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Gedenktag

30.03.2011

Der berühmteste Welser war ein Amberger

Gemeinde erinnert mit Gedenkstein an Bartholomäus V.

Amberg Dass Amberg einmal ein Prominenten-Refugium gewesen sein könnte, mag vielen seiner heutigen Einwohner schwer vorstellbar sein. Und doch beherbergte das inzwischen weniger geschichtsträchtig scheinende Dorf Mitte des 16. Jahrhunderts keinen Geringeren als den Augsburger Patrizier, Großkaufmann und Bankier Bartholomäus V. von Welser. An ihn erinnerten die Amberger nun im Rahmen eines feierlichen Gedenktags.

In vielen Bereichen gelten die Welser heute als mutige unternehmerische Pioniere noch vor den bekannteren Fuggern. Erinnert sei daran, dass Amerika erst zu Lebzeiten von Bartholomäus V. von Welser von Columbus (1492) entdeckt worden war. Die Welser verfügten über einflussreiche Beziehungen zu den Mächtigen der damaligen Welt, darunter die spanische Krone, deren wirtschaftliche Interessen sie im fernen Venezuela vertraten. Kaiser Karl V. und der französische König Franz I. standen finanziell in ihrer Schuld.

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Einen Eindruck vom weitreichenden Einfluss der Augsburger Patrizierfamilie vermittelte der Historiker Dr. Magnus Ulrich Ferber in seinem Vortrag nach dem Festgottesdienst, den Weihbischof Josef Grünwald zelebrierte und an dem neben dem 2. Bürgermeister von Augsburg, Hermann Weber, auch Georg Freiherr von Welser, Nachfahre in 15. Generation, und seine Frau Stefanie teilnahmen.

Dank der eingeleiteten Dorferneuerung hat die Ortsgeschichte einen neuen Stellenwert bekommen. Bürgermeister Peter Kneipp hatte zusammen mit Mitgliedern des Gemeinderates und dem Arbeitskreis Dorferneuerung alles zur Ausrichtung eines würdigen Gedenktages unternommen.

Vor 50 Jahren war das nach Angabe von Zeitzeugen noch etwas anders. Damals, anlässlich des 400. Todestages, waren die Amberger von Augsburgs Oberbürgermeister Dr. Müller überrascht worden, als er zur Kranzniederlegung anreiste. Reste des einst stattlichen Anwesens auf der Anhöhe unweit der Kirche sind bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts erhalten geblieben.

Heute erinnern nur noch Straßennamen an die dorfprägende Anwesenheit der Patrizierfamilie, die in der ländlichen Abgeschiedenheit ihre Ruhe finden wollte. Waren doch schon im 16. Jahrhundert die Entwicklungen im Welthandel durch die Kolonialisierung der Neuen Welt sehr turbulent.

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Von 1551 an verbrachte Bartholomäus V. Welser hier die zehn letzten Jahre seines Lebens im zuvor errichteten Schloss. „Als Herr über das Dorf übte er das Recht der ‘hohen und niederen’ Gerichtsbarkeit aus“ (Chronik). Nach seinem Tod am 28. März 1561 führte Sohn Christoph das Familienerbe weiter.

Allerdings verkaufte die große Familie das Schloss, als er im Jahr 1593 starb. Er und seine Eltern fanden ihre letzte Ruhe in der Familiengruft, die sich vor dem heutigen Marienaltar der Pfarrkirche „Mariä Heimsuchung“ befindet, jedoch nicht mehr begehbar ist. An der Außenmauer erinnert nun ein Gedenkstein an den berühmtesten aller Welser und sein Jahrzehnt in Amberg.

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