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Geschichte

22.06.2017

Der Wasserdoktor und das liebe Vieh

Katharina Höninger zeigt ein bislang unbekanntes Schriftstück von Pfarrer Sebastian Kneipp.
Bild: Thorsten Jordan

Zwei bislang unbekannte Handschriften Sebastian Kneipps entdeckt. Einer der Funde gibt Einblick in eine Seite Kneipps, die selten Beachtung findet

Kneipp ist einer der bekanntesten Deutschen, sein Erbe bestens erforscht – sollte man meinen. Tatsächlich aber gibt es wohl noch so manches zu entdecken über den Mann, dessen 120. Todestag in Bad Wörishofen gerade erst mit einem feierlichen Gedenkakt begangen wurde. Das glaubt auch der Heimatforscher August Filser aus Bad Wörishofen. Gerade erst hat er selbst eine bislang unbekannte Handschrift Kneipps zutage gefördert. „In dem Brief bittet Pfarrer Kneipp das Königreich Bayern darum, den Titel Monsignore auch offiziell tragen zu dürfen“, berichtet Filser. Der Titel wurde Kneipp zwar vom Papst verliehen. Doch ohne offizielle Genehmigung hätte er ihn in Bayern nicht führen dürfen. Filser hat das Schriftstück bei Recherchen im Staatsarchiv Augsburg entdeckt. Einen wahren Schatz sieht Filser zudem im Inhalt zweiter Waschkörbe, randvoll mit alten Schriftstücken.

Zusammengetragen hat sie vor langer Zeit die Heimatforscherin Maria Vögele aus Bad Wörishofen. Filser ist geradezu begeistert von dem Fudus. „Sie muss Tage und Nächte in Archiven verbracht haben“, sagt er und schmunzelt.

Ein weiterer viel beachteter Fund wird heute in Herrsching am Ammersee der Öffentlichkeit präsentiert. Es ist ein Zuschussantrag aus dem Jahr 1880, der sich in den Akten des landwirtschaftlichen Vereins findet: Neun Rinder und ein Stier wurden aus Vorarlberg ins Allgäu eingeführt und der Antragsteller bittet darum, die Auslagen für diese Einfuhr des Montafoner Braunviehs erstattet zu bekommen. Das Besondere daran: Bei dem Bittsteller handelt es sich um den „Herrn Beichtvater Kneipp in Wörishofen.“ Katharina Höninger hat das bislang unbekannte Dokument entdeckt. Sie arbeitet in der agrarhistorischen Bibliothek im Haus der bayerischen Landwirtschaft in Herrsching. In dem Brief beteuert Kneipp Angaben zufolge, dass er keinesfalls absichtlich ein offenbar bestehendes Ausfuhrverbot für österreichisches Vieh umgehen wollte, wie man ihm habe zur Last legen wollen. Beim Import eines Stiers und mehrerer Rinder hatte es wohl Probleme gegeben. Kneipp versicherte, den Stier der Gemeinde zur Aufzucht zu überlassen und die anderen Rinder ohne Gewinn an die Landwirte abzugeben. Seinem Antrag auf Unterstützung wurde allerdings nicht entsprochen.

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Als Kneipp-Kenner ist Filser heute auch in Herrsching als Redner geladen. Dort wird er Kneipps Rolle als Landwirt beleuchten, die nicht zu unterschätzen sei. „Kneipp kam als Beichtvater in das Kloster von Bad Wörishofen, als dieses nach der Säkularisation wirtschaftlich nicht gut dastand“, sagt Filser. Kneipp allerdings habe angepackt, Vieh in der Schweiz und in Österreich gekauft, Testreihen mit neuen Feldfrüchten durchgeführt, den Bauern Ratschläge für eine bessere Düngung gegeben, ihnen gezeigt, wie sie ihre Tiere mit der Kneipp-Therapie kurieren können. Kneipp hat auch eine eigene bäuerliche Schriftenreihe herausgebracht: Fritz, der fleißige Landwirt. Auch die Entwässerung der Felder hat Kneipp eingeführt. „Er hat aus dem Kloster eine Vorzeigelandwirschafts gemacht“, sagt Filser. Dennoch ist dieser Teil von Kneipps Leben vielen nicht bekannt. Mehr schon das, was Heimatforscher Alois Epple aus Türkheim in Herrsching über Kneipp erzählen wird.

Der Pfarrer, der später „Wasserdoktor“ genannt wurde hatte in Epples Heimatort Türkheim damals einen echten Widersacher sitzen. „Dort lebte jener Arzt, der Kneipp zeitlebens als Kurpfuscher darstellte“, berichtet Epple. Dr. Anton Noder habe sogar in Totenscheine als Todesursache den Namen Kneipps eingetragen, berichtet Epple. Einige Dokumente sind bis heute erhalten. Noder ließ sich später allerdings von Kneipps Heilmethoden überzeugen. Karriere machte der Arzt dann übrigens nicht als Mediziner, sondern als Dichter unter dem Pseudonym A. De Nora. Wie sehr Kneipp und die Geschichte Bad Wörishofens Forscher wie Filser und Epple umtreibt, zeigt ihr neuestes Projekt. „Wir wollen die Zeit in Bad Wörishofen vor Kneipp näher beleuchten“, sagt Filser. Im Staatsarchiv Augsburg haben sie dazu schon eine Menge Material gesammelt. Heuer noch soll daraus ein Buch werden. Vielleicht mit neuen, bislang unbekannten Schriften. "Bayern

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