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Fasching

12.02.2015

Der besondere Charme der „Silikonia“

Markus Steinmüller und die helfenden Hände der Schminkerinnen.
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Markus Steinmüller und die helfenden Hände der Schminkerinnen.

Wie sich junge Männer in mehr oder weniger grazile Tänzerinnen verwandeln

Die Gardemädels haben unrasierte Beine und tragen lange, offene Haare, die oft genug so gar nicht zu ihrer Gesichtsform passen wollen. Das heißt aber nicht, dass sie nicht beim Friseur waren oder noch vom Vorabend unausgeschlafen sind. Vielmehr sind die „Mädels“ Mitglieder einer ganz besonderen Garde mit dem vielsagenden Namen „Silikonia“. Es handelt sich um junge Männer im Alter zwischen 18 und 31 Jahren, die sich in jeder Faschingssaison mit Glitzerlidschatten und kurzen Röcken in mehr oder weniger hübsche Mädchen verwandeln. Ihr Programm besteht aus dem klassischen Gardemarsch und einem Showtanz mit dem Thema Großstadt.

Natürlich tragen die „Damen“ aufwändige Kostüme, doch damit ist es noch lange nicht getan. Die „Make-Up-Brigade“ steht vor jedem Auftritt vor der Herausforderung, aus den männlichen Gesichtern doch noch den einen oder anderen weiblichen Gesichtszug hervorzuholen. Routiniert lassen sich die Jungs von ihrer jeweiligen Schminkerin behandeln und lassen die „Schönmacherei“ über sich ergehen. Einfach Augen zu und drauf den Lidschatten, lautet die Devise. Von den männlichen Gardemädels beschwert sich niemand über zu wenig oder zu viel Schminke, beim Blick in den Spiegel und auf das Gesicht des anderen wird einfach gelächelt und immerhin sind sie innerhalb von fünf Minuten bestens zurechtgemacht, was viele echte Frauen nicht von sich behaupten können.

Da es beim Auftritt immer hektisch zu geht, ist es keine Seltenheit, dass gleich zwei Schminkerinnen an einem „Mädle“ herumhantieren. Beim Auftragen selbst kommt vor allem hellgrüner und goldener Lidschatten, Rouge und Lippenstift in Rot und als letztes schwarze Wimperntusche zum Einsatz.

Bartstoppeln stören schon sehr, deshalb gilt: frisch rasiert ist am besten, denn die Perücke betont bei den Männern sehr stark die Gesichtszüge und der Bart kommt mehr zum Vorschein als einem lieb ist.

Bei den Perücken bietet sich ein breites Spektrum. Von blond über braun, von lang bis mittellang mit Schrägpony ist alles da. Die neuen Haare werden nach dem Aufsetzen auf den Kopf schnell noch durchgekämmt und das ein oder andere unpassende Haar mit einem Klämmerchen zurückgesteckt. Als letztes fehlt nur noch die Oberweite. Dafür muss jedoch die Lunge der Männer herhalten. Denn die Silikonia macht ihrem Namen diesbezüglich keine Ehre. Es kommt nur Gummi in Form von Luftballons zum Einsatz, die von jedem selbst auf die gewünschte Größe aufgepustet werden. Dass sich die meisten der Gardemädels bei ihrer neu erworbenen Oberweite nicht lumpen lassen, zeigt der Blick auf die Körbchengröße der vorrätigen Büstenhalter. Größe C und D sind üblich. Wenn dann alle „hergrichtet“ und in ihre schwarzen Lederstiefel geschlüpft sind, heißt es Hände ran an den Speck und im Gardemarsch los auf die Tanzfläche. „Hoch dia Fiaß und nei dr’ Ranza – heit lanmmer eisre Haxa danza“ ist dabei ihr Schlachtruf und eins muss man ihnen lassen: Sie machen es „oifach guat“.

Kaum sind die Gardemädels nach ihrem Gardemarsch wieder in der Kabine, sind sie innerhalb von fünf Minuten wieder „g’standene“ Männer. Das Gardekleid wird vom Leib gerissen, die Schuhe runtergezogen und mit Abschminktüchern zum nächsten Waschbecken gespurtet, um die Schminke schnellstmöglichst wieder vom Gesicht zu waschen. So gewinnen sie wieder deutlich männlichere Züge, auch wenn der eine oder andere Glitzerfitzel noch deutlich im Gesicht zu erkennen ist.

Weil die Jungs auch im Gardekleid mit ihrem männlichen Charme spielen können, haben sie vor allem bei den weiblichen Zuschauern die Nase vorn.

Wer sich selbst davon überzeugen will, kann die Silikonia noch bis Aschermittwoch auf verschiedenen Umzügen und Bällen erleben.

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