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Landwirtschaft in Apfeltrach

21.12.2015

Der „Thermomix für Männer“ macht auch Kühe glücklich

Die hungrigen Damen im Stall warten schon sehnsüchtig auf ihr Frühstück.
4 Bilder
Die hungrigen Damen im Stall warten schon sehnsüchtig auf ihr Frühstück.
Bild: Melanie Lippl

Selbst im Dezember kann der Bauer nicht faulenzen – schon am Morgen warten hungrige Damen auf ihn.

„Im Märzen der Bauer“ hieß es zu Beginn unserer Serie. Seitdem begleiten wir Landwirt Markus Hemmerle aus Apfeltrach durchs Jahr.

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Die Ernte ist vorbei, die Maschinen sind geputzt und stehen im Trockenen – theoretisch ist für einen Landwirt im Dezember alles erledigt. Theoretisch. Denn praktisch warten im Stall um die 60 Damen auf ihr Frühstück. Doch bis das zusammengestellt ist, braucht es ein wenig Zeit und Arbeit.

Die richtige Zusammensetzung des Futters hat der Landwirt gemeinsam mit seinem Fütterungsberater festgelegt. Der kommt zwei- bis dreimal im Jahr auf den Hof, schaut sich die Silage an, bewertet die Futtermittel und betrachtet die Kühe mit kritischem Auge. Auf die Körpersubstanz kommt es beim „Body-Condition-Scoring“ an: Die Kuh darf nicht zu verfettet, aber auch nicht zu dünn sein. Nur so kann sie optimale Leistungen erbringen. „Das sind Spitzensportler“, sagt der 35-jährige Landwirt über seine Milchkühe. Genau deshalb sei für ihn der Futterberater auch so wichtig: Er sei neutral und sehe Veränderungen deutlicher.

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Auf mehreren Din-A4-Zetteln ist aufgelistet, aus was das Futter der Kühe besteht. Die Tagesration ist ausgelegt auf 22 Kilogramm Milch am Tag. Kühe mit einer hohen Laktation, also einer hohen Milchabgabe, fressen in der Regel auch mehr. Das zusätzliche Futter, das sie brauchen, bekommen sie beim Melken über den Roboter. Zwischen 150 und 180 Kilogramm Kraftfutter „spuckt“ die Maschine am Tag aus.

Das Frühstück ist für alle Kühe gleich – und muss erst einmal zubereitet werden. Früher haben Hemmerle und sein Vater das Futter einfach in der Stallgasse verteilt, das Kraftfutter obenauf. „Doch da spielt der Magen der Kühe verrückt“, erklärt der 35-jährige Bauer. Jetzt wird das Kraftfutter mit den anderen Bestandteilen der Ration vermischt und wird damit über den Tag verteilt aufgenommen.

Ein Rührwerk und scharfe Messer mischen alle Bestandteile zu einer Masse

Mischen muss Hemmerle sein Futter nicht mehr selbst. Dazu hat er einen Futtermischwagen – den „Thermomix für Männer“, wie er ihn grinsend nennt. Das Prinzip ist im Grunde dasselbe wie bei der Küchenmaschine. Hemmerle gibt die einzelnen Futterbestandteile in den großen Behälter, in dem sich ein Rührwerk und scharfe Messer befinden. Hemmerle bereitet die Tagesration immer frisch zu. Andernfalls würden die Inhaltsstoffe im Futter zu „arbeiten“ beginnen – und es wäre letztlich ungenießbar.

Erst kommen 70 bis 80 Kilogramm getrocknete Luzerne und Stroh hinein – „das macht es locker“, erklärt Hemmerle. Dazu Mineralfutter, das aussieht wie grober brauner Sand, zwei Handschaufeln Viehsalz sowie zwei Schubkarren Kraftfutter. Die Grascops aus Kleegras rasseln vom Silo in die Schubkarre hinunter – auch sie kommen in die Ration. Dazu noch zehn Liter Melasse – Zuckerrübensirup – für den guten Geschmack.

Während der Mischwagen das Futter schon bewegt, wird er von Markus Hemmerle per Traktor zu den Silos gefahren. Scharfkantige Messer schneiden Maissilage herunter. Sie ruckeln hin und her und hinterlassen eine verhältnismäßig glatte Schnittkante. Das ist gut, denn je weniger der zerhäckselte Mais gelockert wird, und umso weniger beginnt eine Art Gärprozess. Zuletzt kommen zu den 1500 Kilogramm Mais- rund 800 Kilogramm Grassilage dazu, alles abgemessen per Waage. Dann heißt es noch einmal: Durchrühren – und ab in den Stall.

Muh - endlich Frühstück!

Als Markus Hemmerle mit seinem Gespann vor dem Stalltor steht und diese öffnet, drehen sich ihm schon viele erwartungsvolle Gesichter entgegen. Wie die Hühner auf der Stange stehen die Kühe bereits in einer Reihe da und strecken ihre Köpfe durch die metallenen Stäbe. Muh! Endlich Frühstück!

Während der Bauer durch den Stall fährt, verteilt der „Thermomix“ seine Zubereitung gleichmäßig auf dem Futtertisch. Kuh für Kuh streckt ihr Maul hinein und beginnt zu kauen. Es herrscht Ruhe. Jetzt kann auch Markus Hemmerle frühstücken gehen. Für danach stehen im Dezember häufig Reparaturarbeiten an, zu denen man das Jahr über nicht kommt. Bei Hemmerle sind es heuer die Liegeboxen, die saniert werden. Es gibt also auch im Winter immer etwas zu tun.

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