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02.06.2009

Die Erörterung geht in eine zweite Runde

Mindelheim/Ettringen Gegen Ende waren alle müde. Fünf lange Verhandlungstage im Erörterungsverfahren zum geplanten Heizkraftwerk der Papierfabrik Lang (Ettringen) lagen hinter ihnen - und bei Weitem waren noch nicht alle Themen abgearbeitet, nicht alle Einwender zu Wort gekommen. Die BI kündigte an, noch rund 35 Themenbereiche vortragen zu wollen, was allein einen Zeitraum von drei bis fünf weiteren Tagen in Anspruch nehme. Die Folge: Man einigte sich auf eine Aussetzung der Anhörung bis zum 7. Juli. Dann geht es weiter am gleichen Ort, in der Turnhalle des Maristenkollegs in Mindelheim.

Bis dahin haben zumindest die Gutachter der Firma Lang noch einige Hausaufgaben zu machen. Denn in puncto Brandschutz gab es zum Ende des ersten Erörterungsmarathons einige Kritik von der Bürgerinitiative "Gesundes Wertachtal". Die Unterlagen im Genehmigungsverfahren seien nicht vollständig, hieß es. Vor allem wurde kritisiert, dass die Brandvorkehrungen für die Baustelleneinrichtung sowie für die bestehenden Gebäudeteile nicht vorhanden seien. Dieses Manko räumte Lang-Geschäftsführer Dr. Thomas Krauthauf ein, war doch just am Freitag der Brandschutz-Gutachter wegen einer Beerdigung an der Teilnahme der Erörterung verhindert. Dennoch habe Lang bisher schon das Bestmögliche für den Brandschutz getan - und werde dies auch beim Kraftwerk tun.

Was passiert bei Bunkerbrand?

Ein wichtiger Punkt waren die schlimmst anzunehmenden Unfälle wie Bunkerbrand und der Ausfall der Rauchgasreinigung. Beide Szenarien hat das Landesamt für Umwelt (LfU) bereits durchgespielt unter den ungünstigsten Bedingungen und kam, wie Dr. Gerold Hensler vom LfU betonte, zu dem Ergebnis: "Die Bunkerflächen sind sehr gering. Selbst unter dramatischsten Bedingungen werden die Beurteilungswerte unterschritten. Es kommt zu keiner ernsten Gefahr im Umfeld." Große Sorgen haben die Bewohner von Ettringen Ost I und Ost II, deren einziger Fluchtweg bei einer Evakuierung direkt zur Firma Lang führt. Dazu Hensler: "Es gibt kein Ereignis in der geplanten Anlage, bei dem sie evakuiert werden müssen. Von dieser Anlage geht für die Bevölkerung keine ernste Gefahr aus. Selbst bei einem Bunkerbrand kann nichts passieren." Hierfür sieht das Brandkonzept unter anderem eine interne Löscheinrichtung vor.

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Kritisiert wurde von der BI, dass der unabhängige Gutachter, der das Brandschutzkonzept überprüft, von der Firma Lang selbst beauftragt wurde. Allerdings geschah dies in Übereinstimmung mit der Bayerischen Bauordnung und nach Absprache mit dem Landratsamt. Diesen Gutachter muss die Firma ohnehin bezahlen, auch wenn er vom Landratsamt direkt beauftragt worden wäre. Dennoch die BI-Kritik: "Das ist ein dickes Ding."

Thema drei: die Baustelleneinrichtung selbst. Die BI-Vertreter vermuteten, dass sie wohl außerhalb des Geländes im Landschaftsschutzgebiet platziert werden müsse und dafür sei eine eigene Auslegung, eine eigene Genehmigung notwendig. Dies, so die Lang-Vertreter, sei nicht nötig, da man innerhalb des Fabrik-Geländes bleiben könne. Dort reiche der Platz durchaus aus, um die einzelnen Gewerke nach und nach fertigen zu können.

Thema vier: die Veröffentlichung der Messwerte. Hier strebe die Firma, so Krauthauf, den "gläsernen Schornstein" an. Eine Veröffentlichung sei in der Gemeinde geplant. Wie, das werde noch geklärt.

Bürger forderten zudem eine Reihenuntersuchung der Bevölkerung vor allem hinsichtlich des Krebsrisikos sowie eine Alternative zur geplanten EBS-Anlage. BI-Anwalt Baumann: "Die Firma macht nicht, was man machen könnte. Sie könnte mehr tun, wie dies in anderen EU-Ländern Vorschrift ist." Er kritisierte, dass die Vorbelastung der Luft nicht untersucht wurde, und sieht negative Auswirkungen für die Milchbauern. Gefährdet würden seiner Meinung nach nicht die Arbeitsplätze der Firma Lang, sondern mit dem Kraftwerksbau die Arbeitsplätze der Umgebung im Kneippland Unterallgäu: "In Bad Wörishofen, wo die Emissionen zuvorderst hingehen werden, sind so Arbeitsplätze gefährdet. Werden gleich strengere Grenzwerte eingehalten, wäre die ganze Region dankbar."

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