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Apfeltrach

08.11.2015

Die Glühweinflaschen blieben im Schrank

Etwa 40 Frauen und Männer im Sattel pflegten mit ihren Rössern in diesem Jahr den guten Draht zum Schutzpatron der Bauern.
Bild: Franz Issing

Bei bestem Novemberwetter führte der Leonhardiritt durch Apfeltrach. Die Veranstaltung hat eine lange Tradition.

Petrus meinte es gut mit dem heiligen Leonhard. Für die 14. Pferdewallfahrt bescherte er ihm und seinen Anhängern strahlendes Spätsommerwetter. Mit Blasmusik, Weihrauch und Glockengeläut wurde der Patron der Stalltiere und einstige Einsiedlerabt gebührend gefeiert. Für die Gemeinde Apfeltrach ist der Leonhardiritt nach den besinnlichen Tagen von Allerheiligen und Allerseelen ein festlicher Höhepunkt im Bauernjahr.

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Den 7. November hatten sich auch Katharina König und Simone Mangold Rot im Kalender angestrichen. Die passionierten Reiterinnen trabten auf Wallach Farina und Haflinger Santos an und ließen ihre Pferde segnen. „Damit wir und auch unsere Tiere gesund bleiben“, begründeten sie ihre Teilnahme.

Die Tradition wurde 2002 wiederbelebt

Die Glühweinflaschen blieben im Schrank

Wie in vielen bayerischen Orten hat auch der im Jahr 2002 wiederbelebte Leonhardiritt in Apfeltrach eine lange Historie. „Es gibt leider keine genauen Aufzeichnungen“, bedauerte allerdings Bürgermeisterin Karin Schmalholz. Die Mitorganisatorin des Festzuges hatte alle Hände voll zu tun. Sie war überall anzutreffen und verteilte bunte Schärpen an die teilnehmenden Reiter. Etwa 40 Frauen und Männer im Sattel pflegten mit ihren Rössern in diesem Jahr den guten Draht zum Schutzpatron der Bauern.

Viel Pracht und Prunk waren aufgeboten, um dem Heiligen Referenz zu erweisen. So sahen die vielen Zaungäste am Straßenrand prächtig herausgeputzte Pferde, Kutschen und Gespanne. Echte Hingucker waren ein mit frischem Tannengrün geschmückter Wagen mit dem Modell der Waldkapelle sowie ein mit Feldfrüchten beladenes Erntefahrzeug. Wie schon in den Vorjahren trug Andrea Mayer das Kreuz der Pferdewallfahrt voraus. „Das ist eine große Ehre für mich“, sagte sie.

160 Hufe klapperten über das Straßenpflaster

160 Hufe klapperten einen wilden Rhythmus auf das Straßenpflaster, während die Gläubigen St. Leonhard um seinen Beistand baten. Zwei mal ruckelte der Tross mit Pferden, Ponys, Hühnern, Gänsen und Kutschen durch das Dorf und machte nur vor der Leonhardskirche kurz Halt. Dort segnete Pater Geesan Ponthempilly Reiter und Tiere mit dem Reliquiar des Heiligen. Während der Benediktion beteten Kutscher wie Reiter „Sankt Leonhard bitte für uns“. Damals wie heute soll der Heilige Menschen und Tiere vor Krankheit bewahren, die Ställe hüten und wirtschaftliche Not von den Bauern abwenden. Fürbitten an den Schutzpatron schickten die Apfeltracher bereits am Morgen während eines festlichen, von der Sängergemeinschaft Erisried gestalteten Gottesdienstes zum Himmel. Pater Alois Schlachter vom Kloster Baumgärtle ging in seiner Predigt wie im Evangelium mit den Gläubigen auf die Suche nach einem im Acker verborgenen Schatz. St. Leonhard habe ihn, nämlich Christus, gefunden und seine adelige Herkunft hinter sich gelassen um als Einsiedler zu leben.

Nachdem die Rösser für ihren großen Auftritt mit einem Zuckerl belohnt waren, feierten die Anwesenden den Namenstag von Sankt Leonhard. Und während das Barometer auf 20 Grad kletterte, spielten, wie schon beim Umzug, die örtliche Musikappelle sowie die jungen Musikanten aus Dirlewang flott auf. Angesichts hoher Temperaturen blieben die Glühweinflaschen im Kühlschrank und die Sonnenschirme hatten noch einmal Saison. „Jeder bekommt halt das, was er verdient“, kommentierte Thea Scholz den Spätherbst, der am Wochenende ein Sommer war.

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