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Gemeinderat

20.11.2018

Die Hoffnung auf weniger Pendlerverkehr

„Die Möglichkeit, von Ketterschwang nach Wiedergeltingen zu kommen? Gleich Null!“Dass der Flexibus des Landkreises Unterallgäu an der Landkreisgrenze Umdrehen muss, kann Wiedergeltingens Bürgermeister Norbert Führer nicht verstehen. Er hat jedoch „positive Signale“ aus Buchloe bekommen und hofft jetzt auf einen Durchbruch bei den Verhandlungen.

Zwei Haltestellen für den Flexibus könnten der Gemeinde Wiedergeltingen auf längere Sicht dabei helfen, den Durchgangsverkehr zu verringern

Norbert Führer beugt sich während der jüngsten Gemeinderatssitzung tief über das Zahlenwerk; für seine Ratsmitglieder erscheint eine Tabelle, gut lesbar, auf der Projektionswand hinter ihm. Etliche Zahlenreihen darin sind rosa hinterlegt, wiederum einige hellblau.

Eine Farbe fällt besonders auf, denn sie nimmt kaum Raum ein in dieser Übersicht; einer Tabelle, die so eng mit Zahlen beschrieben ist, dass man genau hinsehen muss, um zu erkennen, um was es dabei eigentlich geht. Der Bürgermeister von Wiedergeltingen klärt auf, dass es sich hier um den Fahrplan der Regionalbus Augsburg GmbH (RBA) handelt, und genauer: um die Linie 910.

Diese Buslinie verbindet Mindelheim mit der Stadt Buchloe, und zurück. Haltestellen dafür gibt es auch in Wiedergeltingen. Die Krux an der Sache – und damit klärt sich auch die kleinste farbig hinterlegte Spalte in der Tabelle des Busplanes auf: Die Taktung hat zeitliche Löcher, regelmäßige Verbindungen zwischen Wiedergeltingen und Buchloe sind damit bestimmten Regeln unterworfen.

„Manche Busse fahren diese Strecke nur an Schultagen, von Montag bis Donnerstag, und nur zu bestimmten Zeiten; andere wiederum nur in den Ferien“, erklärt Norbert Führer.

Den Rest belegen Rufbusverbindungen. Blickt man über die Landkreisgrenze ins Ostallgäu, zeigt sich dort ein ganz anderes Bild. Will man zum Beispiel von Ketterschwang nach Buchloe, fährt der Bus regelmäßig und in kurzen, zeitlichen Abständen. Die Möglichkeit, von Ketterschwang nach Wiedergeltingen zu kommen? „Gleich Null!“, sagt Norbert Führer.

Tatsächlich ist die Taktung der Linie 910 aus Unterallgäuer Sicht deutlich zurückgefahren worden; Führer selbst bezeichnet das für seinen Ort zur Verfügung stehende öffentliche Netz als „sehr unzureichend“. Der Flexibus, der seit Oktober 2018 den öffentlichen Personennahverkehr nun auch im Raum Mindelheim und Kirchheim-Pfaffenhausen ergänzt, könnte Abhilfe schaffen.

Der Bus kommt hier bei Anruf zur gewünschten Uhrzeit zum nächstgelegenen Haltepunkt. Ein Vorteil: Das Haltestellennetz des Flexibus ist enger als das des Linienverkehrs, der Weg zur Haltestelle in der Regel auch kürzer. Schon im Oktober 2017 hatte der Wiedergeltinger Gemeinderat in einem Beschluss festgelegt, dem Flexibus-Modell im Grundsatz positiv gegenüber zu stehen, doch fehlte es in den Augen der Räte an einer generellen landkreisübergreifenden Lösung, gerade in den Randgemeinden des Unterallgäus (wir berichteten).

Wiedergeltingen wird, wie die Nachbargemeinde Amberg, stark von Pendlern frequentiert, die sich vorrangig in Richtung Buchloe bewegen, Tendenz steigend. Bis zu 5000 Pendlerfahrzeuge täglich gilt es da pro Gemeinde zu bewältigen. Die Problematiken, die damit einhergehen, wurden bereits mehrfach mit den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden diskutiert, unter anderem im Rahmen eines interkommunalen Dialogs, zu dem auch Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger nach Wiedergeltingen eingeladen worden war.

Jüngsten Gesprächen mit Schweinberger könne ein positives Signal entnommen werden, in Buchloe zwei Haltestellen auch landkreisübergreifend zu schaffen, bestätigt Führer an diesem Abend im Rathaus.

Vorstellbar wären Flexibus-Haltepunkte am Bahnhof oder an der Gaststätte Amberger Hof. Auf Anregung eines Gemeinderats wäre das Buchloer Ärzte-Haus ein ebenso idealer Haltepunkt. Als Pendant in Wiedergeltingen käme dann zum Beispiel eine Bushaltestelle im Osterweg in Frage, passende Haltestellen sollten zudem auch für Rollator-Benutzer geeignet sein.

Anfragen durch den Landkreis Unterallgäu beim Nachbar Ostallgäu zur Einrichtung der beiden vorgeschlagenen Flexibus-Haltepunkte in Buchloe sind nun der nächste Schritt, erklärte Norbert Führer.

Man sei schon jetzt „guter Dinge, dass die Zustimmung dafür erreicht werde“.

Denn nichts mehr als die Reduzierung des Durchfahrtsverkehrs wünscht man sich in der Gemeinde. Durch den Flexibus könnten Pendler vielleicht auf längere Sicht auf den Zweitwagen verzichten, dann also mit dem Bus zum Buchloer Bahnhof fahren, so die Hoffnung des Gremiums.

Für die Wiedergeltinger wäre eine schnelle Verbindung zur Nachbarstadt geschaffen – und auch Buchloe hätte mit weniger Pendlerfahrzeugen, die auf Parkraum vor Ort angewiesen sind, etwas Luft gewonnen.

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