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Wirtschaft

03.04.2013

Der Weltmarktführer bei Trainingsflugzeugen

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Der Flugsimulator bei Grob Aircraft in Mattsies: Damit können Piloten üben, bevor sie in die Luft gehen.
Bild: Johann Stoll

Die Auftragsbücher von Grob Aircraft Mattsies sind vier Jahre nach dem Neustart gut gefüllt. 145 Menschen arbeiten dort

Heute kann der Vorsitzende der Geschäftsleitung, Johann Heitzmann, sogar darüber lachen, wie eng es doch damals im Frühjahr vor vier Jahren hergegangen war. Die Münchner H3 Aerospace hatte das insolvente Luftfahrtunternehmen Grob Aircraft mit Sitz in Mattsies zum 1. Februar 2009 übernommen. Heute steht das Unternehmen besser da denn je. Die Auftragsbücher sind gefüllt bis Oktober 2014. Wert: knapp 90 Millionen Euro.

Die neuen Eigner konzentrierten sich von Beginn an ganz auf den Markt für Trainingsflugzeuge für Militärpiloten. Heitzmann war das unternehmerische Risiko eingegangen und er sollte recht behalten. Der Start war aber holprig. Militärs weltweit brauchen in der Regel relativ lange, bis sie Aufträge vergeben können. Für ein Unternehmen wie Grob Aircraft in Schieflage war das ein denkbar schwieriger Neuanfang. Über die kritische Anfangsphase half ein Großauftrag aus England über ein Volumen von zehn Millionen Euro. Die 20 Trainingsflugzeuge für die englische Trainingsorganisation VT-Aerospace in Southampton sollten sich als Glücksfall für Grob Aircraft und die Arbeitsplätze in Mattsies erweisen.

Heute, gut vier Jahre nach dem Neustart, steht der Flugzeugbauer auf sicherem Terrain. So sicher, dass der 59-jährige Johann Heitzmann jetzt das operative Geschäft abgibt. Er will von April an nur noch als Berater für das Unternehmen tätig sein. Neue Führungskräfte sind in die Firma geholt worden. Die Zahl der Mitarbeiter ist von 85 auf heute 145 angestiegen, sagte der Finanzvorstand des Unternehmens, Andreas Konle, anlässlich eines Besuches von Landrat Hans-Joachim Weirather bei Grob Aircraft. Rund 30 Flugzeuge werden im Jahr in Mattsies gebaut.

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Die Blaupausen für die Jets hatte Heitzmann erst gar nicht aus der Konkursmasse übernommen. Er sah keinen wirklichen Markt für diese technischen Wundermaschinen. Noch heute schlummern sie in irgendwelchen Schränken des vorigen Eigners, eines Iren.

Statt auf die SpN-Serie konzentrierte sich das wiederauferstandene Unternehmen ganz auf die Militärsparte, also auf Trainingsflugzeuge für Piloten. Neben den zwei bereits in der Ära von Burkhart Grob entwickelten Maschinen des Typs G115 und G120 entwickelten die Techniker nun die G120 TP, wobei die Buchstaben für Turbopropper stehen. Diese Maschine hat laut Heitzmann einen entscheidenden Vorteil: Die Piloten können an ihr sehr lange üben, weil sie auch fürs Jet-Training ausgelegt sind. Diese Maschine sei zwar teurer als die Vorgängermodelle. Sie könne aber länger genutzt werden und komme damit die Kunden günstiger. Heitzmann sprach von der „teuersten Sparlösung“.

Die Argumente stechen. Drei Kunden sind langfristig im Boot: Indonesien, Argentinien und Kenia. Regelmäßig kommen Piloten aus diesen Ländern nach Mattsies, um sich an den Maschinen schulen zu lassen. Wichtig ist auch das Ersatzteilgeschäft. Die Grob-Maschinen haben zwar eine lange Lebensdauer. So langsam kommen sie aber ins Alter. 119 Maschinen sind allein nach England verkauft worden, 19 nach Kanada. Auch Israel und Ägypten sind guten Kunden.

Und so ist der Name Grob nicht nur Weltmarktführer im Bereich Werkzeugbau in der Automobilindustrie. Die kleine Flugsparte ist inzwischen Weltmarktführer in der kleinen Nische Trainingsflugzeuge für das Militär.

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