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Unterallgäu

30.01.2020

Die Angst der Bauern vor der Veterinär-Kontrolle

Haben die Tiere genügend Platz? Ein Veterinär bei der Kontrolle.
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Haben die Tiere genügend Platz? Ein Veterinär bei der Kontrolle.
Bild: Rustler

Plus Der Leiter des Veterinäramtes erklärt Landwirten, wie die Amtstierärzte auf den Höfen kontrollieren und wann der Staatsanwalt eingeschaltet wird.

Im Allgäu muss sich demnächst ein Landwirt vor Gericht verantworten, weil er seine Tiere nicht gut genug versorgt haben soll. Solche Schlagzeilen lösen bei vielen Landwirten Ängste aus. Was geschieht, wenn das Veterinäramt kontrolliert und etwas beanstandet? Steht dann der Staatsanwalt vor der Tür?

Auf Einladung des schwäbischen Fleckviehzüchterverbandes sprach der Leiter des Mindelheimer Veterinäramtes, Dr. Alexander Minich, vor Landwirten im Gasthof Sonne in Mittelrieden. Dabei zeigte Minich Bilder von lahmenden Rindern, die erkennbar zu wenig Pflege abbekommen haben. Der Anteil lahmender Kühe sei „nicht unerheblich“, sagte der Amtstierarzt. Niemand müsse eine Kuh für 20.000 Euro behandeln lassen, betonte er.

Alexander Minich

Bauern müssen sich darum kümmern, dass Tiere nicht unnötig leiden

Aber Landwirte müssten dafür sorgen, dass Tiere nicht unnötig leiden. Minich riet dazu, frühzeitig einen Tierarzt hinzuzuziehen. Damit sei der Bauer aus der Verantwortung. Wer zu lange wartet, läuft Gefahr, dass ein Tier nicht mehr transportfähig ist und noch auf dem Hof getötet werden muss. Das ist dann ein Totalverlust auch in finanzieller Hinsicht für den Bauern.

Die Angst der Bauern vor der Veterinär-Kontrolle

Der Tiermediziner räumte ein, dass manche Bauern überlastet seien. Landwirte müssten aber ihren Betrieb so organisieren, dass dem Tierschutz Rechnung getragen werde. Wer das nicht leisten kann, müsse seinen Bestand reduzieren. Für ausreichend Licht und Wasser für Kälber könne jeder leicht sorgen. Und auch dafür, dass Iglus mit Kälbern im Sommer nicht in der prallen Sonne stehen.

Kühe sollten mindestens stundenweise auf die Weide gelassen werden

Da könne es keine Ausreden geben. Minich appellierte auch an alle, die Platz um ihre Höfe haben, die Kühe mindestens stundenweise auf die Weide zu lassen. Kontrollen erfolgten immer unangekündigt, so Minich weiter. Er mache einen feinen Unterschied, ob etwas gerade nicht top ist oder ob Missstände von Dauer sind. Das lasse sich an den Tieren ablesen.

Fallen bei Kontrollen massive Tierschutzverstöße auf, werde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Diese Aussage sorgte bei den gut 30 Anwesenden nicht für Beruhigung. Zuchtleiter Friedrich Wiedenmann hatte von Ängsten vieler Bauern vor Kontrollen gesprochen und gefragt, ob die Veterinärämter nicht einen gewissen Spielraum hätten. Und er betonte: Er komme viel auf Bauernhöfen herum. Aber von schlimmen Zuständen wie auf manchen Bildern des Veterinäramtes zu sehen, könne keine Rede sein. Diese Bilder seien nicht Alltag, sagte Minich. Aber leider gäbe es eben auch immer wieder mal vernachlässigte Tiere. Drei Viertel der Beanstandungen durch das Veterinäramt übrigens betreffen nicht die Milchviehwirtschaft. Es sind Verstöße in der Haltung von Hunden, Katzen, Pferden und anderen Haustieren.

Hier erfahren Sie mehr über die Veranstaltung der Fleckviehzüchter:

Hier kommen Sie zur Berichterstattung über den Bad Grönenbacher Tierskandal:

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