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Konzert

08.11.2017

Der Sound der Sümpfe – zum Hören und Schmecken

„Zydeco-Annie“ heizte den Fans der Südstaaten-Musik im Ramminger Braustadel mächtig ein. Auf dem Foto: (von links) Stefan Baldauf, Gabriel McCaslin, Anja Baldauf, Dennis Wendel und Rolf „Frédéric“ Bergér
Bild: Maria Schmid

Anja Baldauf alias „Zydeco-Annie“ heizt den Cajun-Fans im Ramminger Braustadel ein

Tief im Süden Louisianas, in den märchenhaft anmutenden Sümpfen rund um New Orleans, entwickelte sich eine magische Musik, die vor lauter Lebensfreude nur so sprüht. Was einst die französischen Flüchtlinge aus Kanada mit in dieses ihnen zugewiesene Gebiet im Mississippi-Delta mitbrachten, war für Anja Baldauf eine Musikoffenbarung.

Als sie vor 14 Jahren bei einem Besuch in New Orleans diesen Rhythmus als Straßenmusik hörte, war sie fasziniert. Sie wusste, das war ihre Musik. Die Dozentin für Akkordeon an der Berufsfachschule Krumbach machte sie sich zu Eigen und populär. Als „Zydeco Annie“ brachte sie diesen unglaublichen Rhythmus, die schnelle, tanzbare Musik, mit „ihren Jungs“, wie sie die Musiker liebevoll nennt, von der „Swamp Cats“-Band, den sogenannten „Sumpf-Katzen“, auf die Bühnen.

Und das zur großen Freude der Gäste auch in den Braustadel nach Rammingen. Veranstalter Tscharlie Hemmer hatte damit wieder einmal ein glückliches Händchen bewiesen. Es muss nicht immer Kabarett sein, das den Braustadel zum Wanken bringt. Diese Musik mit der Power-Front-Frau Anja Baldauf alias „Zydeco-Annie“ heizte den Gästen gewaltig ein.

Da gab es wohl niemanden, der nicht mit den Füßen wippte und den Oberkörper im Takt wiegte. Wenn „Annie“ eines ihrer Akkordeons umhängte und „Hey“ in den Saal rief, gab es kein Halten mehr. Wie ist das eigentlich mit dem „Waschbrettbauch“ eines Mannes? Geliebt oder weniger geliebt? Für Rolf „Frédéric“ Bergér eine Tatsache. Denn er kann sich das Waschbrett ganz einfach vor den Oberkörper hängen und die Musik, gepaart mit dem Akkordeon, hören lassen. Das sind die für den Zydeco typischen Musikinstrumente.

Bei den „Swamp Cats“ gehörten noch etliche andere Instrumente dazu. Am Schlagzeug glänzte Stefan Baldauf, am Kontrabass Dennis Wendel und an der „Fiddel“ (Violine) und Gitarre Gabriel McCaslin, alles hervorragende Musiker. Rolf Bergér sang die Lieder in der französischen Originalsprache, spielte nicht nur auf dem Waschbrett, sondern auch an einem seiner Lieblingsinstrumente, der irischen Bouzouki (Kastenhalslaute), auf die er zu recht ganz besonders stolz ist. Was seine Stimme betrifft, so ist sie sehr wandlungsfähig, singt im Song „Salut Madeleine“ sogar einen Dialog, in dem er seine Stimme zur weiblichen Tonlage erhöht.

Die meisten Songs sind selbst komponiert. Das geschah auch einmal bei einer morgens früh um Sechs stattgefundenen Testfahrt mit der Gondel auf einen Berg bei Davos. Hier sollte die Gruppe bei einem Jazz-Festival auftreten. Oder Anja Baldauf wollte mit ihrem kleinen Sohn einen Mama-Leo-Tag machen. Doch Leo hatte keine Zeit, er wollte zu einem Kinder-Halloween-Nachmittag. Anja Baldauf holte ihr Melodion aus dem Auto, setzte sich auf eine Bank am Waldrand und komponierte einen neuen Song, bevor sie Leo wieder abholte.

Es waren diese kleinen Geschichten, die sie den Gästen erzählte. Die Inhalte der Lieder wurden leider nicht erläutert. Nur, wer mit den Orten „Lavayette“ und den Rezepten der „Acadianer“, wie sich die Sumpfbewohner selbst nennen, auskannte, konnte die in französischer Sprache gesungenen Texte deuten. Da war dann auch die Rede vom „Hurricane“, einem Drink, der die Temperaturen in den Honky-Tonk-Kneipen noch weiter anheizt.

Auch wenn die Sumpfbewohner ihr Land als „Das schönste Stück Erde, das es gibt“ bezeichnen, die Amerikaner machten daraus „Cajun“, womit außer den Sumpf-Franzosen sie selbst auch ihre Kultur beschreiben.

Dass die Gäste im Braustadel am Ende gar nicht genug von dieser Musik bekamen, ließ sie – von „Zydeco-Annie“ aufgefordert – im Stehen tanzen und äußerst heftig applaudieren.

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