Unteregg

25.10.2015

Der besondere Blick

Peter von Krenczewski lebt in einer Wohnung auf einem Bauernhof in Unteregg. Viele Stunden verbringt er mit dem Fotografieren, viele weitere am Computer, um seine Postkarten zu gestalten.
Bild: schsa

Peter von Krenczewski aus Unteregg ist Fotograf. Er findet seine Bilder in der Natur und macht aus Alltäglichem kleine Kunstwerke.

Irgendwann wollte er nicht mehr fotografieren. Er war gerade in einem alten VW-Bus durch Schweden und Finnland gereist, im Gepäck eine gebrauchte DDR-Kamera. Er hatte Bilder gemacht und irgendwann gemerkt, dass ihm das nicht genug ist. „Ich wollte damals die Natur einfach erleben“, sagt Peter von Krenczewski. „Aber mit der Kamera war immer etwas dazwischen.“

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Er verkaufte also die Kamera, den Koffer mit den Wechselobjektiven. Er machte eine Ausbildung zum Schaufenstergestalter, dann eine zum grafischen Zeichner. Er heiratete, wurde Vater, zog nach Kaufbeuren, wo er 20 Jahre lang einen Antiquitätenhandel betrieb.

Erst 20 Jahre später fand er wieder zur Fotografie

Der besondere Blick

Erst 1996, 20 Jahre nach dem Skandinavien-Urlaub, fand er wieder zurück zur Fotografie. Er ist zu dieser Zeit viel auf Flohmärkten unterwegs, immer wieder fallen ihm dabei auch Kameras in die Hände. Die Faszination ist wieder da. „Das ist ja auch fast wie ein Spielzeug“, sagt der 61-Jährige, der aus Hamm in Westfalen stammt.

Er verschießt zwei Diafilme in der Woche. Von den Freunden kommt Zuspruch. Und dann ist da auch noch die „pure Lust“ am Fotografieren, daran, mit dem Licht zu spielen. Er geht viel spazieren und findet seine Motive in der Natur. Ein grünes Blatt auf der Mindel, Apfelkerne, Gurkenscheiben, eine Katze an einem zerbrochenen Fenster.

Von Krenczewski breitet seine Lieblingsmotive auf seinem Esstisch aus. Er lebt mittlerweile in Unteregg, in einer Wohnung auf einem Bauernhof. Im Wohnzimmer findet sich ein ganzes Leben auf wenigen Quadratmetern: Bücher, Bildbände, Familienfotos, Schallplatten, Drucke, Bleistiftzeichnungen, ein Poster: Bob Dylan an der Loreley, 17. Juli 1981.

Der 61-Jährige sieht das Besondere im Alltäglichen

Die Bilder, die von Krenczewski heute macht, sind kleine Kunstwerke. Aufnahmen aus der Natur zwar, aber trotzdem wirken sie oft fast unwirklich, wie gemalt. Er führt das auf seinen Blick zurück. Der 61-Jährige sieht Besonderes, wo andere nur Alltag wahrnehmen. Fällt ihm am Straßenrand etwas auf, hält er an, packt die Kamera aus und fotografiert.

Zwei Mal hat er seine Bilder bereits ausgestellt. Aber die Selbstvermarktung, sagt er, falle ihm immer noch schwer. Mittlerweile hat er sich auf Postkarten verlegt. Er klebt seine Drucke auf Karten und bietet sie auf Kunsthandwerkermärkten oder in Kunst-Cafés an. Das Geld, das er verdient, steckt er wieder in Papier, in Objektive. „Wenn man kein Material hat, ist man blockiert“, sagt von Krenczewski. Seit diesem Jahr ist er in Rente, er hat jetzt mehr Zeit für seine Kunst. Manchmal sitzt er den ganzen Tag am Computer und entwirft Postkarten. An anderen Tagen nimmt er sich Stunden Zeit, um zu fotografieren. Die Kamera steht heute nicht mehr zwischen ihm und der Natur, sagt er. Heute ist das Fotografieren sein Weg, die Bilder, die die Natur in seinem Kopf auslöst, sichtbar zu machen. schsa

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