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20.03.2009

Die Dachgaube als Schicksalsfrage

Mindelheim (jsto) - Stadtbaumeister Gerhard Frey ahnte, was kommen werde. Mit zehn Stimmen genehmigte der Bauausschuss einstimmig den Einbau einer Dachgaube in der Berliner Straße. Das Problem dabei: Der Bebauungsplan sieht in dem Bereich keine Dachgauben vor. In anderen Fällen waren Bauanträge dieser Art abgelehnt worden.

Alles Warnen vor einem fatalen Präzedenzfall war freilich vergebens. "Das wäre die erste grobe Verletzung des Bebauungsplanes", sagte Frey. Wenn man einmal ja sagt, müsse man jedes Mal ja sagen, sprach der Stadtbaumeister den Kommunalpolitikern ins Gewissen. Die Siedlung werde ihr Gesicht verlieren.

Der stellvertretende Bürgermeister Herbert Kugler ( CSU) teilte die Bedenken nicht. "Ich bin der Meinung, man sollte die Umstände in die Waagschale werfen". Hier gehe es um eine Familie mit mehreren Kindern, die aus allen Nähten platze. Er tendiere dazu, die Dachgaube zu genehmigen.

Stefan Drexel (Freie) stimmte zu. Die Familie habe Erweiterungsbedarf. Zwar wäre ein Anbau städteplanerisch schöner. Aber heutzutage müsse man froh sein, wenn Kinder groß gezogen würden. Hannelore Lutzenberger (BG) setzte noch eins drauf und meinte, "wir freuen uns, wenn sich die Mindelheimer vermehren". Sie hält Dachgauben auch architektonisch für eine Bereicherung, weil sie für Abwechslung sorgten. Rosina Rottmann-Börner (ÖDP) bezeichnete sich selbst als einen Freigeist. Sie habe kein Problem, wenn eine Dachgaube gebaut würde.

Die Dachgaube als Schicksalsfrage

In München flössen sogar öffentliche Zuschüsse für den Dachausbau. Gerhard Frey hielt zwar dagegen, man solle sich aufs Baurecht bei der Entscheidung stützen und nicht mit persönlichen Umständen vermischen. Letztlich blieb er mit seiner Auffassung aber allein auf weiter Flur. Auch Ingrid Friedrich (SPD) meinte, im Interesse der Eigentümer sollte man hier eine Ausnahme machen.

Ursula Kiefersauer (CSU) gab allerdings zu bedenken, dass viele eine Gaube in der Vergangenheit bereits gehabt hätten, diese aber nicht bekommen haben. Und sie fügte den fast lyrischen Satz an: "Die Dachgaube ist schicksalshaft mit Mindelheim verbunden".

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