Schüleraustausch in Mindelheim

08.06.2017

Die Brückenbauer

Im vorigen Herbst war bereits eine Gruppe junger Franzosen an der Mindelheimer Berufsschule. Bei der BayWa haben die angehenden Landmaschinenmechaniker praktische Erfahrungen gesammelt.
Bild: Andreas Kurzen

Engagierte Lehrer in Mindelheim knüpfen Kontakte in andere Länder. Im Herbst kommen Franzosen. Hat jemand Lust, ihnen die Region zu zeigen?

Lässt sich mit Idealismus und Herzblut die Welt verbessern? Man kann es zumindest versuchen, besonders in Zeiten, in denen ein wachsender Teil der Menschen in Europa glaubt, eine Rückbesinnung aufs Nationale verspreche eine bessere Zukunft. Drei Lehrer an der Mindelheimer Berufsschule gehen seit ein paar Jahren den genau entgegengesetzten Weg, den die Schulleitung stark unterstützt. Sie bauen Brücken, knüpfen Kontakte in andere Länder. Sie wollen, dass sich junge Menschen aus unterschiedlichen Ländern begegnen.

„Das ist wichtiger denn je“, sagt Karl Geller. Wer wolle, dass sich die Völker verstehen, müsse auf andere zugehen, so seine Überzeugung. Erst kürzlich war eine kleine Gruppe russischer Lehrer in Mindelheim (wir berichteten). Sie hat damit einen Besuch in ihrer Heimat erwidert. Beide Seiten hatten sich menschlich prima verstanden.

Karl Geller hofft, dass sich daraus eine längerfristige Freundschaft ergibt - zum Wohl beider Seiten. Ziel sei immer, junge Leute dazu zu bewegen, ins jeweils andere Land zu gehen und so den eigenen Horizont zu erweitern – beruflich wie menschlich.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Andreas Kurzen und Fiorenzo Vadurro sind die Mitstreiter von Karl Geller. Austausch gibt es inzwischen mit Norwegen, England, Russland und Frankreich. Die Mindelheimer Berufsschule ist mit ihrer Offenheit damit Vorreiter in Deutschland.

Größte Schwierigkeit war die Sprache

Einen neuen Impuls erfährt gerade Frankreich. Im November vorigen Jahres waren neun junge Franzosen im Alter zwischen 16 und 18 in Mindelheim. Sie waren aus Vedéne in der Nähe von Avignon angereist. Sie alle erlernen den Beruf des Landmaschinenmechanikers.

Hauptschwierigkeit war die Sprache. Deshalb haben deutsche und französische Schüler in der ersten Woche die Grundbegriffe der jeweils anderen Sprache gebüffelt. Das hat gereicht, dass die jungen Franzosen an ihren Praktikumsstellen Toni Maurer in Türkheim, Albrecht und Gerber in Bad Grönenbach, BayWa Memmingen und Mindelheim, Zürn-Heber-Kröll in Holzgünz und Gaum Gartentechnik in Benningen genügend verstanden haben. Beim Übersetzen hat auch Nancy Camillieri geholfen, die frühere Lehrerin am Maristenkolleg.

Der Gegenbesuch fand heuer im Februar und März statt. Fünf Mindelheimer Berufsschüler machten sich auf den Weg nach Südfrankreich. Auch sie absolvierten ein Betriebspraktikum. Andreas Kurzen sagt, beide Seiten hätten sich äußerst positiv über ihre Erfahrungen im jeweils anderen Land geäußert. Oberstudiendirektor Reinhard Vetter sieht noch einen Gewinner: die Firmen in der Region. Sie stellen sich zunehmend internationaler auf. Von den Kontakten könnten also alle profitieren. Auch die französische Kollegin Natalie Faure hofft, dass deutsche und französische Firmen noch besser zusammenarbeiten werden. Im nächsten Schuljahr erwartet Mindelheim zehn junge Schüler aus Südfrankreich. Drei Wochen lang werden sie im November 2017 in der Kreisstadt leben und tagsüber Betriebe kennenlernen. Karl Geller ist dabei das gegenseitige Kennenlernen ein besonderes Anliegen. Er würde sich freuen, wenn sich Mindelheimer fänden, die bereit sind, einen der Jugendlichen für ein paar Tage aufzunehmen oder mit ihnen etwas zu unternehmen. Wer Interesse hat, schreibt eine Mail an verwaltung@bsmn.de oder meldet sich nach den Pfingstferien unter Telefon 08261/76200.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20IMG_2442.tif
Türkheim

Ein Skandal im Türkheimer Schloss

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden