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Nachruf

03.01.2017

Der liebenswerte Sparfuchs

Max Miller ist im Alter von 95 Jahren gestorben. 45 Jahre war er Bürgermeister von Salgen.

Keiner in Deutschland war länger Gemeindechef als Max Miller aus Salgen. Was ihn so besonders machte.

An Silvester verließen Max Miller seine Kräfte. Mit gesegneten 95 Jahren ist der Ehrenbürger und Alt-Bürgermeister von Salgen gestorben. Miller war über viele Jahre hinweg dienstältester Bürgermeister in ganz Deutschland und wurde so vor einem Millionenpublikum sogar zum Stargast bei Johannes B. Kerner im Fernsehen. 45 Jahre lang prägte Miller als Bürgermeister sein Salgen. Erst 2008 mit Mitte 80 hatte er nicht mehr kandidiert. Was ihn so besonders gemacht hat? Er hatte immer ein offenes Ohr für jeden.

16 Vereine gibt es in Salgen. Und allen gehörte Max Miller an. Viele haben ihn zum Ehrenmitglied gekürt. Die wichtige Arbeit der Vereine hat er immer unterstützt. Nebenbei war Miller 15 Jahre lang Vorstand der Molkereigenossenschaft, Aufsichtsratsvorsitzender der Raiffeisenbank und stand dem VdK-Ortsverein Pfaffenhausen und Umgebung vor.

Max Miller ist mit zahlreichen Ehrungen bedacht worden. Der CSU-Kommunalpolitiker ist Träger des Bayerischen Verdienstordens in Bronze und des Bundesverdienstkreuzes am Bande. 2005 erhielt Max Miller das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Sein Leben war ein Stück gelebte Nachkriegsgeschichte, die er mit Tatkraft, Sparsamkeit, Unternehmungsgeist und Bauernschläue meisterte. Von vier Brüdern der Bauernfamilie Miller in Salgen sind drei im Krieg gefallen und Max wurde schwer verwundet. Er verlor ein Bein und war auf Krücken angewiesen. Diese Erfahrung war für ihn steter Ansporn, sich für ein friedliches Miteinander einzusetzen. Seine ursprüngliche Verwaltungsausbildung mit einer Tätigkeit im Landratsamt Mindelheim mündete somit bald nach Kriegsende in der Notwendigkeit, den elterlichen Hof zu übernehmen.

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Wegen seiner Verwaltungskenntnisse wurde der 24-jährige Miller von der Militärregierung im Oktober 1945 kurzerhand zum Bürgermeister in Salgen gemacht. Er blieb es bis zur ersten Wahl 1948 und „residierte“ in seiner Bauernstube. 1948 stellte sich Max Miller dann zur ersten Bürgermeister-Wahl, unterlag jedoch im zweiten Wahlgang mit drei Stimmen seinem mittlerweile entnazifizierten Vorgänger im Amt. Ab 1960 gehörte „der Max“, wie er allgemein genannt wird, dem Gemeinderat in Salgen an. Als 1966 wieder Bürgermeisterwahlen anstanden, kandidierte er bewusst nicht. Doch die Salgener Bürger gaben dem „offiziellen“ Kandidaten nur 20 Prozent der Stimmen. 80 Prozent schrieben den Namen „Max Miller“ auf den Wahlzettel.

Damit war er gewählt. Die Bauern lösten ihr Versprechen ein, ihm beim begonnenen Bau des Aussiedlerhofes und bei Erntearbeiten zu helfen, sodass er doch etwas Luft für die Bürgermeisterei bekam.

Verschwendung aller Art war Max Miller zuwider, „soscht kommt ma nia hintr a Geld“, wie er sagte. So waren seine winzigen „Sparbleistifte“ und die kleinen Zettel als „Sparpapier“ geradezu sprichwörtlich.

Das Requiem für Max Miller mit anschließender Beerdigung findet am Donnerstag, 5. Januar, um 10.30 Uhr in der Pfarrkirche Salgen statt.

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