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Breitenbrunn

01.12.2015

Die Gefahr am Bahnübergang

Bei einem Zusammenstoß in Breitenbrunn sind am Freitagabend zwei Personen schwer verletzt worden. Die Fahrerin eines Linienbusses hatte den Zug übersehen.
Bild: Thomas Pöppel, dpa

Nach dem zweiten Unfall am Bahnübergang in Breitenbrunn innerhalb von kürzester Zeit stellt sich wieder die Frage: Wie lassen sich die Kreuzungen sicherer machen?

Jürgen Tempel ist erst seit dem vergangenen Jahr Bürgermeister von Breitenbrunn – am Wochenende musste er aber schon zum zweiten Mal in seiner Amtszeit einen schweren Unfall an einem Bahnübergang in seiner Gemeinde erleben. Ein Linienbus war in der Bahnhofstraße in Breitenbrunn mit einem Regionalzug zusammengekracht. Zwei Menschen wurden dabei schwer verletzt. Der letzte Bahnunfall in Breitenbrunn ist noch kein Jahr her.

Wie es zu dem Unfall gekommen ist, ist auch zwei Tage später für Jürgen Tempel noch unerklärlich. Das Wetter war normal, auch die Sicht ist in Breitenbrunn nicht sonderlich schlecht – und doch passiert an den Bahnübergängen dort immer mal wieder etwas. Man sehe daran, sagt der Rathauschef, dass nicht einmal Profis wie eine Linienbusfahrerin vor einem solchen Unfall gefeit seien.

Zwischen Mindelheim und Günzburg gibt es 80 Bahnübergänge

Für Tempel gehört die Bahnstrecke zwischen Mindelheim und Günzburg zu den gefährlichsten Strecken überhaupt. Über 80 Bahnübergänge gibt es nach Angaben der Deutschen Bahn auf den 55 Kilometern zwischen den beiden Städten. Allein im Gebiet der Verwaltungsgemeinschaft Pfaffenhausen sind es 18 Übergänge auf zwölf Kilometern, die meisten davon unbeschrankt. Die Situation zwischen Mindelheim und Günzburg ist auch aus Sicht eines Bahnsprechers ungewöhnlich: „Es gibt nur wenig Strecken in Bayern, die ähnlich sind“, heißt es von dem Unternehmen. Das Ziel sei deshalb, die Zahl der Kreuzungen von Gleisen und Straße deutlich zu reduzieren. „Der beste Bahnübergang ist der, den es nicht gibt“, betont der Sprecher. Viele Übergänge an Feldwegen stammten noch aus Zeiten, in denen die Bauern mit Pferdefuhrwerken unterwegs waren – und jeder Umweg viel Zeit gekostet hätte. „Heute kann ein Landwirt aber ohne Probleme auch mal ein, zwei Kilometer weiter fahren.“

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Eine solche Reduzierung von Übergängen war zuletzt auch nahe des Pfaffenhausener Ortsteils Heinzenhof im Gespräch. Dort waren im Oktober ein Auto und ein Zug zusammengekracht, die Stelle gilt als besonderer Unfallschwerpunkt: Sieben Unfälle hat es nach Angaben der Polizei dort seit 2002 gegeben.

Eine Schranke am Bahnübergang kostet einen sechsstelligen Betrag

Der Breitenbrunner Bürgermeister Jürgen Tempel arbeitet seit dem Frühjahr aber auch noch an einer anderen Lösung: Er könne sich vorstellen, „neue Techniken“ aus der Forschung einzusetzen, sagt er im Gespräch mit der MZ. Viel mehr will er dazu aber noch nicht erzählen – um sich keine Nachteile gegenüber anderen Gemeinden einzuhandeln, wie er sagt. Ihm gehe es darum, mit dem Budget, das ihm zur Verfügung steht, möglichst viel Sicherheit an allen Bahnübergängen zu erreichen, betont Tempel. Die Kosten für eine einzelne Schranke an einem Übergang können in sechsstellige Höhen klettern. Und dann, sagt der Bürgermeister, könne es immer noch sein, dass der nächste Unfall an einem ganz anderen Übergang geschehe. Also wolle er versuchen, mit seinen Mitteln lieber alle fünf Bahnübergänge in seinem Gemeindegebiet sicherer zu machen.

Auch Josef Eberhard von der Mindelheimer Polizei appelliert in dieser Hinsicht vor allem an die Verkehrsteilnehmer selbst, aufmerksamer über die Bahnübergänge zu fahren. Natürlich, räumt der Verkehrsexperte ein, stelle jeder Übergang, der nicht technisch gesichert ist, eine Gefahrenquelle dar. Wer vorsichtig fahre, trage aber schon deutlich mehr zu seiner eigenen Sicherheit bei. Eberhard rät: Jeder Autofahrer sollte sich den Bahnübergängen so nähern, wie er sich einer Kreuzung nähert, an der er keine Vorfahrt hat – und erst weiterfahren, wenn er sich überzeugt habe, dass kein Zug komme.

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