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Bad Wörishofen

18.01.2020

Die Eishalle macht erneut Probleme

Über ein Schienensystem kann das Dach der Eishalle Bad Wörishofen geöffnet werden. Künftig soll es dauerhaft geschlossen bleiben.
Foto: Markus Heinrich

Plus Weitreichende Entscheidung sorgt für Zündstoff. Landratsamt entdeckt Mängel, weil offenbar nicht nach der Baugenehmigung von 1985 gebaut wurde.

Mängel an der Eishalle Bad Wörishofen verursachen weitere Kosten. Der Stadtrat hat nun einen Beschluss gefasst, der auch vorsieht, dass das Dach der Eishalle nicht mehr geöffnet werden kann. Dass dieser Punkt nach einer intensiven Debatte mit abgestimmt wurde, sorgte für Kritik aus der CSU-Fraktion. Fraktionssprecher und Zweiter Bürgermeister Stefan Welzel und Familienreferentin Marion Böhmer-Kistler beklagten, dass darüber vorher nicht mit den drei Vereinen gesprochen wurde, die die Halle nutzen. Der Rat folgte der Beschlussvorlage der Verwaltung mit 16:7 Stimmen.

Ludwig Kreuzer (CSU) hatte noch die Frage aufgeworfen, ob man das eigentlich zu öffnende Dach einfach so dauerhaft schließen könne, oder ob hier Rechte des Architekten verletzt werden. Darauf konnte in der Sitzung niemand eine Antwort geben. Stadtbaumeister Roland Klier sagte, er werde dies prüfen. Die Eishalle hatte einst bekanntlich Josef Wund geplant, der auch die Therme Bad Wörishofen und weitere Großbäder in Deutschland errichtete. Wund starb im Dezember 2017 bei einem Flugzeugabsturz.

Der nun gefasste Beschluss wurde nötig, weil das Landratsamt bei einer Begehung der Eishalle Mängel beim Brandschutz festgestellt hatte. Diese Mängel entstammten noch der Baugenehmigung von 1985. Hier widersprach Klier dem FW-Fraktionssprecher Wolfgang Hützler, der gesagt hatte, die Mängel seien bereits 1985 beanstandet worden. Klier sagte, dies stimme nicht. Damals sei aber nicht nach Baugenehmigung gebaut worden. Dass dies aber offenbar auch nicht kontrolliert wurde, bei „so einem Riesenbau“, kritisierte wiederum Hützler.

Klier hielt dem entgegen, dass die Stadt Bad Wörishofen nach und nach alle öffentlichen Gebäude kontrolliere. „Sie wissen aber auch, wann Sie damit begonnen haben“, sagte Hützler dazu.

Plötzlich steht das Thema Neubau einer Eishalle im Raum

Fest steht nach Nachfrage von Stadtentwicklungsreferent Daniel Pflügl (Grüne), dass die Eishalle auch nach dem Ausbessern der Mängel nicht als Veranstaltungshalle genutzt werden kann. Der Stadtrat hatte bereits die Nutzung der Halle auf Eishockeyspiele, das Eishockeytraining und den öffentlichen Lauf samt Eislaufveranstaltungen begrenzt, in der Summe mit nicht mehr als 600 Besuchern. Mit diesem Beschluss hatte der Rat die Forderung aus der Baugenehmigung umschifft, wonach eine automatische Öffnung des Daches für den Brandfall gefordert wurde. Das hätte viel Geld gekostet, das mit der Selbstbeschränkung nicht ausgegeben werden musste. Nun reicht es, dass die vorhandenen Planen an der Ostseite durch die Feuerwehr geöffnet werden können.

