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Oberrieden

19.05.2019

Der Vereinschef stammt immer aus derselben Familie

Der Gartenbauverein ist Familiensache: Johann Walter (links) hat den Vorsitz kürzlich an seinen Neffen Christian Walter abgegeben.
Bild: pod

Bei den Walters hat der Vorsitz des Gartenbauvereins Oberrieden Tradition. Johann Walter hat den Job nach 40 Jahren übergeben - an ein Familienmitglied.

Einen Nachfolger zu finden gestaltet sich nicht nur im Geschäftsleben manchmal schwierig. Auch viele Vereine suchen lange nach geeigneten Vorsitzenden, Kassenwarten oder Schriftführern und mehr. Anders beim Obst- und Gartenbauverein in Oberrieden. Als der damalige Vorsitzende, Hans Walter senior, nach 30 Jahren sein Amt niederlegte, war ein Nachfolger schnell gefunden: „Das kann ja gleich der Sohn machen“, hieß es. Tatsächlich ist Johann Walter in die Fußstapfen seines Vaters getreten und hat 40 Jahre lang die Aufgaben des Vorsitzenden übernommen.

Der 65-Jährige ist in Oberrieden aufgewachsen und war als Kind mit dabei, wenn sein Vater zu den Bienen ging, Bäume fällte oder Hecken schnitt. Daher habe er schon immer einen Bezug zur Natur gehabt, sagt Walter. Den Obst- und Gartenbauverein kannte er ebenfalls schon von Kindesbeinen an. Auch die Bienen hat er von seinem Vater übernommen und versorgt heute 20 Völker. „Langweilig wird einem nicht“, sagt der Rentner. Seine Aufgaben als Vorsitzender haben ihn nie überfordert. „Das geht nebenher und kann eigentlich jeder machen“, sagt der 65-Jährige.

Der Oberrieder organisierte viel im Obst- und Gartenbauverein, aber half auch gerne mit seinem Rat

Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern plante er Radtouren oder auch mal eine Busfahrt zur Landesgartenschau nach München. Außerdem organisierten die Gartenfreunde Besichtigungen, bei denen besondere Gärten in der Umgebung besucht wurden. „Das war wirklich schön, dass verschiedene Besitzer uns ihren Garten zur Verfügung gestellt haben“, erzählt Walter.

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Neben den organisatorischen Aufgaben half der Oberrieder auch gerne mit seinem Rat weiter. Oft kamen Leute auf ihn zu und meinten: „Du bist vom Obst- und Gartenbauverein, du kennst dich damit aus.“ Rund um Bienen, Bäume und Pflanzen hat Walter viel von seinem Vater gelernt. Den Rest hat er sich über die Jahre selbst angeeignet oder Kurse besucht. Für ihn ist es besonders wichtig, dass man nachhaltig mit der Natur umgeht. „Wenn ich einen Baum fälle, dann muss ich eigentlich an einer anderen Stelle drei neue pflanzen. Dann habe ich einen Ausgleich“, erklärt Walter.

Auch das Thema „Rettet die Bienen“ liegt dem Imker sehr am Herzen. Seiner Meinung nach müssen nicht nur die Landwirte etwas tun, sondern jeder sollte einen kleinen Beitrag leisten. „Jeder kann im Garten zum Beispiel ein kleines Biotop anlegen“, schlägt er vor. Zudem kritisiert er die Rasenflächen, die oft regelmäßig von Robotern gemäht werden. In dem kurzen Rasen fühle sich kein Käfer wohl und so könne auch kein Vogel Nahrung finden, sagt der 65-Jährige.

Gartenarbeit macht Walter einfach Freude. Deshalb kümmert er sich auch um die Bäume bei der Kirche in Oberrieden, schneidet Hecken und packt gerne mit an, wenn jemand in seinem Garten einen Baum entfernen muss. Allein in diesem Jahr hat er schon 15 Bäume gefällt. Durch sein Engagement im Obst- und Gartenbauverein wollte er den Leuten etwas von seiner Erfahrung weitergeben, sagt Walter.

Vor ein paar Jahren wollte Walter als Chef des Obst- und Gartenbauvereins aufhören - doch es fand sich kein Nachfolger in Oberrieden

Vor ein paar Jahren hatte er dennoch vor, sein Amt niederzulegen. Leider hat sich zu diesem Zeitpunkt kein Nachfolger gefunden. Erst Anfang dieses Jahres konnte er seinen Neffen, Christian Walter, davon überzeugen. Der 41-Jährige war bereits vorher Mitglied und kümmert sich jetzt nach seinem Großvater und seinem Onkel um die Aufgaben im Verein.

Christian Walter arbeitet nebenberuflich beim Landschaftspflegeverband und ist beispielsweise für die Pflege von Streuwiesen, Sumpfgebieten und Wegrändern zuständig. Außerdem hat er selbst eine Maschine gebaut, die die Samen von stehenden Gräsern abbürstet und auffängt. Danach können die Samen an anderer Stelle wieder ausgesät werden. Der Vorteil an dieser speziellen Maschinen ist, dass die Gräser nicht geschnitten werden müssen. Zu einem späteren Zeitpunkt können die Samen nochmals gesammelt und wiederum vermehrt werden. Der 41-Jährige beschreibt seine Aufgabe mit den Worten: „Erhalt der Arten und Pflege der Landwirtschaft.“

Seit er 15 Jahre alt ist, hat Christian Walter durchgehend ein Amt in einem Verein bekleidet. Ob Feuerwehrkommandant oder Platzwart bei den Stockschützen, der Hohenreutener kennt das Vereinsleben. Deshalb übernimmt er auch gerne den Vorsitz des Obst- und Gartenbauvereins. Für die Übergabe hat Johann Walter schon eine kleine Mappe bereitgelegt. Wenn beide Zeit finden, sprechen sie alles Wichtige durch und dann kann Christian übernehmen. Sollten doch mal Fragen aufkommen, ist bei der nächsten Familienfeier bestimmt kurz Zeit dafür.

Das Ehrenamt ist das Rückgrat unserer Gesellschaft. Wer aber sind diese Menschen, die sich für ihren Ort selbstlos einsetzen und jede Menge Freizeit für andere opfern? Die Mindelheimer Zeitung stellt in einer losen Reihe solche Vorbilder vor. Weitere, bereits erschienene Teile finden Sie hier:

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