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Salgen

23.11.2019

Die Fische in der Region sind in großer Not

Viele heimische Fischarten sind gefährdet. Dazu gehört auch die Bachforelle, die klare, kühle Gewässer braucht.
Bild: Wawrzyniuk

Plus Einfache Lösungen gibt es nicht, ist das Fazit der Experten im Fischereihof Salgen. Wenn aber Gewässer besser geschützt würden, wäre schon viel erreicht.

Mehr als die Hälfte der heimischen Fischarten ist vom Aussterben bedroht. 87 Prozent der Bäche und Flüsse sind gestört. Aber es ist noch nicht alles verloren: 88 Prozent der 75 Fischarten in Bayern sind noch vorzufinden. Das geht aus dem „Fischzustandsbericht“ des Instituts für Fischerei Starnberg der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft hervor. Der Bericht lässt freilich keinen Zweifel: Es besteht dringender Handlungsbedarf.

Was aber ist sinnvoll, um den Fischen zu helfen? Und wie können die Gewässer besser geschützt werden? Dazu fand auf Einladung des Krumbacher Bundestagsabgeordneten Georg Nüßlein ein Fachgespräch über den Artenschwund in Schwabens Flüssen und Bächen im Fischereihof des Bezirks Schwaben in Salgen (Unterallgäu) statt. Vertreter von Fischereiverbänden, des Landschaftspflegeverbandes, des Bezirks Schwaben, der Regierung von Schwaben, des Fischereihofes Schwaben in Salgen, des Wasserwirtschaftsamtes, des Bauernverbandes, des Bund Naturschutz, der Wasserkraft und von Fischereigenossenschaften und -vereinen waren der Einladung gefolgt.

Eine einzige Lösung zur Rettung der Fische gibt es nicht

Die Lösung schlechthin gibt es nicht. „Es gibt nicht nur eine Ursache für den Zustand der Gewässer“, sagte etwa Dr. Oliver Born, der Leiter des Fischereihofs Salgen. Eine gute Wasserqualität verheißt noch lange keinen hohen Fischbestand.

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Ralph Neumeier von der Regierung von Schwaben wies sogar auf Gewässer mit eigentlich guter Struktur hin, in denen aber dennoch kaum noch Fische leben. „Wir müssen also genauer hinschauen“, forderte er.

Einigkeit herrscht darin, dass eine erhebliche Rolle der große Eintrag von Sedimenten in die Gewässer spielt. Diese Oberflächenwasser werden bei Starkregen in die Fließgewässer gespült. Dafür sei nicht allein die Landwirtschaft verantwortlich, sagt Nüßlein. Auch Straßen und Parkplätze trügen ihren Teil dazu bei.

Dr. Dagobert Smija vom Fischereiverband Schwaben wies auf die Bedeutung des Bachgrundes hin. „Die kiesige Sohle fehlt weitgehend“, weil viele Gewässer verschlammt sind. Humus werde von den Äckern abgeschwemmt. Krebslarven, Kleinkrebse finden kaum noch Nahrung, Laichplätze für Fische gehen verloren. Hoffnung verspricht, dass Landwirte künftig maximal bis zu fünf Meter Abstand zu Fließgewässern Äcker anlegen dürfen. Damit sollte das Problem entschärft werden. Ralf Klocke von der LEW Wasserkraft GmbH hatte gleich einen praktikablen Vorschlag. Wenn Kies so wichtig für die Fische ist, „warum gibt es dann nicht für einen Kubikmeter Kies einen Ökopunkt?“

Frank Bonell vom Institut für Fischerei sprach von einem „sehr niedrigen Niveau“ beim Fischbestand. Die Abwärtsbewegung verlangsame sich zwar, „aber wir sind noch weit weg von einer Erholung“.

Es wurde viel Geld in die Flüsse investiert - aber das allein reicht nicht

Dass in den vergangenen Jahren viel Geld in die Durchgängigkeit der Gewässer gepumpt wurde – wie an der Iller – „reicht allein nicht“, so Bonell weiter. Auch eine Wüste sei durchgängig. Strukturen seien durch Sedimenteinträge und Begradigungen der Flüsse und Bäche verloren gegangen. Der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Kempten, Karl Schindele, zog ein ähnlich bedrückendes Fazit. Auch nach einem ökologischen Ausbau eines Gewässers dauere es oft Jahrzehnte, bis sich der Fischbestand wieder erholt.

Zu schaffen machen den Fischbeständen auch die invasiven Arten. Kormorane können ganze Bäche leerfischen. Die heimischen Krebsarten bekamen Konkurrenz von eingeschleppten Verwandten. Krebspestsporen hat laut Born der Biber verbreitet.

Der Biber sei „flächendeckendes Reizthema“. Kleinste Gewässer würden aufgestaut. Neunaugen oder Muscheln gingen dadurch verloren. Born sprach sich dafür aus, die Zahl der Biber und Kormorane zu begrenzen.

Aber manchmal sind es auch die Fischereivereine, die die Gewässer überfischten, wie Nüßlein zu bedenken gab. Positives Beispiel ist Salgen. Dort dürfen nur Vereinsmitglieder aus dem Ort fischen, wie der Vorsitzende des Fischereivereins, Jörg Kienle, sagte.

Die Klimaerwärmung hat Folgen auch für die Tiere in den Flüssen

Auch die Klimaerwärmung fordert ihren Tribut. Die Fließgewässer heizen sich zu sehr auf mit Folgen für die Fische. Der Vizepräsident des Bezirks Schwaben, Alfons Weber aus Markt Rettenbach, hat selbst ein Fischwasser. Ihm waren wegen der Hitze voriges Jahr die Forellen verendet. Helfen könnte, mehr Büsche und Bäume an die Gewässerränder zu pflanzen. Wo das geschieht, erholten sich die Fischbestände, sagte Born. Mehr Büsche wären auch ein wirkungsvolles Mittel gegen den Kormoran, der dann nicht so leicht einfliegen könnte. Aber man sollte es auch nicht übertreiben, warnte Jens Franke vom Landschaftspflegeverband Unterallgäu. Denn das ginge wieder zulasten anderer Insekten- und Pflanzenarten.

Von einem verstärkten Schutz kleinerer Bäche versprechen sich die Fachleute eine besondere Wirkung. Hier könnte die Politik entscheidende Weichen stellen. Bisher werden Gewässer nicht als Ausgleichsflächen für Eingriffe in die Natur anerkannt. Städte und Gemeinden bräuchten also Anreize, um hier mehr zu tun. Alfons Weber sieht in den Kommunen eine Schlüsselrolle.

Ein pragmatischer Vorschlag von Salgens Bürgermeister

Eine untergeordnete Rolle spielen offenbar Pestizide und Mikroplastik fürs Überleben der Fische. Zwar sprach sich der Vertreter der Regierung für die vierte Reinigungsstufe bei Kläranlagen aus. Dies aber vor allem deshalb, weil so das Trinkwasser vor unerwünschten Stoffen geschützt werden kann.

Salgens Bürgermeister Hans Egger hatte da gleich noch einen pragmatischen Vorschlag. Warum gleich mit der teuren Sanierung aller Kläranlagen beginnen? Er schlug vor, Altenheimen und Krankenhäusern zu untersagen, ihre mit Medikamenten belasteten Abwässer ungefiltert in die Abwasserkanäle einzuleiten.

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