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Unterallgäu

17.04.2018

Die Einsicht ist da, aber ...

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Auch im Unterallgäu wird immer mehr Fläche verbaut.
Bild: Mathias Wild

Zwei Bürgermeister räumen ein, dass zu viel Fläche verbraucht wird. Sie warnen aber davor, jetzt eine Vollbremsung hinzulegen.

Der Landkreis Unterallgäu boomt seit Jahren. Den Betrieben geht es gut, sie bieten gute Jobs, die Einwohnerzahlen steigen. Die Kehrseite der Medaille: Der Flächenverbrauch steigt weiter an. Firmen erweitern und Familien wünschen sich ein Eigenheim. Wie können Bürgermeister da einen übermäßigen Flächenverbrauch eindämmen?

Eines lehnen alle Gemeindechefs ab: Eine staatlich regulierte Kontingentierung von Bauflächen, wie sie bei einem erfolgreichen Volksbegehren „Betonflut eindämmen – Damit Bayern Heimat bleibt“ die Folge wäre. Das wäre ein massiver Eingriff in das Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden, betont Mindelheims Bürgermeister Stephan Winter. Sein Türkheimer Kollege Christian Kähler macht ein Rechenbeispiel auf: Dürften pro Tag bayernweit nur noch fünf Hektar überbaut werden, macht das im Jahr 1825 Hektar. Aufgeteilt auf die rund 2000 Gemeinden würde das bedeuten, dass jede Kommune weniger als ein Hektar verbrauchen darf. Da würde sich dann zwingend die Frage stellen, wer wie viel bekommt und wer wie viel braucht.

Mehrfamilienhäuser sollen Abhilfe schaffen

Schon jetzt ist der Bedarf nach neuen Flächen groß. Von mindestens 300 bis 400 Wohnungssuchenden allein in Mindelheim spricht Winter – ohne die Bauplatzbewerber. Und regelmäßig fragen Unternehmen bei der Stadt an, weil sie mittel- und großflächige gewerbliche Einheiten schaffen wollen. Derzeit müsse ein Großteil der Anfragen abgelehnt werden. In Türkheim werden für die kommenden zwei bis drei Jahre rund zehn Hektar neue Fläche benötigt.

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Würde der Flächenverbrauch massiv eingeschränkt, würden die Grundstückspreise noch stärker steigen. Das wiederum „führt wahrscheinlich zu keiner Mietpreisreduzierung“, wie es Kähler formuliert. Einen Weg sieht der Türkheimer Bürgermeister darin, mehr Mehrfamilienhäuser in den Bebauungsplänen vorzusehen. Die Wohnungsgenossenschaft Mindelheim baut in Türkheim zwei solche Mehrfamilienhäuser mit günstigen Mietwohnungen.

Auch Mindelheim setzt auf andere Wohnformen als die reinen Einfamilienhäuser. Winter nennt Kettenhäuser, die mit relativ wenig Baugrundstück auskommen. Und ein engmaschiges Fuß- und Radwegenetz und öffentliche Grünflächen sind ein Beitrag, die Umwelt zu entlasten. Dennoch wird es auch in Mindelheim neue Baugebiete am Ortsrand geben. Vor allem aber setzt die Stadt auf die Nachverdichtung. Beispiele hierfür sind das vor Kurzem ausgewiesene Baugebiet an der Lautenwirtswiese und das sich bereits seit längerem in Planung befindende Baugebiet nördlich des Dr.-Jochner-Weges (ehemaliges Riebel-Bauhof-Gelände).

Es könnte zu Konflikten kommen

Würde der Flächenverbrauch tatsächlich, wie im Volksbegehren formuliert, begrenzt, fürchtet Winter gesellschaftliche und städtebauliche Konflikte in Mindelheim. Das Schaffen von neuen Kindergärten oder Sportplätzen wäre dann weitaus schwieriger zu bewerkstelligen als heute. Bei Supermärkten wäre allerdings denkbar, dass verpflichtend Tiefgaragen vorgeschrieben werden, um den Flächenverbrauch zu begrenzen. Auch sein Amtskollege Kähler fürchtet, das Erweiterungen für Kindergärten schwieriger machbar wären.

Auf der anderen Seite gibt es in jeder Gemeinde auch leer stehende Gebäude. Kähler sagt, diese seien in privater Hand. Hier könne die Gemeinde vermitteln und helfen, dass sich eine neue Nutzung ergibt. Stephan Winter sagt: „Letztendlich ist es aber so, dass die Stadt keinen Zugriff auf privates Eigentum hat und daher auf die Mithilfe der Eigentümer angewiesen ist und diese mit Mitteln der Städtebauförderung und der Förderung aus dem städtischen Klimaschutzbudget unterstützt.“ Die Kreisstadt vermittelt auf Grundlage des Leerstandskatasters Gewerbeimmobilien.

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