Mit dem Beschluss, dass das Hallendach künftig überhaupt nicht mehr geöffnet werden kann, will der Rat nun ebenfalls Geld sparen. Die Sanierungskosten könnten so um 30.000 bis 40.000 Euro sinken, schätzt Thomas Lutzenberger vom beauftragten Ingenieurbüro. Die Idee dazu kam ebenfalls von Pflügl. „Wir stecken da ständig Geld rein“, kritisierte er. „Hat man irgendwann mal die Kosten für einen günstigen Neubau samt Fördermitteln geprüft?“ Dann könnte die Stadt auch wieder Veranstaltungen in einer großen Halle anbieten. Dass es für die bestehende Eishalle einst hohe Förderungen gab, daran erinnerte Josef Kunder (CSU). Man sei deshalb auch gewissermaßen in der Pflicht, das Gebäude zu erhalten, auch das zu öffnende Dach. Kunder verwies auf Buchloe. Dort wurde aktuell beschlossen, das Eisstadion für 3,7 Millionen Euro zu sanieren, trotz Kostenexplosion um 1,2 Millionen Euro.

Ohne Mängelbeseitigung kann die nächste Saison nicht eröffnet werden

Stadtbaumeister Klier gab auch zu bedenken, dass man nun schnell handeln müsse. Das Landratsamt werde ohne die Mängelbeseitigung den Betrieb in der Eishalle nicht mehr genehmigen, signalisierte er. „Wir werden sonst im nächsten Jahr die Saison nicht mehr eröffnen können“, sagte Klier.

Dass das Hallendach ohnehin nur selten geöffnet werde, sagte Bürgermeister Paul Gruschka (FW). Wichtig seien nun die Brandschutzmaßnahmen, sagte er sinngemäß.

Grünen-Fraktionssprecherin Doris Hofer erneuerte ihre Forderung nach einer gemeinsamen Begehung der Eishalle. „Schade, dass wir da jedes Jahr Geld reinstecken, aber ohne Plan“, kritisierte sie. „Wir wollen den Vereinen die Halle erhalten“, sagte sie. Aber derzeit stecke die Stadt „Geld in den Verfall“. Sie riet dazu, den Betrieb zu erhalten und gleichzeitig an einem Konzept für die Zukunft zu arbeiten, sie nannte einen Neubau ebenso wie eine Generalsanierung. Das Dach sollte man dauerhaft schließen. Das empfahlen auch Christian Förch (CSU) und Thomas Vögele (FW). Die Öffnungsmöglichkeit sei „Luxus“ und „total überflüssig“, sagte Vögele.

Unterschiedliche Auffassungen gab es zur Auslastung der Halle. Während Vögele es „schade“ fand, dass die Halle von den Bürgern so wenig genutzt werde, berichtete Böhmer-Kistler von über 200 Leuten beim Eislauf in den Weihnachtsferien. Dass man in den umliegenden Orten in Sachen Hallenausbau oder -erhalt „nicht schlafe“, betonte Vögele. Das ziehe Kundschaft ab.

Was die Stadt Bad Wörishofen zuletzt in die Eishalle investiert hat

Stadtbaumeister Klier rechnete später vor, was zuletzt in die Eishalle gesteckt wurde, etwa 120.000 Euro für Sicherheit oder „Zehntausende Euro“ für die Behebung von Glasschäden oder enorme Summen für die NH3-Anlage. Böhmer-Kistler setzte sich für einen Erhalt der Halle ein, warb aber auch dafür, Partner ins Boot zu holen und vor allem vor einer Entscheidung die Vereine zu fragen, ob sie ein zu öffnendes Dach brauchen. Zudem müsse „ein kluges Konzept“ dafür her, wie die Halle ganzjährig genutzt werden kann. „Die Halle gehört zur Lebensqualität“, betonte Böhmer-Kistler. „Wir sind mit Abstand die größte Stadt des Landkreises, es wäre ein Armutszeugnis, wenn wir das nicht schaffen.“ Auch Bürgermeister Gruschka setzte ich für den Erhalt der Halle ein. Diese sei aber keine Veranstaltungshalle. Bevor man über einen Neubau nachdenke, sei zudem erst einmal das Jugendzentrum an der Reihe, das nach Brandschutzmängeln für größere Veranstaltungen nicht mehr genutzt werden kann.

