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Lutherjahr

30.12.2017

Der Reformator wird in den Abgrund gestürzt

Luther las im Buch „da abroganda missa“, als der Blitz auf ihn herabfuhr. Kein schönes Ende für den Reformator, das ihm da in St. Justina vorgezeichnet wurde. Solch ein Bildnis des Luthersturzes ist wahrscheinlich einmalig in ganz Deutschland.
Bild: alf

Wer in der Kirche St. Justina nach oben blickt, kann ein in Deutschland wohl einmaliges Bildnis sehen

Im Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation lohnt in Bad Wörishofen auch der Besuch der katholischen Hauptkirche. Denn wer in St. Justina seinen Blick nach oben richtetet, entdeckt dort nicht nur Pfarrer Sebastian Kneipp. Auch Martin Luther ist dort abgebildet – er steckt dort augenscheinlich gerade in Schwierigkeiten. Von einem Blitz getroffen, stürzt der Reformator in den Abgrund.

Wer genau hinschaut, erkennt, dass Luther im Buch „da abroganda missa“ las, als der Blitz auf ihn herabfuhr. Übersetzt lautet der Titel „über die Abschaffung der Messe“. Kein schönes Ende für den Reformator, das ihm da in St. Justina vorgezeichnet wurde. Solch ein Bildnis des Luthersturzes „in die Hölle ist wahrscheinlich einmalig in ganz Deutschland“, glaubt man bei der Stadt Bad Wörishofen. Entsprechend hat man das Szenario heuer sogar über eine Agentur bekannt gemacht.

Viele Bildnisse dieses Szenarios seien im Laufe der letzten Jahrhunderte übermalt oder ausgebessert worden. Kreisheimatpfleger Christian Schedler hält die Darstellung allerdings für nicht ganz so selten. „Sie ist nicht ungewöhnlich“, urteilt der. Tatsächlich gebe es auch in Mindelheim eine Darstellung „himmlischer Zornesblitze gegen Reformatoren“, berichtet Schedler, der in Mindelheim auch das Kulturamt leitet. Wer sie besichtigen will, kann dies in der Michaelskapelle tun.

Das Deckenfresko in Bad Wörishofens Stadtpfarrkirche St. Justina trägt den Titel „Verehrung des Altarsakraments“. Jakob Fröschle hat es 1780 geschaffen. „Es ist Ausdruck der katholischen Gegenreformation und wurde im Streit der Konfessionen über die Eucharistie zur Propaganda der Kirche“, heißt es in der Darstellung der Stadt. Christian Schedler sagt, es gehe um die Verehrung der Altarsakramente. Es gehe darum, dass nach katholischem Glauben beim Abendmahl die Hostie gewandelt wird, in den Leib Christi. So kommt es, dass der arme Luther in Bad Wörishofen sogar zu Unrecht vom Blitz getroffen wird. „Luther hat die Wandlung nie geleugnet“, sagt Schedler. Die Reformatoren Ulrich Zwingli und Johannes Calvin dagegen bestritten sie. „Sie hielten die Wandlung nur für ein Symbol“, sagt Schedler. „Luther dagegen hat daran festgehalten“. Eine Darstellung der Reformatoren wie in Bad Wörishofen sei ein Abbild der Gegenreformation der katholischen Kirche. Gern genommen hätten die Künstler damals auch die Darstellung von Reformatoren unter dem Fuß eines Kirchenlehrers, berichtet Schedler.

In Bad Wörishofen verkörpern vier Frauen im Fresko die damals bekannten Erdteile: Amerika mit langer Schleppe und Federbusch auf dem Kopf, Asien mit kostbarem Hermelincape, Afrika als dunkelhäutige Person mit Perlenband und buntem Federschmuck und vorderhalb beugt Europa, die königliche Frau, ihre Knie. Diese Erläuterung stammt von der Stadt. Der Luthersturz findet sich im unteren Bereich der Darstellung.

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