-jährige Wahl-Münchner dann ins Erzählen kommt – was er ganz ausgezeichnet kann und offensichtlich auch sehr gerne macht – dann bekommt man schon eine Ahnung, dass die Berufsbezeichnung „Tourneemanager“ – wenn überhaupt – nur einen kleinen Teil seines Berufes ausmacht: Denn Carlos Duque ist viel mehr als „nur“ ein Manager. Am ehesten ist die Summe seiner Aufgaben vielleicht so zu beschreiben: Carlos Duque ist der Kümmerer der Klassik-Stars des Festivals der Nationen.

Er kennt sie fast alle. Er weiß fast alles über sie. Er kennt alle ihre Stärken, ihre Schwächen, ihre Vorlieben, ihre Wehwechchen, ihre Sorgen, ihre privaten und manchmal sogar ihre privatesten Wünsche. Er weiß, welche Weinsorte der Künstler bevorzugt, er weiß, welches Müsli am Frühstückstisch stehen muss. Er kennt die bevorzugte Mineralwasser-Marke, er weiß, was seinen Schützlingen bekommt – und was nicht.

Das klingt nach viel Arbeit – und das ist es wohl auch. 24 Stunden, sieben Tage die Woche – so sieht der Terminkalender von Carlos Duque aus. Er ist immer da, er ist immer erreichbar, er kümmert sich, wenn er gebraucht wird. Das klingt nach jeder Menge Stress...

Da lacht der 47-Jährige mit seiner tiefen Stimme: „Stress? Ich mache das doch gerne, für mich ist das überhaupt kein Stress...“ Und wie er das sagt, ist es absolut überzeugend: Für ihn ist es selbstverständlich, dass er in Shanghai die besten Restaurants kennt und die Künstler dorthin begleitet. Dass er zuvor noch einem Konzertveranstalter erklären musste, wie hoch die Einfahrt für den Lkw zur Konzerthalle ist, ihm den Zufahrtsweg mailt und gleich noch ein Hotelzimmer bucht – naja, das macht er dann halt.

Carlos Duque ist ein "Mann der ersten Stunde" beim Festival der Nationen in Bad Wörishofen

Drei Wochen lang ist Carlos Duque jetzt in Bad Wörishofen – und er freut sich schon auf diese Zeit, denn für ihn ist das auch: Eine Art, nach Hause zu kommen. Seit den Anfängen des Festivals der Nationen ist er dabei, ein „Mann der ersten Stunde“, wie es Werner Roch nennt. Er kam als Musiker, als leidenschaftlicher und sehr begabter Hornist, damals vom Schleswig-Holstein-Musikfestival mit Justus Frantz nach Bad Wörishofen.

Dass er heute nicht mehr auf der Bühne im Kursaal steht, war so wohl nicht geplant und auch nicht planbar: Er sei so reingewachsen in diesen Job, der so viel mehr ist als ein Job. Und er hat schon wirklich alles gemacht, was rund um ein Klassik-Festival erledigt werden muss: Bühnen aufbauen, Container schieben, Beleuchtung aufstellen, den Saal dekorieren, die Getränke transportieren – und all die 1000 Dinge mehr, die anfallen und erledigt werden müssen, damit eines nicht passiert: „Das Publikum darf nichts von alledem mitbekommen. Wir haben keine Probleme, wir haben nur Lösungen“, sagt Carlos Duque – und er sagt es überzeugend.

Denn die Fans haben ja dafür bezahlt, dass sie die beste Leistung der Musikerinnen und Musiker zu hören bekommen. Wenn dann nach dem Konzert der Applaus aufbrandet und sich die Künstler in der Zuneigung ihrer Fans baden – dann genießt auch Carlos Duque den Augenblick. Aber eben nur einen Augenblick, denn kaum ist der letzte Ton verklungen und der Künstler tritt von der Bühne ab – dann ist der Kümmerer wieder voll gefordert.

Er hält den Künstlern vor und nach dem Konzert buchstäblich den Rücken frei, erledigt nahezu alles, was zu erledigen ist und liest seinen Künstlern buchstäblich jeden Wunsch von den Augen ab.

Jeden Wunsch? Wirklich jeden? Zu seinen vornehmsten und wichtigsten Vorzügen zählt aber auch: Er kann schweigen!

Carlos Duque hätte bestimmt viel zu erzählen, über die Macken und Besonderheiten seiner Schützlinge und über deren „dunkle Seite“. Aber da erzählt er, der doch so gerne und ausgezeichnet erzählt: Nichts. Kein Wort. Kein Sterbenswörtchen über all die menschlichen und zwischenmenschlichen Besonderheiten, die manchen Künstler und manche Künstlerin vor und nach den umjubelten Auftritten ausmachen. Nur einmal, da blitzt es durch, als er sagt: „Ach ja, wenn diese Mauern hier erzählen könnten...“, lacht er und blickt sich im Steigenberger Hotel der Sonnenhof um. Hier sind sie untergebracht, hier verbringen die Stars die meiste Zeit vor und nach dem Konzert.

Aber sollte es ihnen hier mal zu eng werden: Carlos Duque kennt alle Möglichkeiten, sich in oder rund um Bad Wörishofen die Zeit zu vertreiben. Er kennt alle Wirte, alls Köche, alle Taxifahrer, alle Bedienungen – und alle kennen ihn. Und alle wissen: Sie können ihm vertrauen. Und sie wissen auch: Sie müssen manchmal auch den Mund halten können...

Das Festival der Nationen auf einen Blick: Festival der Nationen in Bad Wörishofen: Termin, Programm, Tickets

Dieses Vertrauen, das musste er sich erarbeiten, verdienen. Inzwischen, nach gut 20 Jahren, baut seine ganze berufliche Existenz auf diesem Vertrauen auf. Heute hier, morgen dort, vorgestern Wien, gestern Meran, heute Bad Wörishofen. Morgen?

Das zehrt dann doch, gibt der 47-Jährige augenzwinkernd („Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste“) gerne zu. Wenn er Ruhe braucht und auch selber mal „runterkommen“ will, dann greift er zu seinem Horn, seinem Instrument. Als junger, talentierter Hornist kam er mit einem Orchester aus den USA nach Europa und blieb hier. Prag, Wien, Paris, London, Budapest, Moskau – all diese Weltstädte, die großen Bühnen der Konzerthäuser, das hatte es ihm angetan.

Und die klassische Musik, natürlich. Er liebt es, Musik zu machen, spielt immer noch in Orchestern mit, wenn es die Zeit erlaubt. Und er unterrichtet auch Kinder, die gerade ihre ersten Versuche auf klassischen Instrumenten machen.

Wenn er darüber erzählt, dann sprudelt es nur so aus ihm heraus und sprüht vor Begeisterung. Kinder an die klassische Musik heran zu führen, das ist es, was ihn begeistert.

Und vielleicht auch deshalb ist das Festival der Nationen in Bad Wörishofen mit seinem nahezu einmaligen Brückenschlag zwischen den Nachwuchs-Musikern des vbw Festivalorchesters und den internationalen Top-Stars der Klassik für Carlos Duque zu seiner zweiten Heimat geworden.

Denn schließlich schätzt er selbst auch die familiäre und entspannte Atmosphäre hier beim Festival der Nationen in Bad Wörishofen. Auch wenn er selbst ein Stück weit dafür sorgen muss.

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