Hitzig wurde es zum Ende der Debatte zwischen Gruschka und Wirtschaftsreferent Alwin Götzfried von der FW-Fraktion. Götzfried sprach von „einem Sportstättenproblem“, das Bad Wörishofen habe. „Dieser Finanzbedarf wird uns mittelfristig teuflisch treffen“, befürchtet Götzfried. Er wies darauf hin, dass der Betrieb einer Eishalle zu den freiwilligen Leistungen einer Stadt gehöre. Weil aber Bürgermeister Gruschka bereits angekündigt habe, die Beantragung von Stabilisierungshilfen erneut zur Sprache zu bringen, werde man sich die Eishalle „nicht mehr leisten können“, fürchtet Götzfried. Bei der Beantragung geht es auch um die Frage, welche freiwilligen Leistungen eine Stadt noch erbringen darf, um Fördermittel zu erhalten. „Das können Sie so nicht sagen“, beschied Gruschka. Götzfried wiederum kritisierte, von „strategischer Vorausplanung“ sei man in Bad Wörishofen „Lichtjahre“ entfernt. „Ich will heute keine Apokalypse, Herr Götzfried“, sagte Gruschka zur Kritik.

Lebhafte Debatte um das Für und Wider im Stadtrat

Zweiter Bürgermeister Welzel (CSU) betonte aber, man müsse „strategisch handeln, und nicht auf Zuruf“. Es sei nicht so, dass man in Sachen Eishalle nie etwas getan hätte. Aber die Anforderungen würden immer weiter steigen. Welzel sieht nach Gesprächen mit Beteiligten auch Handlungsbedarf in Sachen Eismaschine oder Bande kommen. Auch er wollte eine Besprechung mit den Vereinen, bevor über eine dauerhafte Schließung des Daches entschieden wird. Eine klare Meinung dazu hatte Sportreferent Jürgen Thiemann (SPD). „Dem zu öffnenden Dach brauchen wir nicht nachtrauern“, sagte er. „Es ist sehr personalintensiv, zudem haben wir dazu die nötigen Außentemperaturen gar nicht mehr.“ Dass man die Halle instand setzen sollte, dafür setzte sich auch FW-Fraktionssprecher Hützler ein. „Über eine Generalsanierung mit Fördermitteln haben wir vielleicht noch nicht nachgedacht“, gab er zu Bedenken. „Aber man sollte nicht 20 Millionen Euro für einen Neubau in die Hand nehmen; für fünf bis sechs Millionen Euro kriegen wir das gelöst“.

Das wird nun in der Eishalle von Bad Wörishofen gemacht

Aktuell stehen 210.000 Euro netto im Beschluss, eine Summe, die sich voraussichtlich durch die dauerhafte Schließung des Daches um 30.000 bis 40.000 Euro reduzieren wird. Dafür wird eine Anlage für Durchsagen im Brandfall eingebaut, zudem eine Sicherheitsbeleuchtung. Auch Mängel an der Blitzschutzanlage müssen behoben werden. Für die Sicherheitsbeleuchtung hätte man eine Lösung mit eigens zu bauenden „Galgen“ schaffen müssen, um das Dach weiter öffnen zu können. Dies geht nun einfacher. Zum Einsatz kommen wird zudem eine neue Hausalarmanlage mit Sirenen für den Brandfall. Die Anschlüsse der Blitzschutzerder sind verrostet, teils fehlen Blitzschutzfangeinrichtungen auf dem Dach. Auch das muss behoben werden. Der Stadtrat genehmigte den Vorgriff auf den Haushalt, damit die Arbeiten in der Sommerpause erledigt werden können. Bis zum Beginn des Spielbetriebs im September 2020 soll alles fertig sein.

Bei der Eishalle gab es schon mehrmals Probleme:

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